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ABC der Kulturen
Verfasst von kochm unter Universität am 3.6.2007
Eher zufällig beim Durchsehen der Veranstaltungsübersicht im “In München” bin ich gestern auf die Veranstaltung “ABC der Kulturen” an der Ludwig-Maximilians-Universität gestossen – und auch hingegangen. Im “Jahr der Geisteswissenschaften” haben auf der Veranstaltung die verschiedenen geisteswissenschaftlichen Fakultäten der LMU ihre Arbeiten publikumswirksam (in Form von kurzen Vorträgen und Workshops) dargestellt.
Zwar habe ich nur zwei Vorträge im Block “Schrift und Sprache als Schlüssel zu Kulturen” gehört – Wolfgang Schulze zur “Vielfalt der Sprachen” und Stephan Packard zu “Mediensemiotische Fragestellungen: Ist Donald eine Ente?” – aber das hat echt Lust auf mehr gemacht. Insbesondere letzterer. Es ist schon faszinierend, was man mit Semiotik alles “anstellen” kann. Ich habe da auch viele Anküpfungspunkte an meine Arbeit mit rechnergestützter Kommunikation und Kooperation gefunden. Und fast noch besser als der eigentliche Vortrag dazu, ob Donald (Duck) nun eine Ente oder ein Mensch (als Ente dargestellt) ist, war die kurze Diskussion, in der Packard auf Comics in unterschiedlichen Kulturen eingegangen ist – und darauf, wie die semiotischen Aspekte der Einheit, Zweiheit und Dreiheit da je nach Kultur unterschiedlich wirken / interpretiert werden können. Aber auch Schulze hat viel “Food for Thought” hinterlassen … vor allem die kurzen Kommentare dazu, warum sich unterschiedliche Sprachen so entwickelt haben wie sie es haben – allein schon abhängig von den äußeren Gegebenheiten in denen die Sprecher leben.
Resumee: Wenn ich Zeit hätte würde ich glatt noch ein geisteswissenschaftliches Studium aufnehmen wollen … Realisierbar (und fest vorgenommen) ist aber wohl eher ein regelmäßiger Besuch von entsprechenden Fachvorträgen.
“Universitäre Lehre als Tragödie”
Verfasst von kochm unter Universität am 25.4.2007
Michael Lohmann schreibt in seinem gleichnamigen Beitrag in Telepolis über die Probleme heutiger universitärer Lehre (im Kontext der Diskussion um faule Professoren und ungenügend vorbereitete Studierende). Vieles von dem was er beschreibt, kam mir sehr vertraut vor. Besonders interessant finde ich dabei seine Ausführungen zu den “paradoxen Effekten eines hohen Pensums”. Es ist schon etwas dran, dass in einigen (vielen?) Bereichen an der Universität sehr viel zu erbringender Aufwand fest vorgeschrieben ist und dabei die Freiräume zur eigenständigen / selbstmotivierten Beschäftigung mit den Studieninhalten zu kurz kommt (auch hierzu sei Tom DeMarco’s Slack / Spielräume empfohlen). Die Umstellung von Diplomstudiengängen auf das BA/MA-System hilft dabei nicht unbedingt dieser Situation zu entrinnen – im Gegenteil.
Nur was soll man tun? Wie Lohmann richtig sagt, hat der einzelne Dozent wenig Möglichkeiten. Denn wenn er oder sie die fest vorgeschriebenen Aufgaben (Stofffülle) zugunsten von Freiräumen reduziert, dann werden diese sofort von den hohen Aufwänden der anderen Fächer aufgefüllt (und damit “neutralisiert”). Trotzdem bin ich der Meinung, dass es manchen Dozenten (mich eingeschlossen) in “informations/faktenlastigen” Fächern gut täte, die präsentierten Inhalte etwas auszumisten und stattdessen eher Wert auf die Diskussion und damit den Erwerb von Fähigkeiten (Wissen) zu legen – also der Anwendung von grundlegenden Theorien und Methoden in wissenschaftlichem Diskurs – durch möglichst aktive Beschäftigung mit konkreten Aufgaben und Fällen. Die damit für die Studierenden geschaffenen Freiräume müssen eben “geschützt” werden. Der Weg dahin ist nicht nur deswegen schwer. Auf der einen Seite stehen die Studierenden, die zunehmend auf den Konsum von Information (anstelle dem Erwerb von Wissen) ausgerichtet sind. Was fängt man mit einer Vorlesung an, in der an vielen Beispielen aufgehängt ein Konzept an der Tafel entwickelt worden ist? Wie kann man das “abspeichern”? Und auf der anderen Seite fällt es auch den Dozierenden schwer auszuwählen. Es sind doch so viele Fakten wichtig! Ausserdem fehlen gerade im deutschsprachigen Raum vernünftige Lehrmaterialien (z.B. Lehr-Fallstudien oder Simulationen, die es Studierenden erlauben konstruktivistisch an ein Thema heranzugehen).
Ein (Zwischen-)Fazit nach diesen vielen (wirren) Gedanken? Der einzelne (Dozent und Student) kann meiner Meinung nach durchaus Dinge ändern und vielleicht in Bewegung setzen. Aber leicht ist es nicht – und es wird einige Zeit in Anspruch nehmen.