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Visual Tools for the Socio-Semantic Web
Verfasst von kochm unter Social Software am 12.10.2007
Beim Überfliegen verschiedener Blogs, die ich regelmäßig lesen, bin ich heute bei Moderne Unternehmenskommunikation auf einen Hinweis auf Moritz Stefaners Master-Arbeit gestossen. Die Arbeit “Visual Tools for the Socio-Semantic Web” des Design-Absolventen Moritz Stefaner, die inzwischen auch mit dem FHP-Preis für die beste Masterarbeit der Fachhochschule Potsdam ausgezeichnet worden ist, kann ich aus verschiedenen Gründen zum Lesen empfehlen (was jeder machen kann, da sie auf zuvor angegebener Seite als PDF verfügbar ist): Erstens liefert die Arbeit in Kapitel 2 “Analysis: The Emerging Socio-Semantic Web” eine sehr schöne Aufarbeitung der Themen rund um Web 2.0, Social Software etc. mit vielen neuen Einblicken – kurz, knapp, knackig, inspirierend. Und das ganze fast ohne Rückgriff auf die üblichen Buzzwords! Aber damit nicht genug. Zweitens liefert die Arbeit sehr schöne Beispiele/Experimente zur (dynamischen) Visualisierung von Inhalten im neuen Web – insbesondere von TagClouds, TagListen und Web Feeds.
Im Sinne meines eigenen Microcontent-Managements hier noch ein paar meiner Ansicht nach besonders gute Abschnitte/Gedanken aus der Arbeit:
Am Anfang von Kapitel 2 fasst Herr Stefaner sehr schön die Phänomene zusammen, die das “emerging socio-semantic web” kennzeichnen:
- an acceleration of information diffusion
- an increasing process of chunking information into small, reusable bits (micro-content)
- a shift towards a larger population producing and sharing information
- along with an increasing specialization of topics, interests and the according social niches
- leading overall to a massive growth of space for action, expression and attention available to every single individual
Mit der “Design-Brille” stellt er weiterhin die Veränderung vom Web 1.0 zum Web 2.0 durch eine Ausweitung der Interaktionsmöglichkeiten im Web dar: Von den drei Basismodi nach Winograd unterstützte das Web 1.0 nur “locomotion (moving from place to place)”, während das Web 2.0 auch “conversation (communication with others)” und “manipulation (using/editing/creating)” unterstützt.
Bezüglich der wichtigsten Konzepte wie Tagging, Microcontent und Feeds betrachtet Herr Stefaner dann die aktuellen Ansätze zur Visualisierung – und findet einige Probleme bei den klassischen Ansätzen – u.a. die fehlende Dynamik oder zu schwache Berücksichtigung des Long Tail. Diese Probleme geht er dann in eigenen Vorschlägen/Experimenten an. Diese konzentrieren sich dabei zuerst auf neue Arten zur (dynamischen) Visualisierung von Tag-Mengen:
Dann geht es um Visualisierungen verschiedener Sammlungen von Microcontent und Metadaten, was schließlich in der Vorstellung des Designs von “Konduit” mündet, “a model for a Web Feed Hub application”.
Neben der Master-Arbeit gibt es zu den Arbeiten auch eine wissenschaftliche Veröffentlichung:
Moritz Stefaner, Boris Müller:
Elastic lists for facet browsers.
Proceedings of DEXA ‘07 18th International Conference on Database and Expert Systems Applications, 2007. FIND07, International Workshop on Dynamic Taxonomies and Faceted Search, Regensburg, Germany. pp. 217-221
Ordnung 2.0
In einem Fachartikel in Ausgabe 3/2007 des OBJEKTspektrum schreibt Gernot Starke zu “Ordnung 2.0 – Hilfen für den Info-Dschungel?”. Hintergrund des Beitrags ist die Diskussion der Möglichkeiten, die Software und Betriebssysteme bieten um Ordnung (in Dateien und Mails etc) zu schaffen und die Erkenntniss, dass Betriebssysteme dabei noch nicht den Schritt von einspunktnull zu zweipunktnull gemacht haben. Hier findet man immer noch strenge Hierarchien aus den Vor-Computer-Zeiten des Ordnung-Haltens. Das Konzept des Schlagwortkatalogs (Kategorien, Label, Tags, …) hat sich hier noch nicht durchgesetzt. Zwar bieten “moderne Betriebssysteme” wie MacOS inzwischen Möglichkeiten, Tags für Dateien zu vergeben und dynamische Ordner zu definieren, die alle Dateien mit bestimmten Tag-Kombinationen aufsammeln, es fehlt aber die prominente (d.h. als primäre Schnittstelle) und benutzbare (Ergonomie!!!) Platzierung. Starke schreibt dazu: “Voraussetzung dafür wäre eine robuste und ergonomische Möglichkeit, Etiketten zu vergeben und die zugehörigen Objekte zu finden”. Na hoffen wir mal auf MacOS 10.5 :-))))
Btw: Die Idee, die Dateiverwaltung völlig von hierarchischen Strukturen zu lösen und auf die Basis von Tags zu stellen ist nicht komplett neu. Im CSCW-Bereich wurde schon 1999 von Forschern am Xerox PARC ein System Namens “Placeless Documents” (später umbenannt in “Presto”) vorgestellt (auf der ECSCW-Konferenz 1999 in Kopenhagen), das die hierarchische Speicherung von Dateien komplett über Bord wirft. Nur leider war die Zeit (Technik) damals noch nicht reif genug …