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Strukturierung von Groupware und Social Software
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Groupware, Social Software am 18.2.2010
Wenn über den Nutzen von Groupware und heute vor allem von Social Software gesprochen und geschrieben wird, dann werden immer Klassifizierungen gebraucht, welche die verfügbaren Tools bzw. die in den Tools verfügbaren Funktionalitäten etwas strukturieren und das Feld so übersichtlicher machen. In letzter Zeit sind mir viele dieser Strukturierungen begegnet – bzw. ich habe sie benutzt – Grund genug mal zusammenzufassen und gegenüberzustellen was es da so gibt und was ich als sinnvoll erachte.
Beginnen wir mit Groupware allgemein.
1) Groupware-Dreieck nach Art der Interaktion (nach Teufel 1995) – die drei Ks
- Kommunikation
- Koordination – Unterstützung der Auflösung von Abhängigkeiten (frei nach Malone 1988)
- Kooperation – Gemeinsame Artefakte
2) In der Definition des Feldes Open Research haben wir die drei Dimensionen um eine weitere ergänzt:
- Informationsdistribution
- Kommunikation
- Koordination
- Zusammenarbeit
Grund für die Ergänzung war, dass mit den drei Ks meist direkte Interaktion gemeint ist – es fehlt also eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit / zum Austausch durch indirekte Interaktion – und dafür wurde dann “Informationsdistribution” eingeführt. Natürlich kann man das auch als Kommunikation oder gar als (sehr lose gekoppelte) Zusammenarbeit auf einem gemeinsamen Informationsraum sehen.
3) Social Software-Dreieck
- Inhalte – auch Arbeit an gemeinsamen – aber eher jeder trägt unabhängig etwas zu Inhalten bei
- Kommunikation
- Identität
Hier vereinigen sich also Informationsdistribution, Koordination und Zusammenarbeit zu “Inhalten” und es wird die Identität (also die Selbstdarstellung) ergänzt – dem Fokus auf die Personen in erfolgreicher Zusammenarbeit folgend.
Während die drei Kategorisierungen helfen zu sehen, was möglich bzw. wichtig ist, helfen sie oft nicht besonders dabei konkrete Werkzeuge einzuordnen / auszuwählen. Das zeigt sich auch in der Darstellung: zumindest die dreier-Klassifizierungen werden meist als Dreieck mit jeweils einer Ausprägung pro Ecke dargestellt – Werkzeuge werden dann irgendwo im Dreieck platziert. Um eine konkretere Einordnung zu erlauben wurden verschiedene funktionale Klassifikationen für Groupware vorgestellt, z.B. von (Borghoff und Schlichter 2000). Ein Beispiel einer solchen Klassifikation ist die von (Gross und Koch 2008):
4) Funktionale Klassifikation für Groupware (Gross und Koch 2008):
- Awarenessunterstützung
- Kommunikationsunterstützung
- Koordinationsunterstützung
- Teamunterstützung – Fokus auf gemeinsame Informationsräume und Dokumente (Gruppeneditoren) (direkte Kommunikation)
- Communityunterstützung – Fokus auf Finden von Personen und Information (indirekte Kommunikation)
5) Ich selber verwende in meiner CSCW-Vorlesung aktuell zusätzlich noch folgende Klassifizierung für den Bereich von Groupware bis hin zu Social Software
- E-Mail + Gruppenkalender
- Teamräume – Dokumente sind nur Black Box
- Gemeinsame Informationsräume, Gruppeneditoren – Auch Delicious, YouTube, Wikipedia etc.
- Kommunikationsorientierte gem. Informationsräume / Kommunikationsräume – Foren, Mailinglisten + Archiv, Blogs (Mehrzahl!)
- Awarenessdienste / Social Networking Services – Fließender Übergang von kommunikationsorientierten gemeinsamen Informationsräumen (z.B. Microblogging)
- Synchrone Kommunikationsdienste (Text/Audio/Videokonferenzen)
- Meeting-Support / Group-Decission-Support (GDSS)
- Koordinationsdienste – Gruppenkalender et al., Umlaufmappen, Workflow, …
Erfolgsfaktoren für ein kollaboratives Intranet
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Social Software am 25.11.2008
Wir arbeiten zwar auch in dem Bereich “Erfolgsfaktoren für Social Software in Unternehmen”, heute aber nicht zu unserer Arbeit, sondern zu der einer interessanten schweizer Firma in dem Bereich – Namics.
Auf dem Blog von Namics finden sich immer wieder interessante Berichte rund um deren Beratungs- und Umsetzungsgeschäft. So auch heute wieder mit dem Post “Erfolgsfaktoren für Intranet-Wikis in Unternehmen”.
Erfolgsfaktoren für kollaborative Intranets:
1. Kein Mikro-Management aber Spielregeln
2. Transparenz aktiv fördern
3. Konfliktlösung nicht im selben Medium
4. Ergebnis immer über Hierarchie stellen
5. Kulturwandel vorleben
6. Verschiedene Rollen, gleich wertgeschätzt
7. The Importance of Having Users
Im Blog-Post wird auch auf eine ausführlicher Präsentation zum Thema verwiesen.
Enterprise 2.0 Forum – Teil 2
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Social Software am 18.9.2008
Dies ist der zweite Teil meines Berichts zum Enterprise 2.0 Forum – hier der erste Teil.
Ein paar Ideen aus / Gedanken zum Vortrag von J. P. Rangaswami von British Telecom:
- Nicht nur über die Kosten der Erstellung nachdenken, sondern auch über die Kosten der Pflege bzw. wie der Referenz sich ausdrückt: “repair” (transmission costs, reproduction costs, …) – das kann auch ein gutes Argument für einen Umstieg sein (Senkung der Pflege/repair-Kosten)
- Kürzeste Definition/Charakterisierung für Web 2.0: “Read/Write ability at the edge”
- Unterschied zwischen (grossen) Unternehmen und Freiberuflern wird kleiner (bzw. Vorteile großer Unternehmen werden kleiner) in der Internet-basierten globalisierten Welt
- Er hat ein sehr schönes Dokument aus den 1930ern gezeigt, in dem beschrieben war, wie man als Mitarbeiter eines Unternehmens das Unternehmen sabotieren kann (als Anleitung für Spione/Saboteure) – und darauf hingewiesen, dass vielen der Vorschläge aus diesem Dokument heute in Unternehmen an der Tagesordnung/”Best Practices” sind – und dass die neue Einstellung (Web 2.0) helfen kann und wird das zu ändern – hier das Dokument in seinem Blog
- Zum Einsatz von Open Source (Software): Wenn die Aufgabe generisch ist, dann ist es eine gute Wahl, wenn nicht (also Problem spezifisch für Domäne oder Unternehmen), dann ist es besser sich im kommerziellen Umfeld umzusehen (einfache Überlegung: Motivation – die Open Source Community hat selten Motivation sich um Probleme kleiner Untergruppen zu kümmern)
Ein Bericht dazu auch von Suw Charman-Anderson sowie ein Bericht dazu in June Brenners Blog.
Als nächstes berichtete Alexander Warta von Bosch zu deren Wiki-Einführung. Hier ein paar ungeordnete Gedanken zu und aus der Präsentation:
- Confluence Wiki im SAP NetWeaver Portal
- Juni 2008: 505 Wikis, 17.554 Seiten, 33.728 registrierte Benutzer
- Nutzungsvarianten für das Wiki
- Plattform, um gemeinsames Verständnis für neue Themen zu entwickeln, eine gemeinsame Sprache zu finden
- Plattform für internationalen Erfahrungsaustausch von Experten
- Bereitstellung und Weiterentwicklung von Schulungsunterlagen
- Fehlerverfolgung von angewandter Software
- FAQs / Glossare
- Expert Debriefing
- Kulturelle Autauschplattform für Mitarbeiter-Auslandseinsätze
- Personal Information Management – elektronisches Notizbuch
- Problem: Nutzung eines Wikis als DMS-light (wenn es zu einfach ist (nicht-Bild-)Anhänge hoch zu laden)
Enterprise 2.0 Forum
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Social Software am 18.9.2008
Heute (18.9.2008) bin ich auf dem Enterprise 2.0 Forum in Köln eingeladen.
Das Form begann mit einer Präsentation von Suw Charman-Anderson – vielleicht dem einen oder anderen von ihrem genialen Beitrag “Mollys geheimes Tagebuch” im Buch “Enterprise 2.0 – Die Kunst loszulassen” bekannt – eine sehr schöne Darstellung der Herausforderungen bei der Einführung von Wikis in Unternehmen – in einer ganz unüblichen Form …
Ein paar Gedanken aus Suws Präsentation:
- Schwierigkeit mit Social Media: It is elective software – people do not have to use it – it is replacing other forms – people can easily choose not to use it – so one has to think in some details of how to introduce social media in the enterprise
- Die Einführung ist also immer dann schwierig wenn die Nutzer eine Wahl haben
- Netter Vergleich: Einführung von Social Software wie das Trainieren einer Katze – man braucht Geduld, die richtigen Methoden und muss die Welt aus der Sicht der Katze sehen …
- Wichtig: Nicht die Welt verbessern sondern darüber nachdenken “how to help people getting their jobs done”
- Barrieren
- fear of humilitation
- disconfort with the written word
- need explcit permission
- don’t trust the tools (“people are all scared deleting the Internet / Intranet …”)
- don’t see the point
Es folgten viele gute Tipps und Vorschläge, wie man die Probleme konkret angehen kann.
U.a. zu Training:
- informal
- focused on user’s direct needs – “people are not keen on reading manuals”, training based around the tasks people are doing not around how the software is created
- face-to-face (short, practical sessions)
- online (visual, textual)
… und zu Support:
- ad hoc – when users need it
- syncronous (IM, chat, phone)
- asynchronous (wiki, blog, screencasts, video)
- decentralised and self-supporting
Insgesamt also eine klasse Einführung.
Über die anderen Vorträge in weiteren Beiträgen hier – oder in anderen Blogs, die über die Veranstaltung berichten, z.B. June Brenners Blog – hier der Einstiegsbeitrag zum Forum.
Update: Andere Berichte zum Forum
Serena Enterprise Facebook
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Social Software am 18.7.2008
In einem aktuellen Beitrag in seinem Blog dokumentiert Andrew McAfee das Beispiel der Nutzung von Facebook als Intranet und SNS bei der Firma Serena in Form einer Fallstudie.
Mal abgesehen davon, dass ihm damit insgesamt eine gut strukturierte Enterprise 2.0-Fallstudie gelungen ist (ich habe sie deshalb natürlich auch gleich in unsere Fallstudiensammlung aufgenommen), beinhaltet der Text gleich ein paar Aussagen, die zur Diskussion anregen – Hier ein paar Kommentare und Zitate dazu:
Ein Vorteil der Nutzung eines offenen SNS sei “our employees can easily get involved in pushing it out to their Facebook friends, if they want to.” – D.h. die Firmenangehörigen können sehr leicht für die Firma werben und werden so viel leichter zu Fürsprechern der Firma.
“it’s quite addictive for those of us who use it often”
Konzept zur Einführung: “take an hour off of your day on Firday toupdate your profile” – und das organisiert für die ganze Firma (850 Angestellte in 18 Ländern). Am ersten “Facebook Friday” schaffte es Serena innerhalb von 24 Stunden Profile von über 50% der Mitarbeiter zu bekommen.
Im Zusammenhang mit Motivation sind auch die Beispiele interessant, in denen Mitarbeiter, die bisher noch nicht in offenen SNS aktiv waren, durch das Firmen-getriebene Engagement auch private Nutzungsmöglichkeiten gefunden haben:
One person just told me yesterday how excited he was to have found a childhood friend on Facebook who now lives in Turkey. He is planning to visit his friend on his next vacation. Other employees have been pleasantly surprised at how it helps them interact with their children better. Our Head of HR in Europe uses Facebook to communicate with her daughter.
Insgesamt also sehr lesenswert …
Motivation bei Social Software
Es wird ja viel über Motivation berichtet – und dass es sich dabei um einen wichtigen Erfolgsfaktor für Social Software handelt (gerade in Unternehmen – Enterprise 2.0). Oft wird dabei zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation unterschieden.
Auf einem Projekttreffen des Projektes Open-I habe ich einen anderen/zusätzlichen interessanten Ansatz zur Katgorisierung/Konkretisierung des Motivationsbegriffes gehört. Berichtet hat Frau Anja Schiepe vom Lehrstuhl für Psychologie an der TUM. Eigentlich ging es nicht um Motivation bei Social Software, sondern eher um Motivationsaspekte im Open Innovation Prozess (“Motivation für Innovation”) – aber am Ende ist das gar nicht so unterschiedlich.
Interessant war dabei ersten das Basismodell der Motivation: Motive bei Personen sorgen im Zusammenspiel mit der Situation in der sich die Personen befinden (der Plattform auf der sie arbeiten) für Motivation, welche sich dann wieder auf das Verhalten (der Personen) auswirkt. Der Bereich Motive von Personen wird dabei in drei Teilbereiche aufgeteilt: 1) Leistung (als Motiv), 2) Macht (als Motiv), 3) Anschluss (als Motiv). Die Plattform/Situation in der die Motivation gebraucht wird, muss nun zu den Motiven der Personen, die mit der Plattform arbeiten, passen/diese unterstützen. Erst dann gibt es Motivation. Beim Entwurf von Plattformen kann/soll man also diese drei Motivklassen näher anschauen.
Diese Unterteilung der Motive gefällt mir sehr gut. Ich glaube, dass man damit sehr gut Funktionalitäten / Eigenschaften von Plattformen ableiten kann. Natürlich werden die Motive in der Realität selten in Reinform auftreten – die Unterteilung hilft aber Funktionalitäten klarer herauszuarbeiten.
Anja Schiepe hat auch noch Bespiele präsentiert, wie im Bereich “Motivation für Innovation” die Unterstützung der einzelnen Motive aussehen könnte:
- Leistungsmotiv
- eigene Aufgaben
- Qualitatives Feedback
- Anschlussmotiv
- Community Gedanke
- Chat
- Machtmotiv
- “Innovator des Monats”
- öffentliche Rangliste
Gunter Dueck zur Bluepedia
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Fundgrube, Social Software am 29.6.2008
In der neuesten Ausgabe des Informatik Spektrum (Juni 2008) findet sich ab Seite 262 im Rahmen der regelmäßigen Kolumne von Gunter Dueck eine sehr gute Fallstudie zur Einführung eines Wikis in einer großen Organisation – der Bluepedia bei IBM. DOI: 10.1007/s00287-008-0241-5
Gunter Dueck schildert ausführlich, was Auslöser der Projektes waren, und geht auf das Vorgehen und Erfolgsfaktoren ein.
Besonders interessant finde ich seine beiden Listen von Fragen, die man provoziert, wenn man sich an Management bzw. Technik wendet mit dem Plan für ein solches Projekt – und die als Grund dafür gesehen werden können gerade dieses nicht zu machen (das Nachfragen bei Management bzw. Technik)!
Bled2008 – CSCW
Am letzten Tag der Bled eConference 2008 gab es zwei Research Sessions zu CSCW. Hier ein kurzer Bericht dazu.
Zuerst präsentierte Elitsa Shumarova einen Beitrag zu “Shadow Collaborative Information Technology (CIT)”. Darunter versteht sie in Anlehnung an “Shadow IT”
“set of collaborative tools used for performing CIT functions but are not part of the mainstream IT organization of the company”
Über eine Literaturanalyse versuchten die Autoren Beispiele und Charakteristika von “shadow CIT” zu finden (im Gegensatz zu “formal CIT”) und zu klären ob die Existenz von “shadow CIT” ein Indiz dafür ist, dass die IT Organisationen in Unternehmen nicht funktionieren.
Hier ein Vergleich zwischen “shadow CIT” (Wikis, Blogs, SNSs, IMs) und “formal CIT” (MS Exchange, IBM Lotus Notes) – aus der Präsentation:
format CIT shadow CIT organisational mandated self selected targeted investment strategy driven cultre-driven created by professionals created by the user community impose structure encourage user prior to providing structure speed
In diesem Zusammenhang wurde auch die Entwicklung thematisiert, dass sich das Arbeitsleben immer mehr mit dem Privatleben vermischt – und so die Erfahrungen/Erwartungen aus der privaten Welt in die Arbeitswelt transformiert werden.
Am Ende gingen die Autoren noch kurz darauf ein, wie Unternehmen auf “shadow CIT” reagieren:
- strategy of resistance and banning
- strategy of limitation and regulation
- strategy of acceptance
Ich fand interessant, dass statt Social Software und bottom-up der Begriff “shadow CIT” benutzt wurde um besonders darauf hinzuweisen, dass die Anwendungen teilweise ohne Wissen / Wollen der Unternehmen eingesetzt werden. IBM und andere versuchen momentan also gerade die CIT aus den Schatten heraus zu bekommen.
Die weiteren Vorträge gingen auf die Unterstützung von Gemeinden im Finnischen Archipelago und auf Learning Communities im Bereich der Business Intelligence Ausbildung ein.
Ein interessantes Zitat aus dem letzten Beitrag (aus dem Kontext gerissen): “”enthusiasm not always is sustainable unless there is a real value proposition”
In der zweiten Session habe ich zuerst meinen Beitrag zu CSCW vs Web 2.0 präsentiert:
Michael Koch: CSCW and Enterprise 2.0 – towards an integrated perspective. In: Proc. Bled eConference 2008, Juni 2008, PDF (416K)
Interessante Kommentare dazu aus der Diskussion:
- fun factor (from games) is an important motivator; what if fun disappears?
- context is the most important difference between internet and company use of social software
Dann präsentierten John Lenarcic und Pradipta Sarka einen Beitrag zu “The Long Tail of Blogging: A Nuturing Mechanism for Sustainable Online Communities with Niche Interests”. Es handelt sich dabei um eine Sammlung von Berichten aus der Untersuchung von Blogs im Bereich der Filmmusik und World Musik.
Hierarchien vs. Struktur
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Social Software am 6.6.2008
Im Zusammenhang mit Social Software in Unternehmen (Enterprise 2.0) heisst es immer, dass Hierarchien keine Rolle spielen (dürfen). Meiner Meinung nach wird das häufig falsch interpretiert als dass “Strukturen” keine Rolle spielen (dürfen).
Es ist also zu unterscheiden zwischen “Hierarchien”/”Rollen” und (komplexen) “Strukturen”.
Unter Hierarchien und Rollen verstehe ich, dass es eine klare Unterscheidung zwischen Benutzergruppen gibt – z.B. hinsichtlich wer Inhalte beitragen darf/soll, wer kommentieren darf/soll etc. Und das sollte den Ideen der “Partizipation” folgend bei Social Software auch im Unternehmen natürlich nicht der Fall sein.
(Spezielle und komplexe) Strukturen kann und wird es in Social Software vor allem im Unternehmen aber sicher geben. Bei Enterprise 2.0 auf jeden Fall mehr als bei der privaten/öffentlichen Anwendung von Social Software. Dies sieht man sehr deutlich an Wikis. So ist beim immer wieder genannten Beispiel der “Wikipedia” kaum Struktur zu finden – mal abgesehen von der Aufteilung der Inhalte auf einzelne mit Namen/Begriffen bezeichneten Seiten – der Idee einer Enzyklopädie folgend. Bei Unternehmens- und Projektwikis finden sich aber viel mehr unterschiedliche Inhaltstypen, Unterstrukturen und auch Typen von Links und Beziehungen. Und das ist eine der Hauptherausforderungen beim Betrieb dieser Werkzeuge. Denn bei den komplexeren Strukturen ist die Frage, wo man Inhalte ablegen oder suchen soll plötzlich nicht mehr so einfach zu beantworten wie bei der Wikipedia. Das führt dazu, dass die Qualität der Struktur der Wikis langsam schlechter wird. Zu einer Wiederherstellung der Qualität wird häufig empfohlen sogenannte “Gardner” einzuführen, die für “Ordnung” im Wiki sorgen. Ähnliches findet sich bei Social Networking Services und anderen Typen von Social Software (im Unternehmen).
Eine Definition von Enterprise 2.0
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0 am 6.6.2008
“Eine Definition von Enterprise 2.0″ so heisst das Kapitel, das Andrew McAfee zum neuen Buch Enterprise 2.0 – Die Kunst loszulassen beigetragen hat.
Die “Definition” selbst ist schnell wiedergegeben:
“Enterprise 2.0 ist die Nutzung von Social-Software-Plattformen innerhalb oder zwischen Unternehmen und ihren Partnern oder Kunden.” (S. 18)
Hier also keine Überraschungen ;-)
Interessant und lesenswert ist der Beitrag vor allem wegen der weiteren Diskussionspunkte, die er aufbringt (auch hier natürlich nichts wirklich neues – aufmerksame Leser des Blogs von Andrew McAfee haben alles schon mal gelesen – hier aber auf Deutsch und schön zusammengefasst).
“It’s Not Not About the Technology”
Das finde ich z.B. einen interessanten Punkt. McAfee führt dazu aus, dass natürlich richtig ist, dass es bei Enterprise 2.0 nicht “ausschließlich” um die Technologie geht, aber es ist auch richtig, dass die Details der Technologie nicht komplett ignoriert werden können.
“Weak Ties” und das “Enterprise 2.0 Bullseye”
McAffee geht in seinem Beitrag als wichtige theoretische Grundlage von Social Software auf Granovetters Beitrag “The Strength of Weak Ties” und die Ideen dahinter ein. Dabei fasst er die Grundideen Grannovetters meiner Meinung nach sehr gut zusammen:
“Insgesamt lässt sich aus Granovetters Artikel das Fazit ziehen, dass starke Beziehungen wahrscheinlich nicht als Brücken zwischen Netzwerken dienen werden, während schwache Beziehungen dagegen gute Brücken darstellen. Brücken helfen, Probleme zu lösen, Informationen zu sammeln und unbekannte Ideen aufzugreifen. Sie helfen, die Arbeit schneller und besser zu erledigen.” (S. 25)
Mit “Weak Ties” hat auch McAfees Enterprise 2.0 Bullseye zu tun. Grundaussage der Abbildung ist, dass es vier Gruppen von Personen gibt, mit denen ein Wissensarbeiter zu tun hat, unterteilt und geordnet nach der relativen Intensität der Beziehung:
- starke Beziehung (strong ties)
- schwache Beziehung
- potentielle Beziehung
- keine Beziehung
Diesen Gruppen lassen sich Technologien/Werkzeuge zuordnen:
- starke Beziehung: Wikis, Gruppeneditoren
- schwache Beziehung: Social Networking Services
- potentielle Beziehung: Blogoshpere mit Fokus auf Suchmöglichkeiten und Signaling
- keine Beziehung: “kollektive Intelligenz”
Interessante Gedanken …
Btw: Auch Frank Hamm hat schon kurz über das Buch geschrieben – und ich muss zustimmen – neben dem Beitrag von Andrew McAfee ist der Beitrag “Mollys geheimes Tagebuch oder Bekenntnisse eines Anfängers über soziale Software” von Suw Charman-Anderson das Lesenswerteste, das ich bisher über Enterprise 2.0 gefunden habe … aber mehr sei hier nicht darüber verraten … selber lesen!