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“Universitäre Lehre als Tragödie”

Michael Lohmann schreibt in seinem gleichnamigen Beitrag in Telepolis über die Probleme heutiger universitärer Lehre (im Kontext der Diskussion um faule Professoren und ungenügend vorbereitete Studierende). Vieles von dem was er beschreibt, kam mir sehr vertraut vor. Besonders interessant finde ich dabei seine Ausführungen zu den “paradoxen Effekten eines hohen Pensums”. Es ist schon etwas dran, dass in einigen (vielen?) Bereichen an der Universität sehr viel zu erbringender Aufwand fest vorgeschrieben ist und dabei die Freiräume zur eigenständigen / selbstmotivierten Beschäftigung mit den Studieninhalten zu kurz kommt (auch hierzu sei Tom DeMarco’s Slack / Spielräume empfohlen). Die Umstellung von Diplomstudiengängen auf das BA/MA-System hilft dabei nicht unbedingt dieser Situation zu entrinnen – im Gegenteil.

Nur was soll man tun? Wie Lohmann richtig sagt, hat der einzelne Dozent wenig Möglichkeiten. Denn wenn er oder sie die fest vorgeschriebenen Aufgaben (Stofffülle) zugunsten von Freiräumen reduziert, dann werden diese sofort von den hohen Aufwänden der anderen Fächer aufgefüllt (und damit “neutralisiert”). Trotzdem bin ich der Meinung, dass es manchen Dozenten (mich eingeschlossen) in “informations/faktenlastigen” Fächern gut täte, die präsentierten Inhalte etwas auszumisten und stattdessen eher Wert auf die Diskussion und damit den Erwerb von Fähigkeiten (Wissen) zu legen – also der Anwendung von grundlegenden Theorien und Methoden in wissenschaftlichem Diskurs – durch möglichst aktive Beschäftigung mit konkreten Aufgaben und Fällen. Die damit für die Studierenden geschaffenen Freiräume müssen eben “geschützt” werden. Der Weg dahin ist nicht nur deswegen schwer. Auf der einen Seite stehen die Studierenden, die zunehmend auf den Konsum von Information (anstelle dem Erwerb von Wissen) ausgerichtet sind. Was fängt man mit einer Vorlesung an, in der an vielen Beispielen aufgehängt ein Konzept an der Tafel entwickelt worden ist? Wie kann man das “abspeichern”? Und auf der anderen Seite fällt es auch den Dozierenden schwer auszuwählen. Es sind doch so viele Fakten wichtig! Ausserdem fehlen gerade im deutschsprachigen Raum vernünftige Lehrmaterialien (z.B. Lehr-Fallstudien oder Simulationen, die es Studierenden erlauben konstruktivistisch an ein Thema heranzugehen).

Ein (Zwischen-)Fazit nach diesen vielen (wirren) Gedanken? Der einzelne (Dozent und Student) kann meiner Meinung nach durchaus Dinge ändern und vielleicht in Bewegung setzen. Aber leicht ist es nicht – und es wird einige Zeit in Anspruch nehmen.

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“Pursuit of Busyness” in Enterprise 2.0

Andrew McAfee von der Harvard Business School schreibt in einem aktuellen Post (und Joe McKendrick kommentiert dazu), dass im Zusammenhang mit Enterprise 2.0 (d.h. dem Einsatz von Social Software im Unternehmen) häufig angesprochen wird, dass Mitarbeiter, die viel in Social Software Anwendungen “rumspielen” nicht genug Zeit für “richtige Arbeit” einsetzen (im Gegensatz zu Nick Carr’s Argumentation, dass vielbeschäftigte Wissensarbeiter sowieso keine Zeit haben zu Social Software Plattformen beizutragen).

Das Argument (zu viel Herumspielen, nicht fleissig genug wirken) wurde schon häufiger angebracht. Und wie McAfee und McKendrick wird meist damit argumentiert, dass es eine Frage der Unternehmenskultur ist. Erfolgreicher Social Software Einsatz in Unternehmen hängt also auf jeden Fall von der “richtigen” Kultur im Unternehmen ab. Vollkommen neu ist das ja auch nicht. Der Umstand, dass eine offene Kultur (Theorie Y der Motivation nach McGregor) notwendig oder zumindest vorteilhaft für einen Erfolg ist hat man auch schon im Zusammenhang mit Groupware-Einführungen und vor allem mit Wissensmanagement allgemein besprochen. Im Endeffekt hat auch der früher von mir kommentierte Crowding-Out Effekt bei intrinsischer Motivation direkt damit zu tun.

Ein sehr empfehlenswertes Buch zu diesem Thema ist “Slack” von Tom DeMarco – oder die deutsche Übersetzung “Spielräume”. Wie der Titel sehr schön wiedergibt, geht DeMarco in dem Werk darauf ein, dass erfolgreiche Unternehmen (bzw. erfolgreiche Organisation allgemein) darauf beruhen (er argumentiert das vor allem am Beispiel Projektarbeit), ihren Mitarbeitern Spielräume / Freiräume zu lassen und nicht alle verfügbare Zeit von vornherein zu 100% zu verplanen. Google hat das beispielsweise sehr gut aufgenommen in dem sie ihren Mitarbeitern 20% der Zeit für eigenen Projekte geben.

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