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Buchkommentar – The Black Swan
Seit Weihnachten (2008) liegt “The Black Swan” von Nassim Nicholas Taleb schon auf meinem “Still-to-read” Stapel. Ein “New York Times Bestseller” wie es auf dem Cover heisst.
Gleich zum Titel: Es geht um “The Impact of the Highly Improbable”, also um die Auswirkung von Ereignissen, die sich nicht aus bisherigen Beobachtungen ableiten lassen – und warum der Mensch Probleme damit hat. “Black Swan” steht für solche Ereignisse, da man früher dachte es gäbe keine schwarzen Schwäne, alle Beobachtung sprach dagegen, bis dann die ersten aufgetaucht sind.
“A black swan is a highly improbable event with three principal charateristics: It is unpredictable; it carries a massive impact; and, after the fact, we concoct and explanation that makes the event appear less randm, and more predictable, than it was.”
Auch wenn das Buch auf andere Bereiche fokussiert, kann man sehr viel über Wissenschaft (und wie man sie nicht betreiben sollte) lernen.
So ist eine wichtigen Aussagen im Buch, die Menschen leider immer wieder vergessen/verdrängen: Eine Theorie lässt sich nicht durch das Finden von (beliebig vielen) Positivbeispielen beweisen – sie lässt sich aber durch das Finden von (einem einzelnen) Negativbeispiel widerlegen. So ist die intensive Suche nach Negativbeispielen, die erfolglos bleibt, ein besseres Indiz für die Wahrheit einer Theorie als die erfolgreiche Suche nach Positivbeispielen.
Gesetze/Regeln sind nur Modelle für (vergangene) Beobachtungen. Die nächste Beobachtung kann sie falsivizieren.
“We learn from repetition – at the expense of events that have not happened before. Events that are nonrepeatable are ignored before their occurence, and overestimated after (for a while).” (S. 78)
Ein anderer Aspekt, den Taleb aufgreift ist die bekannte aber immer wieder vergessene Verzerrung/Ausrichtung (“bias”), den einige (viele!) der Stichproben aus denen wir lernen haben … Insbesondere, da wir die Stichproben in unserem “normalen Leben” nicht wissenschaftlich korrekt auswählen. Interessant sind hier auch verschiedene Querverweise auf Erkenntnistheorie und Empirismus (und auf den Philosophen Hume).
Auch auf die Probleme, die Menschen mit Schätzen und Vorhersagen haben geht Taleb ein.
Zum Schätzen ist interessant, dass unabhängig vom Umfang des Wissens über ein Gebiet auf jeden Fall die Einschätzung der Qualität der eigenen Schätzung häufig gleich falsch liegt (nicht die Schätzung selbst, sondern die Aussage über die Qualität der Schätzung).
Vorhersagen zu vielen Themen sind nach Taleb wegen der Schwarzen Schwäne nicht möglich. Bzw. die realistische Unsicherheit in der Vorhersage übertrifft den vorhergesagten Wert und macht so die Vorhersage wertlos. Menschen denken trotzdem sie könnten gut vorhersagen. Das liegt wieder daran, dass wir vieles von hinten betrachten. Hinterher lassen sich meist gute Begründungen finden. Diese sind aber das nächste mal nicht unbedingt wieder gültig.
Ein weitere Grund warum Menschen häufig annehmen sie könnten Vorhersagen treffen ist laut Taleb der Umstand, dass sie annehmen, dass die vorherzusagenden Ereignisse Gauss-verteilt sind. Leider sind sie das aber meist nicht, sondern fraktal verteilt.
Eine der Schlussfolgerungen von Taleb: “Invest in preparedness not in prediction” (S. 208)
In Summe ein sehr spannendes Buch, das zum Nachdenken anregt.
Zum Abschluss noch ein weiteres schönes Zitat aus dem Buch: “The world is far, far more complicated than we think, which is not a problem, except when most of us don’t know it.” (S. 135)
ResearchGATE
Verfasst von kochm unter Science 2.0, Universität am 27.5.2008
Am 23.5. hat ResearchGATE seine Pforten geöffnet.
ResearchGATE is a new free of charge web 2.0 platform designed for the need of researchers. With this new platform we want to change the world of science by providing a global and powerful scientific web-based environment, in which scientists can interact, exchange knowledge and collaborate with researchers of different fields. Sign up and be part of the first scientific network.
- present yourself and your research projects
- enroll, expand, and broaden your science network globally
- exchange know-how and expertise
- initiate collaboration
- discuss your research limitation and get positive feedback
- use our innovative tools and work environments for online collaboration
Echt interessant. Vor gar nicht so langer Zeit haben wir in einem Workshop besprochen, dass man einen Social Networking Service für Forscher / die Wissenschaft bräuchte – und jetzt entsteht einer nach dem anderen. Neben ResearchGATE sind da noch
Und natürlich alle “generischen” Social Network Sites wie ning, mixxt, …
Science 2.0 scheint momentan gerade “abzuheben” – siehe dazu auch meinen Bericht von der Keynote auf der COOP2008 sowie dem Workshop Academia 2.0
Was mir bei ResearchGATE ein bisschen fehlt ist die Integration – Ich will ja nicht wirklich alle meine Veröffentlichungen, Projekte etc neu eintragen. Hier braucht man eine Integration mit bibsonomy oder ähnlichen Diensten – und eine Integration der Daten in verschiedene Portale (damit ich die Daten auf meinen Web-Seiten an der Uni einblenden kann). Naja, ich will nicht ungerecht sein – bei den Publikationen findet sich immerhin schon eine Integration mit der PubMed-Datenbank.
Ich bin gespannt, wie es mit ResearchGATE weiter geht.
COOP2008 – Science 2.0
Verfasst von kochm unter Konferenz, Science 2.0 am 21.5.2008
Nach dem Workshoptag am Dienstag begann die “8th International Conference on the Design of Cooperative Systems (COOP 2008)” heute mit einem eingeladenen Vortrag von Rob Procter. Rob Procter ist Direktor des National Center for e-Social Sciences (NCeSS) an der Manchester University in England. Aufgabe des Centers ist es e-Science in den Social Sciences zu entwickeln – also sowohl Werkzeuge (zur gemeinsamen Analyse von Daten als auch zum Sammeln von Daten) als auch eine grundsätzliche Weiterentwicklung wissenschaftlichen (Zusammen-)Arbeitens in diesem Bereich (durch Beantwortung von Fragen nach Vertrauen, Copyright etc).
Rob hat zuerst die “e-Science” Vision in England (von John Taylor) wiederholt:
“e-Science is about global collaboration in key areas of science and the next generation of infrastructure that will enable it.”
Diese Infrastruktur ist als “the Grid” bekannt – aber heute auch immer mehr als “e-Infrastructure”. Hinter diesen beiden Begriffen verstecken sich auch zwei grundsätzlich unterschiedliche Herangehensweisen:
- “The Grid = Computer scientists blueprint for a perfect distributed infrastructure” – Dieses Ziel top-down eine “perfekte” Lösung zu erreichen beinhaltet das Problem, dass es sehr (zu) lange dauert, bis etwas Benutzbares zur Verfügung steht
- Stattdessen wird heute unter dem Begriff “Science 2.0″ ein auf Web 2.0 Werkzeugen basierender bottom-up Ansatz verfolgt: “‘grass roots’ led appropriation of e-Science technologies”, “Science 2.0 has facilitated a cooperative approach to build a research infrastructure”
Rob verwendete im Zusammenhang mit Science 2.9 den Begriff “collaborative systems building” – das Ergebnis ist sicher nicht so perfekt wie “the Grid”, aber es sind sehr viele Aktivisten beteiligt und die (Zwischen-)Ergebnisse sind sofort benutzbar.
Beispiele für Science 2.0 Dienste, die Rob genannt hat: Swivel, Slideshare, MyExperiment, Jove, UsefulChem, OpenWetWare, ManyEyes, MapTube, NewScientistTech
Am Ende ein Veranstaltungshinweis von Rob: 4th International Conference on e-Social Science in Manchester (18-20 June 2008): http://www.ncess.ac.uk/events/conference/