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Buchkommentar – Die Logik des Misslingens
Nachdem ich auf das Buch schon von mehreren Seiten aufmerksam gemacht worden bin, hat mich der Blog-Beitrag von Florian Matthes endgültig dazu gebracht es zu kaufen: “Die Logik des Misslingens – Strategisches Denken in komplexen Situationen” von Dietrich Dörner
Das Buch beschäftigt sich damit, wie der Mensch in komplexen und vernetzten Handlungssituationen klar kommt – bzw. eher damit wie und warum er nicht damit klar kommt. Z.B.: Man beschäftigt sich mit den einzelnen Knoten und sieht nicht das Netz – man berücksichtigt nicht, dass man in einem System nicht eine Größe allein modifizieren kann, ohne damit gleichzeitig alle anderen zu beeinflussen. Diese Probleme werden sehr schön an verschiedenen (Spiel-)Simulationen gezeigt, mit denen die (Sozial-)Wissenschaft sich diesem Thema nähert.
Der Autor Dietrich Dörner ist Professor für Psychologie mit dem Forschungsschwerpunkt Kognitive Psychologie in Bamberg. In diesem Buch stellt er die Ergebnisse seiner langjährigen empirischen Forschung zum Verhalten von Menschen in komplexen und vernetzten Situationen (der schon erwähnten Simulationen/Planspiele) vor.
Interessant dabei ist vor allem, dass die Probanden in diesen Planspielen (und so vermutlich auch in der Realität) schon in verhältnismäßig einfachen rückgekoppelten dynamischen Systemen große Schwierigkeiten haben.
Dörner argumentiert, dass Probleme auf intrinsische Defizite der menschlichen Kognition zurückzuführen sind, aber durch Erfahrung und Training verbessert werden können.
Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch. Durch die vielen Beispiele und die Argumentation wird wirklich klar, dass die “Steuerung komplexer Systeme” eine vom Menschen nur schwer (wenn überhaupt) beherrschbare Kunst ist. Um so mehr Angst macht mir in diesem Zusammenhang die Leichtigkeit (Naivität?) mit der insbesondere Politiker genau mit den Denkfehlern argumentieren, die Dörner aufdeckt! Und dass das mit der Steuerung komplexer Systeme nicht immer im letzten Moment noch rumgebogen werden kann zeigt die Darstellung des Kraftwerkunfalls von Tschernobyl (als Beispiel für die misslungene Steuerung eines komplexen Systems) deutlich.
ResearchGATE
Verfasst von kochm unter Science 2.0, Universität am 27.5.2008
Am 23.5. hat ResearchGATE seine Pforten geöffnet.
ResearchGATE is a new free of charge web 2.0 platform designed for the need of researchers. With this new platform we want to change the world of science by providing a global and powerful scientific web-based environment, in which scientists can interact, exchange knowledge and collaborate with researchers of different fields. Sign up and be part of the first scientific network.
- present yourself and your research projects
- enroll, expand, and broaden your science network globally
- exchange know-how and expertise
- initiate collaboration
- discuss your research limitation and get positive feedback
- use our innovative tools and work environments for online collaboration
Echt interessant. Vor gar nicht so langer Zeit haben wir in einem Workshop besprochen, dass man einen Social Networking Service für Forscher / die Wissenschaft bräuchte – und jetzt entsteht einer nach dem anderen. Neben ResearchGATE sind da noch
Und natürlich alle “generischen” Social Network Sites wie ning, mixxt, …
Science 2.0 scheint momentan gerade “abzuheben” – siehe dazu auch meinen Bericht von der Keynote auf der COOP2008 sowie dem Workshop Academia 2.0
Was mir bei ResearchGATE ein bisschen fehlt ist die Integration – Ich will ja nicht wirklich alle meine Veröffentlichungen, Projekte etc neu eintragen. Hier braucht man eine Integration mit bibsonomy oder ähnlichen Diensten – und eine Integration der Daten in verschiedene Portale (damit ich die Daten auf meinen Web-Seiten an der Uni einblenden kann). Naja, ich will nicht ungerecht sein – bei den Publikationen findet sich immerhin schon eine Integration mit der PubMed-Datenbank.
Ich bin gespannt, wie es mit ResearchGATE weiter geht.
COOP2008 – Science 2.0
Verfasst von kochm unter Konferenz, Science 2.0 am 21.5.2008
Nach dem Workshoptag am Dienstag begann die “8th International Conference on the Design of Cooperative Systems (COOP 2008)” heute mit einem eingeladenen Vortrag von Rob Procter. Rob Procter ist Direktor des National Center for e-Social Sciences (NCeSS) an der Manchester University in England. Aufgabe des Centers ist es e-Science in den Social Sciences zu entwickeln – also sowohl Werkzeuge (zur gemeinsamen Analyse von Daten als auch zum Sammeln von Daten) als auch eine grundsätzliche Weiterentwicklung wissenschaftlichen (Zusammen-)Arbeitens in diesem Bereich (durch Beantwortung von Fragen nach Vertrauen, Copyright etc).
Rob hat zuerst die “e-Science” Vision in England (von John Taylor) wiederholt:
“e-Science is about global collaboration in key areas of science and the next generation of infrastructure that will enable it.”
Diese Infrastruktur ist als “the Grid” bekannt – aber heute auch immer mehr als “e-Infrastructure”. Hinter diesen beiden Begriffen verstecken sich auch zwei grundsätzlich unterschiedliche Herangehensweisen:
- “The Grid = Computer scientists blueprint for a perfect distributed infrastructure” – Dieses Ziel top-down eine “perfekte” Lösung zu erreichen beinhaltet das Problem, dass es sehr (zu) lange dauert, bis etwas Benutzbares zur Verfügung steht
- Stattdessen wird heute unter dem Begriff “Science 2.0″ ein auf Web 2.0 Werkzeugen basierender bottom-up Ansatz verfolgt: “‘grass roots’ led appropriation of e-Science technologies”, “Science 2.0 has facilitated a cooperative approach to build a research infrastructure”
Rob verwendete im Zusammenhang mit Science 2.9 den Begriff “collaborative systems building” – das Ergebnis ist sicher nicht so perfekt wie “the Grid”, aber es sind sehr viele Aktivisten beteiligt und die (Zwischen-)Ergebnisse sind sofort benutzbar.
Beispiele für Science 2.0 Dienste, die Rob genannt hat: Swivel, Slideshare, MyExperiment, Jove, UsefulChem, OpenWetWare, ManyEyes, MapTube, NewScientistTech
Am Ende ein Veranstaltungshinweis von Rob: 4th International Conference on e-Social Science in Manchester (18-20 June 2008): http://www.ncess.ac.uk/events/conference/
Multikonferenz Wirtschaftsinformatik – Tag 1 – WI vs IS
Verfasst von kochm unter Konferenz, Universität am 27.2.2008
Nach einem sehr netten Pre-Conference Meeting in der Max-Emmanuel-Brauerei in Schwabing hat am 26.2. an der TUM in Garching die Multikonferenz Wirtschaftsinformatik 2008 begonnen. Nach einer kurzen Einführung durch den Dekan der Fakultät für Informatik der TUM und Prof. Krcmar (kurze Randbemerkung: die “Prabel”rutsche im Informatik-Gebäude hat keine “Ellipsen”form – Prabel- und Ellipsengleichung sind zwar nicht so weit voneinander weg – beides Kegelschnitte ;-) -, aber …) begann die Tagung mit einer Keynote von Prof. König zu Forschungsmethoden in der Wirtschaftsinformatik(ausbildung).
Herr König präsentierte interessante Zahlen zur “Publikationsleistung” deutscher Wirtschaftsinformatiker – Journals und Konferenzen nach “international akzeptierten” Rankings. Und da sieht die deutsche Wirtschaftsinformatik gar nicht gut aus … Die Frage von Herrn König war nun, woran das liegt und ob man was machen will/soll.
In der Motivation am Anfang führte er aus:
Eine Veröffentlichung/wissenschaftliche Arbeit verlangt neben Originalität vor allem eine intersubjektive Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse. Dies wird wesentlich durch sauber durchgeführte Forschungsmethoden determiniert.
In der deutschen Wirtschaftsinformatik ist die Methodenausbildung (im Bachelor, Master und während der Promotion) nun weniger ausgeprägt als international üblich. Hier kann ich die Zahlen von Herrn König nur bestätigen – gerade in der Promotionsphase wird nur noch sehr wenig Methodendiskussion/Methodenausbildung angeboten/genutzt.
Wie schließt man nun diese Lücke? Hier die Vorschläge von Herrn König:
- (Master-)Studenten und Doktoranden sollen mehr (wissenschaftliche Papiere) lesen – und das Gelesene diskutieren
- Es soll Forschungsmethoden-Veranstaltungen (im Master aber vor allem für Doktoranden) geben – evtl. im Rahmen eines (potentiell überregionalen) strukturierten Promotionsprogramms/Doktorandenseminare
- Forschungs-Jour-Fixes, Literaturkurse, (mehr) Kooperation mit internationalen Top-Forschern
Die besondere Notwendigkeit einer speziellen methodischen Fundierung motiviert Herr König auch an der Stärke der deutschen Wirtschaftsinformatik – in der Erklärungswelt und der Gestaltungswelt gleichermaßen zu Hause zu sein. Dadurch ergibt sich ein erhöhter Bedarf an methodischer Fundierung.
Diese Besonderheit der deutschen Wirtschaftsinformatik war auch Ausgangspunkt der Diskussion zur Keynote und tauchte im weiteren Verlauf des Tages immer wieder auf – u.a. in der Wissenschaftstheorie/Forschungsmethodik-Teilkonferenz.
Interessant war hier vor allem die Argumentation, dass man sich doch in der deutschen WI nicht an der amerikanischen IS-Community orientieren sollte (sich nur an den IS-Rankings messen sollte). Denn während die deutsche WI erfolgreich ist (steigende Studierendenzahlen, guter Kontakt zur Praxis, Relevanz) ist die IS auf einem absteigenden Ast (sinkende Studierendenzahlen, beinahe kein Kontakt zur Praxis). Es wäre also besser, einen eigenen Massstab für die deutsche WI zu finden.
Hier war die Argumentation dann aber auch, dass eine größere Gestaltungsorientierung der WI zwar die Nicht-Präsenz in den amerikanischen IS-Zeitschriften erklärt, nicht aber eine Nicht-Präsenz in den ACM- und IEEE-Transactions, die ja eher gestaltungsorientiert sind. Stärkere Methodenausbildung bleibt also unabhängig davon wichtig.
Btw: Ein interessanter – wenn auch etwas “amerikanisch” ausgerichteter – Beitrag zu dem Thema ist “Why the old world cannot publish? – Overcoming challenges in publishing high-impact IS research” …
Und noch ein “Schnippsel” aus den Diskussionen im Laufe des Tages: Immer mehr Universitäten greifen die Vorschläge von König schon auf: Einerseits finden sich immer mehr (Master-)Lehrveranstaltungen, in denen die Studierende wissenschaftliche Paper/Bücher lesen müssen und diskutieren können – andererseits bieten immer mehr Universitäten/Fakultäten inzwischen begleitend zur klassischen Promotion Programme zur Methodenausbildung für die Doktoranden an.
Wissenschafts-Cafe Blog Aggregator
Verfasst von kochm unter Social Software, Web 2.0 am 4.12.2007
Angeregt (oder zumindest erinnert) durch Robert Basics Diskussion zu bloggenden Professoren hat Mark Scheloske einen sehr schönen Blog Aggregator für Wissenschaftler-Blogs aufgesetzt:
Das Wissenschafts-Café ist ein Portal für deutschsprachige Wissenschaftsblogs und bloggende Wissenschaftler.
Eine sehr schöne Sammlung von Blogs zu unterschiedlichsten Wissenschaftsthemen.
Und auch die Plattform selbst ist sehenswert. Es ist einfach immer wieder faszinierend, was man mit WordPress so alles machen kann …