Beiträge getagged mit knowledgemanagement

KnowTech 2008 – Teil 3

Dies ist die Fortsetzung meines Berichts von der KnowTech 2008.

Kay Knoche von Oracle berichtete über die Anforderungen an Wissensmanagement bei Oracle – sehr getrieben von den vielen Firmen-Aquisen, die Oracle betreibt. Die interessanteste Aussage war meiner Meinung nach:

  • “Unstrukturierte Information bleiben unverwaltet” – “stellen aber 80% aller Information dar” …

Das ist schlecht … Oracle hat in dem Bereich schon ein paar technische Lösungen um Datenbanken mit unstrukturierten Dokumenten und Wikis zu verknüpfen (bzw. diese Information bei der Darstellung von Suchergebnissen zu verknüpfen).

Die Herren Sins und Stützel von der Fraport AG berichteten über die Einführung ihres Unternehmenswikis “SkyWiki”. Hier ein paar interessante Aussagen/Gedanken aus dem Beitrag:

  • Neben dem Wiki haben sie auch eine “Goldene Seiten”-Lösung eingeführt (quasi Yellow Pages) – Motivation dazu war, dass immer mehr Fraport-Experten sich nur/hauptsächlich über Xing gefunden haben/vernetzen
  • Technisch wurde beim Wiki zuerst TWiki ausprobiert, das ganze dann aber mit MediaWiki umgesetzt; zu machen war dabei vor allem: neues Skin, Hilfeseiten
  • Jetzt soll von MediaWiki auf Confluence gewechselt werden. Gründe dafür sind:
    • einfachere Verwaltung verschiedener Wiki-Instanzen
    • besseres/mächtigeres Rechtekonzept
    • WYSIWYG-Editor verfügbar (bisher wird mit dem einfachen MediaWiki-Editor gearbeitet)
  • Es wurde sehr viel Werbung gemacht und wird auch kontinuierlich weiter gemacht – u.a. werden neue Azubis immer explizit mit dem Wiki bekannt gemacht
  • Das “Wiki-Board” trifft sich einmal die Woche (Montags) und kümmert sich auch operativ um “Gardening”-Aufgaben

Josef Hofer-Alfais berichtete über das Wissenmanagement / die Unterstützung der elektronischen Kooperation beim WIMIP (Industrie-Arbeitskreis Wissensmanagement in der Praxis)

  • Mitglieder-Management und -Vernetzung mit Xing (Mitgliederliste, Foren)
  • Sharepoint (Teambereiche, Blogs, Umfragen und Abstimmungen, …)

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Triple-I – Praxisforum

Als Teil der Konferenz Triple-I in Graz findet ein Praxisforum statt mit Vorträgen zur Praxis von Web 2.0 (im Unternehmen). Insgesamt natürlich nicht sehr “tiefschürfend” aber mit ein paar interessanten Anregungen. Hier ein paar Ausschnitte aus dem was ich mitbekommen habe.

Vortrag “Virtuelle Welten – Das Medium der Zukunft” von Frank Kappe, TU Graz

Zu dieser sehr anregenden Präsentation (im Part “Professors4Industry”) gäbe es viel zu berichten. Ich selbst bin ja eher skeptisch bezüglich der Nützlichkeit von 3D-Welten. Sehr gut fand ich aber das Beispiel von “Sun MPK20″ – hier werden (u.a.) semiautomatisch und synchron die normalen Arbeitsplätze der Benutzer in die virtuelle Welt projeziert. D.h. wenn jemand an seinem Desktop an einer Powerpoint-Präsentation arbeitet, dann kann dies so in die 3D-Welt projeziert werden, dass an der Wand eines Raumes die Arbeiten am Desktop erscheinen (Screen/Application-Sharing) und der Avatar des Benutzers davor steht. Wenn sich ein anderer Benutzer nähert, dann kann einfach (Audio-)Kontakt aufgenommen werden. Das finde ich eine sehr elegante Möglichkeit Workspace-Awareness zu schaffen.

Vortrag “Web 2.0 und Unternehmen – das passt zusammen” von Werner Schacher, Succon

Merkmale, die eine Web 2.0 Anwendung ausmachen (aus Praxisbeispielen herausgeschält):

  • Das Web als Plattform
  • Beteiligung der User
  • Verteilte Managementfunktionen
  • geteilte Nutzungs- und Verwertungsrechte
  • Nutzung kollektiver Aktivität
  • Gesteigerter Wert von Daten

Dabei ist nur das erste zwingend, die anderen Merkmale sind optional.

“Corporate Web 2.0″ ist … Web 2.0 im Business-Kontext.

Strukturdimensionen:

  • die Motivation für CWeb 2.0 (neue Geschäftsmodelle, bisherige Geschäftsmodelle besser)
  • die Rolle von Web 2.0 (Geschäftscharakter, Erlöskontext)
  • das Anwendungsfeld für Web 2.0 (Primäre/sekundäre Aktivitäten nach Porter in Anwendung und Ergebnisnutzung)
  • die Akteure im CWeb 2.0 (Betreiber, Anwender, Nutzer)

Das Ganze steht auch im neuen Buch “Corporate Web 2.0 Band II” von Schachner und Tochtermann.

Vortrag “Die Innovationsplattform NEUROVATION” von Anna Maria Köck und Oliver Vallant, TU Graz, Bravestone IT GmbH

“Ziel ist es Kreativität an den Wissens/Innovationsarbeitsplatz zu bringen.” – OpenInnovation zu unterstützen – und dabei vor allem die Kreativphasen (mit Input aus der Psychologie)

Die Internet-Lösung ist verfügbar unter:
www.neurovation.net

Daneben gibt es noch eine Lösung für das Intranet eines Unternehmens:

  • Nutzung des Innovationspotentials aller Mitarbeiter innerhalb der Unternehmung
  • Mehr Wissen im Prozess – mehr Sicherheit bei Entscheidungen
  • Aufbau einer nachhaltigen Innovation-/Problemlösungs-Community
  • Belohnungsmodell mittels Ideen-/Problemstellungsauktion
  • Umfangreiche Voting-Möglichkeiten für Teilnehmer und Objekte

Interessant: Eine Idee / Ein Ziel der Gruppe ist es die interne und die externe Plattform zu koppeln – also das interne Ideenmanagement mit dem Crowdsourcing zu verbinden.

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scholarz.net-Präsentation@UniBwM

Wie angekündigt war heute Daniel Koch, der Projektleiter von scholarz.net an der UniBwM um die Plattform und die Aktivitäten zu präsentieren.

Ich fand die Präsentation sehr interessant. Vor allem kam für mich dabei heraus, dass der Fokus (und die Herkunft) von scholarz.net eindeutig bei der Unterstützung des Wissensmanagements beim wissenschaftlichen Arbeiten liegt. Deshalb ist der Hauptteil der Plattform auch eine Verwaltung von Notizen zu Projekten, Quellen (sources) und Keywords. Und hier bietet die Plattform einige sehr innovative und nützliche Funktionen.

Der Social-Networking-Service-Aspekt steht eher im Hintergrund. Daniel Koch führte zwar aus, dass ein wichtiger Motivator ihrer Plattform war, dass es keine (zentrale) Stelle gibt, an/auf der man sich als Wissenschaftler präsentieren kann (mit Veröffentlichungen etc) – und dass scholarz.net das leisten will (mit einem auf Wissenschaftler abgestimmten Personenprofil), das ganze ist aber noch sehr “halbherzig”. So stiess mein Einwurf, dass SNS mehr als Finden und Präsentieren leisten, dass nach unserer Studie die meist geschätzte Funktionalität das “in Kontakt bleiben”/”informiert bleiben” sei auf grosses Interesse – und die Anregung eines Awareness-Feeds zu wissenschaftlichen Aktivitäten seines Netzwerkes wurde als tolle (neue) Idee aufgenommen ;-)

Leider ist die SNS-Funktionalität momentan sehr “monolitisch”. Man kann zwar Veröffentlichungen importieren und notfalls auch wieder exportieren, es ist aber (noch) keine Integration in Portale von Universitäten oder mit anderen Social Software Plattformen vorgesehen. Das wäre aber meiner Meinung nach unbedingt notwendig um das Ganze zum Fliegen zu bringen.

Interessant am Rande: Die Plattform ist mit Ruby and Rails entwickelt – von einem Team von vier Personen – im Rahmen eines Forschungsprojektes, das noch bis Ende 2008 läuft. Für die Zeit danach wird momentan ein Weg zur Weiterführung gesucht.

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Knowledge Management and Enterprise 2.0

Ich bin ein bisschen spät dran und arbeite gerade eben erst die ganzen Postings rund um die Enterprise 2.0 Konferenz im Juni auf … und dabei bin ich auf einen Post von Paula Thornton gestossen – unter dem Titel “It’s Emergent …”.

Paula schreibt dort:

“the difference between Enterprise 2.0 and KM (Knowlege Management) is that the latter is not architected for emergence. KM technology is all about the structure … not about letting conversations happen. KM technologies reflect the minds of their makers, classic solutions engineering: they embody control.”

Besser hätte ich es nicht sagen können ;-) (Klassisches) KM versucht eine Lösung für das “Wissensproblem” überzustülpen – Dabei wird mehr auf Strukturierung der Informationen als auf Ermöglichung von Konversationen (Kommunikation) geschaut.

Sehr plastisch wird dies auch in dem von Paula zitiertem Ausspruch zu Enterprise 2.0:

Don’t train, advertise …

Also nicht die Benutzer trainieren, wie sie bestimmte Werkzeuge nutzen müssen, sondern mehr für bestimmte Werkzeuge/Medien werben, die Nutzungshürden möglichst gering halten, die Motivation über neue Medien zu kommunizieren und Information zu sammeln und auszutauschen möglichst hoch halten.

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Information, Wissen und Bildung


Die letzten Tage habe ich das Buch “Theorie der Unbildung” von Konrad Paul Liessmann gelesen. Ein echt lesenswertes Essay rund um die Themen Bildung, Bildungspolitik und Bildungsreform (speziell in Hinblick auf die Universitäten). Interessant ist auch Liessmanns Argumentation, dass die heutige “Informationsgesellschaft” eher eine “Desinformationsgesellschaft” ist …

Um seine Argumentation zu stützen geht Liessmann auch auf die Definition der Begriffe “Wissen” und “Information” ein (S27ff). Hierzu ein bisschen mehr.

Sehr schön finde ich die zitierte Definition für “Information” des amerikanischen Systemtheoretikers Gregory Bateson: Information ist “irgendein Unterschied, der bei einem späteren Ereignis einen Unterschied macht” (Gregory Bateson: Ökologie des Geistes. Frankfurt/Main 1983, S. 488). Das erinnert mich stark an die Definition von Shannon – es ist aber viel besser auf die Realität anwendbar. So stellt auch Liessmann aufbauend auf dieser Definition von “Information” die Frage, was von dem, das wir täglich warnehmen (z.B. in den Nachrichten) denn wirklich Information ist, also wirklich geeignet ist, einen “Unterschied bei einem späteren Ereignis” zu machen. Und logisch folgert er, dass fast alles, was wir heute so konsumieren keine Information ist, sondern höchstens Unterhaltung.

Zu “Wissen” schreibt Liessmann, dass es im Gegensatz zur Information nicht eindeutig zweckorientiert sein muss (S. 29). Ob Wissen nützlich ist entscheidet sich nie (selten) im Moment der Aufnahme des Wissens. Ob Wissen nützen kann, ist eine Frage der Situtation in die man gerät – Liessmann nennt dazu auf Seite 29 einige sehr schöne Beispiele. Wie in anderen Definitionen von Wissen unterscheidet Liessmann auch zwischen den Daten, die man im Kopf hat, und dem Wissen, zu dem diese Einzelheiten und Begriffe erst werden, “wenn sie nach logischen und konsistenten Kriterien derart miteinander verknüpft werden können, dass sie einen sinnvollen und überprüfbaren Zusammenhang ergeben”. Liessmann spricht es zwar nicht direkt an, seine Argumentation passt aber zu meiner gerne wiederholten Aussage, dass Wissen eine Problemlösungskompetenz ist, die an einen bestimmten Menschen gebunden ist.

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Communities vs. Netzwerke

Danah Boyd schreibt in Ihrem Blog zum Titel web 1-2-3 was Sie denkt, dass das Web 3.0 sein wird – bzw. was das Web 3.0 ausmachen wird. Während ich Ihren Gedanken zum Web 3.0 nicht so ganz zustimme (Kunde/Nutzer als Zerstörer?), finde ich Ihre Ausführungen zu der Entwicklung vom Web 1.0 zum Web 2.0 sehr interessant.

Sie spricht davon, dass eine der Änderungen zum Web 2.0 und Social Software der Übergang von Communities (of Practice) zur Netzwerken war. Personen arrangieren sich nicht mehr in Communities (auf Community-Plattformen) sondern agieren erst mal sehr egoistisch (ego-centric) – Sie schreiben persönliche Tagebücher, sie taggen Bookmarks für ihre eigene Verwendung. Erst durch die Vernetzung wird das ganze auch für andere wertvoll. Danah Boyd führt aus, dass es früher klarer Gruppen gab, heute aber “nur noch” Netzwerke in denen zwar Cluster exisitieren, aber kaum abgegrenzte Gruppen. Vielleicht ist es das, was Web 2.0 Systeme erfolgreich gemacht hat? Der fehlende Zwang sich in eine Gruppe einzuordnen bzw. zu sagen, welcher Gruppe man angehört. Giorgio de Michelis von der Universität Milano Bicocca hat schon vor zehn Jahren gesagt, dass der Mensch nicht nur Mitglied in einer Community ist, sondern in mehreren, und dass sich Systeme zur Unterstützung danach richten sollten. Vielleicht ist das bei Web 2.0-Systemen nun der Fall?

Bestätigt sehe ich diese Gedanken auch in einem kürzlich gehörten Vergleich zwischen dem Siemens Wissensmanagementprojekt ShareNet und der aktuellen Mitarbeiter-Blog-Initiative von Siemens. Karsten Ehms von Siemens meinte, dass ShareNet vermutlich deshalb nicht übermäßig erfolgreich war, weil es auf der (ein) Community-Idee basierte. Bei den Blogs sehe man zwar weniger Struktur, dafür aber mehr Drive und Motivation bei den Benutzern.

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