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Mensch und Computer 2007 – Tag 3

Bevor ich mit dem Tag 3 beginne noch ein Nachtrag zu Tag 2: Am Abend von Tag 2 fanden Treffen / Mitgliederversammlungen der Fachgruppen im GI Fachbereich Mensch-Computer-Interaktion statt. Ich war zuerst auf der Gründungsversammlung der neuen Fachgruppe Medieninformatik. Interessant war dabei die Diskussion, was denn nun Medieninformatik ist – Untermenge von MCI – Obermenge von MCI? Was gehört sonst noch alles dazu? Die ganze Informatik? Es wird vermutlich sehr schwer das Feld abzugrenzen. Aber es ist meiner Meinung nach durchaus wichtig, in der GI eine Präsenz der Medieninformatik zu haben – gerade im Hinblick auf die verschiedenen Studiengänge, die unter diesem Label laufen – und hier (bei den Studiengängen) gilt sicher eher ein “Medieninformatik als Obermenge zu MCI”. Dann war ich (als Sprecher zwangsweise ;-)) noch auf der Mitgliederversammlung der Fachgruppe Computer-Supported Collaborative Work. Ein sehr konstruktives Treffen mit vielen guten Diskussionen und Ideen – mehr dazu demnächst im Protokoll auf der Website der Fachgruppe.

“Eine gruppenspezifische Repertory Grid Analyse der wahrgenommenen Attraktivität von Universitätswebsites” von Marc Hassenzahl und Stephanie Heidecker von der Universität Koblenz-Landau – Das war zwar nicht der Vortrag, warum ich in die Session gegangen bin – aber sehr interessant – nicht direkt die Ergebnisse der Analyse – viele der Ergebnisse hängen meiner Meinung nach nicht mit den Websites der Unis zusammen, sondern mit dem was die Bewertenden über die Uni hinter der Website wissen – es wurden also eher die Unis bewertet als die Websites der Unis-, sondern viel mehr das Analyseverfahren “Repertory Grid”. Eine der wichtigsten/interessantesten Eigenschaften der Methode ist, dass sie keine inhaltliche Strukturierung voraussetzt (wie zum Beispiel Fragebögen) – man muss sich also nicht vorher überlegen, nach welchen Kriterien die Befragten werten, sondern findet diese (auf eine strukturierte Art als bei Interviews) auch noch heraus.

Sens-ation: Eine Plattform zur Entwicklung ubiquitärer Umgebungen von Christoph Beckmann und Maximilian Schirmer von der Bauhausuniversität Weimar – Eine Awareness-Umgebung (YAAI – Yet another awareness infrastructure) mit Erweiterungen um ubiquitäre Sensoren und Aktuatoren. Als ein Teil wird Präsenzawareness unterstützt – u.a. auch mit Verknüpfung zu elektronischen Kalendern – etwas, das meiner Meinung nach dringend fehlt bei heutigen Präsenzawareness-Systemen

Reflections on our Part and Visions of our Future, ein eingeladener Vortrag der Präsidentin der Usability Professionals (UPA) Thyra Rauch von IBM. Sie hat zuerst einen sehr schönen Überblick zur Entwicklung der Bedeutung von (Arbeit an) Usability gegeben. Mit Beispielen wie dem von Dell, bei denen die Verbesserung der Usability an der E-Commerce Website zu einem Ansteigen des Umsatzes von 1Mio$/Tag auf 34Mio$/Tag geführt hat – vielleicht nicht nur die Verbesserung der Usability? Dann ging es zu verschiedenen Aspekten von Usability (-Engineering). Hier nur ein paar Schnippsel daraus: “Things that look different should act different. Things that look the same should act the same.” (Larry Marine). Bei Web-Anwendungen wird immer mehr in kleinen Iterationen geändert – wenn die Änderungen keinen oder einen negativen Einfluss auf den Erfolg der Anwendung haben, dann werden sie zurück genommen – Benutzer merken davon häufig gar nichts – erst wenn man Snapshots einer Website von unterschiedlichen Zeiten nebeneinander legt. Eine Konstante: “users still are not interested in reading manuals or studying the system, but only in accomplishing their goals” – wie auch schon Forschung in den 1980ern gezeigt hat … Das Beispiel eines neuen Samsung Handys, mit dem man nur noch telefonieren kann – Werbung “no games, no camera, …” – mehr Features (die doch nicht genutzt werden) führen nämlich immer/meist zu geringerer Usability – Das erinnert mich an meine kürzliche Suche nach einem vernünftigen neuen Handy OHNE Kamera – gar nicht so einfach …

“Kooperatives Arbeiten unter der Lupe” von Wolfgang Prinz von Fraunhofer FIT. “Eigentlich sollte man gar nicht mehr so viel über E-Mail machen, sondern mehr über gemeinsame Ablagen …” – da steckt dann ziemlich viel Information drin (die Daten, die man reingesteckt hat und die Handlungen, die man darauf ausgeführt hat). Die Info könnte man nutzen um Kompetenzen und Netzwerke zu identifizieren – denn die (hierarchischen) Strukturen in den gemeinsamen Ablagen sind nicht immer intuitiv um etwas zu finden und schon gar nicht um einen Überblick zu bekommen. Idee: Flexible Zugriffspfade durch Kombination von Inhalten, Strukturen, Personen, Aktivitäten. Zu diesen Ideen/Anforderungen wird ein sehr nettes Tool vorgestellt, das auf BSCW-Arbeitsbereichen arbeitet.

“Status- und Kontextinformationen für die Telekommunikation im Auto” von Dagmar Kern von Fraunhofer IAIS (und Partnern von BMW). Problemhintergrund: Nicht nur die Bedienung eines Handys im Auto lenkt ab, sondern auch das Telefonieren an sich – also sollte man das Telefonieren vielleicht verhindern oder dem Anrufer den Kontext mitteilen sollte, wenn der Fahrer gerade besonders belastet ist. Probleme bei Erkennung des Kontexts, der Weiterleitung der Kontextinformation und der Privatsphäre. Hierzu wurde ein Konzept entwickelt und ein Prototyp erstellt. Ein bisschen wie Präsenzawareness zu Autofahrern – manuelles und automatisches Setzen von Statusinformation – für den Anrufer wurde im Prototypen die Information auch in einem Instant Messaging Client angezeigt.

“Shifts in Significance: How Group Dynamics Improves Group Awareness” von Christoph Oemig und Tom Gross von der Bauhausuniversität Weimar. Probleme bei Awareness-Anwendungen: Privatsphäre, Information-Overload. Idee: Signifikanz einer (Awareness-)Information abhängig von der Zeit/Kontext ermitteln und dahingehend filtern. Konkret hier: wie ändert sich der Informationsbedarf entlang eines Gruppenentwicklungsprozesses.

Und jetzt geht es zu einem gemeinsamen Abendessen – in der Mensa …

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Mensch und Computer 2007 – Tag 2

Der zweite Tag der Mensch und Computer Tagung begann nach einer (vom Veranstalter Tom Gross sehr souverän und unterhaltsam moderierten) Runde von Grussworten mit einem eingeladenen Vortrag von Adrian Cheok, dem Direktor des Mixed Reality Labs in Singapur. Der Vortrag wurde über Skype gegeben, was nach anfänglichen Problemen auch sehr gut klappte. Positiv dabei war, dass die Folien und die vielen darin eingebetteten Videos lokal vorlagen – nur Skype wäre wohl nichts gewesen – zumindest nicht für über eine Stunde Vortrag.

Inhaltlich fand ich den Vortrag sehr unterhaltsam. Es ging um die Integration von Personen in Virtuelle Realitäten und umgekehrt. Interessante Beispiele waren die prämierte Anwendung “Human Pacman” oder “Age Invaders”. Alles noch nicht umbedingt mit direktem Anwendungsnutzen – aber sicher wichtig um die Probleme der Integration von virtueller und realer Welt in Griff zu bekommen.

Interessant waren auch die Beispiele zu “Remote Hugging” und “Remote Touch”-Armbändern. Grundsätzlich nichts revolutionär Neues, aber eine gute Umsetzung von Awareness-Konzepten mit Konzepten des ubiquitären Computings.

Zum Rest der Tagung kann ich nur Ausschnitte berichten, denn es ging mit bis zu acht parallelen Aktivitäten weiter – und das zusätzlich zur ruhigen Minute, die man sich mal mit dem ein oder anderen Kollegen nehmen sollte, den man nur einmal im Jahr sieht.

Also hier also nur ein paar Eindrücke und kein umfassender Bericht …

“Szenariotechniken und agile Softwareentwicklung” von Matthias Finck und Hartmut Obendorf ehem. von der Universität Hamburg – Hier ging es darum, dass man agile Softwareentwicklung mit möglichst schneller Prototypentwicklung mit dem Blick für die Gesamtheit, die Usability Engineering liefern kann, verbinden sollte. Und die beiden Autoren stellen vor, wie man das mit Szenariotechniken machen kann. Interessant waren dabei auch ein paar Gespräche/Kommentare am Rande des Vortrags: Einerseits wurde bemerkt, dass Szenarien sehr ähnlich zu Patterns sind – also auch vieles aus der aktuellen Diskussion zur Nutzung von Patterns verwandt ist. Und zur Nutzung von Patterns wird in einem aktuellen Buch ein dreistufiger (iterativer) Prozess vorgeschlagen: Konzeptentwicklung (mit Pattern), Umsetzung/Programmierung (mit Pattern), Anpassung/Konfiguration (wieder mit Pattern).

“Touristik 2.0: Chancen und Risiken von User-Generated Content für den Online-Reisemarkt” von Nicole Oberg und Daniel Schmeisser von phaydon (in Zusammenarbeit mit Thomas Cook) – ein paar interessante Ergebnisse zur Motivation von Benutzern etwas zu Online-Reiseportalen beizutragen bzw. zur Funktionalität aktueller Portaler (und die Bewertung dieser Funktionalität durch die Benutzer).

“Präsentationssoftware: Nutzung und funktionale Anforderungen” von Meinald Thielsch und Natalie Förster von der Universität Münster – Eine sehr interessante Umfrage (n>1000) zur Nutzung von Präsentationssoftware. Interessant war z.B., dass Keynote-Benutzer die höchsten Zufriedensheitswerte hatten ;-) Auch interessant: Ein Wunsch der Nutzer waren “Referententools” – etwas, das sowohl bei Keynote als auch bei Powerpoint (auf dem Mac) schon sehr gut funktioniert. Super gut auch die Frage, was den Zuhörern bei computergestützten Präsentationen fehlt: 1) Bessere Referenten, 2) Kreativität in der Gestaltung, 3) Foliengestaltung, 4) mehr Interaktion, 5) bessere Tonqualität – also alles Dinge, bei denen bessere Werkzeuge nicht unbedingt helfen können.

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Mensch und Computer 2007 – Tag 1

Seit Samstag Abend bin ich in Weimar – um an der Tagung Mensch und Computer 2007 teilzunehmen. Die Tagungsreihe gibt es seit 2001 und sie fasst die Teiltagungen verschiedener Fachgruppen des Fachbereichs Mensch-Computer Interaktion der Gesellschaft für Informatik zusammen, u.a. auch der Fachgruppe CSCW, der ich momentan als Sprecher vorstehe.

Was gibt es zu berichten aus Weimar? Sonntag war Workshop- und Tutorien-Tag – und ich habe ein Tutorium zum Thema “Enterprise 2.0″ beigetragen (surprise …). Der Besuch war sehr gut – und die Diskussion auch – vor allem weil sehr viele Praktiker im Tutorium sassen. So waren auch weniger “akademische” Klassifizierungen von Bedeutung, sondern mehr die Frage, wie man die Ideen aus dem Web 2.0 und von Social Software nun konkret im Unternehmen nutzen kann, wie man solche Werkzeuge/Ideen am besten einführt. Also genau meine Linie – wie man aus CSCW für Enterprise 2.0 lernen kann ;-)

Ein Resumee im Tutorium war, dass bei Enterprise 2.0 Top-Down (Support von oben, Kulturänderung, Sicherheit geben) und Bottom-Up (Selbstorganisation, Innitiative von unten) zusammen spielen müssen.

Ein anderes Resumee war, dass die Werkzeuge (Wiki oder Blog oder …) keineswegs festlegen, was man damit unterstützen kann. Überhaupt wachsen die Werkzeuge immer weiter zusammen. Es gibt kaum mehr ein “reinrassiges” Wiki.

Von besonderem Interesse für die Teilnehmer waren Fallstudien dazu, was man nun mit Wikis, Blogs etc. anfangen kann, wie man sie einführen kann. Hierzu sei auf die Fallstudiensammlung verwiesen, die wir auf den Webseiten unserer Forschungsgruppe sammeln. Besonders interessant für die Wiki-Nutzung die Fallstudien von Dresdner Kleinwort Wasserstein und Janssen-Cilag (Wiki-basiertes Intranet) – und natürlich die Fallstudie zu cablecom Schweiz (Wiki/Blog-basiertes Intranet), die aber noch nicht fertiggestellt … more to come.

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Danah Boyd über Social Software

In einem kürzlich erschienen Sammelband von Burg und Schmidt (BlogTalks Reloaded. Social Software – Research & Cases, Norderstedt: Books on Demand) ist ein klasse Beitrag von Danah Boyd mit dem Titel “The Significance of Social Software” zu finden. Wer noch nie von Danah Boyd gehört hat: Sie beschäftigt sich an der University of California Berkeley mit sozialen Netzwerken und deren Unterstützung – aus dem Blickwinkel der Soziologie – siehe auch ihren Blog.

Der Beitrag gibt einen sehr guten Überblick über das Thema ohne darauf zu verfallen die “üblichen Kategorien” wie Wikis und Blogs aufzuzählen. Stattdessen macht Danah Social Software an drei großen Klassen von Weiterentwicklungen/Änderungen fest:

  • in der Art, wie Software (Technologien/Lösungen) entwickelt werden
  • in der Art, wie die Mitarbeit/Beitrag zu Plattformen motiviert/verbreitert wird
  • in der Art, wie sich Personen (die Mitwirkenden) verhalten.

Im Kontext dieser Neuerungen spricht Danah auch die auch schon von mir thematisierte “grundsätzliche Neuigkeit” von Social Software an. Getrieben vom Web 2.0 Hype wurde der Begriff 2002 (neu) erfunden und nur mit neuen Inhalten gefüllt (ohne auf das zu schauen, was es in dem Bereich schon seit Jahrzehnten gab) – New New New (wie Danah schreibt).

Aber vielleicht war das gar nicht so schlecht? Denn die oben aufgelisteten Neuerungen grenzen Social Software tatsächlich von (klassischer) Groupware ab. Allerdings war der Wechsel keineswegs so revolutionär, wie es vielleicht scheint. Wenn man sich die Europäischen CSCW-Konferenzen der letzten Jahrzehnte anschaut, dann hat sich der Bereich Groupware/CSCW schon immer dorthin entwickelt, wo Social Software heute steht – und wird sich sicher weiter entwickeln. CSCW ist meiner Meinung nach also alles andere als tot :-)

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Workshop-Reihe zu CSCW und Web 2.0

Mein Kollege Wolfgang Prinz und ich werden auf den Tagungen Mensch und Computer 2007 (2.-5.9.2007 in Weimar) und European Conference on CSCW 2007 (24.-28.9.2007 in Limerick, Irland) für die Fachgruppe CSCW der Gesellschaft für Informatik jeweils einen Workshop zum Thema “Warum noch CSCW – Web 2.0 und Social Software löst doch alles, oder?” veranstalten.

Hierzu suchen wir sowohl Wissenschaftler als auch Praktiker, die sich mit solchen Fragen beschäftigen und das Thema gerne mal im Kreise Gleichgesinnter diskutieren wollen. Auf der Tagung Mensch und Computer 2007 besteht zusätzlich zum Workshop noch die (kostenlose) Möglichkeit, an einem Tutorium zu “Enterprise 2.0″ oder an einem Doktorandenseminar teilzunehmen – mehr dazu in Kürze hier oder auf der Website der Tagung.

Weitere Details zu den Workshops:

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Charakterisierung von Web 2.0

Über den Begriff Web 2.0 ist schon viel geschrieben worden. Und Tim O’Reilly hat im September 2005 mit seinem Artikel “What is Web 2.0″ einen sehr guten Beitrag zur Schärfung des Begriffs geleistet. Trotzdem gibt es meiner Meinung nach weiterhin Bedarf darüber zu diskutieren, was denn die wichtigsten Charakteristika von Web 2.0 sind – Charakteristika, die Web 2.0 Anwendungen von anderen Anwendungen unterscheiden und so den Hauptbeitrag zu einem eventuellen Erfolg leisten.

Nachdem ich aus dem Forschungsbereich CSCW komme habe ich auf dieses Thema sowieso eine ganz eigene Sichtweise, die ich hier gerne kundtun möchte ;-)
Hier die für mich wichtigsten Charakteristika von Web 2.0 (Anwendungen):

  • Partizipation: Das wichtigste im Web 2.0 ist die aktive Mitwirkung eines großen Anteils der Benutzer – die weiteren Charakteristika tragen hierzu bei.
  • Netzwerke statt Communities: Eine Eigenschaft von Web 2.0 Anwendungen (im Gegensatz zu bisherigen Groupware-, Community-, Wissensmanagement-Anwendungen) ist es, dass nicht versucht wird die Benutzer in Gruppen (Communities) zusammenzufassen und direkt/hauptsächlich beim sich gegenseitig Helfen zu unterstützen, sondern es werden Möglichkeiten geschaffen, mit denen die Benutzer ihren natürlichen (Kommunikations-/Selbstdarstellungs-)Bedürfnissen nachkommen können und sich zusätzlich vernetzen und/oder über Netzwerke miteinander austauschen können. Dies steigert die Motivation, senkt die Mitmachhürde und hat damit einen positiven Einfluss auf die Partizipation.
  • Datenzentriertheit: Dadurch, dass Web 2.0 Anwendungen die mit ihnen erfassten Daten nicht in propritären Benutzungsschnittstellen “einsperren” sondern über APIs oder andere offene Schnittstellen wie RSS verfügbar machen, werden verschiedene neue Anwendungen auch für kleine Benutzergruppen ermöglicht (Mashups) – dadurch ergibt sich eine bereitere Nutzerbasis, mehr Motivation der Nutzer etwas beizutragen – und damit mehr Partizipation.
  • Modularität, einfache Erstellung von Anwendungen/Modulen: Web 2.0 Anwendungen sind normalerweise keine großen Monoliten, sondern kleine fokussierte Anwendungen, die über die eben erwähnten offenen Schnittstellen zu den Daten einfach miteinander arbeiten können. Dadurch wird es möglich, dass einfach neue Spezialanwendungen (auch für kleine Anwendergruppen) erstellt werden können, was wiederum die Nutzerbasis und Partizipation stärkt.
  • Benutzerbarkeit / Usability: Eine wichtige Eigenschaft von Web 2.0 Anwendungen ist die einfache Benutzbarkeit (Desktop-like Anwendungen im Web, d.h. über Web-Browser von überall her ohne extra Installation benutzbar). Dadurch sinkt die Nutzungsschwelle und wir haben wieder eine größere Nutzergruppe und mehr Partizipation.

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Widgets, Gadgets und End-User Development

In letzter Zeit wird sehr viel über die Beteiligung der Benutzer im Web 2.0 an der Gestaltung von Anwendungen und Diensten geschrieben (z.B. in Dion Hinchcliffes Beitrag). Auf der einen Seite geht es bei dem Thema Benutzerbeteiligung bei der Anwendungserstellung um Mashups (also der Idee der Daten-Zentriertheit im Web 2.0 und der Möglichkeit für Benutzer mit einfachen Mitteln neue Anwendungen zu bauen oder zu kombinieren), auf der anderen Seite um kleine Module, die auf Portalen oder anderen Plattformen integriert werden können – Widgets, Gadgets, ….

Mein erster Kommentar dazu ist, dass die Widget, Gadget-Ideen im Endeffekt nichts anderes sind als die Portlets, mit denen man Portale erweitern kann. Hierzu gibt es auch schon einige Standards (z.B. JSR 168 oder WSRP), die relativ breit von Portal-Anbietern akzeptiert sind. Könnte man nicht die Portlet-Ideen und -Standards weiterentwickeln?

Mashups sind meiner Meinung nach mehr – hier wird wirklich an der Datenebene “integriert” und es ist deshalb eine Standardisierung (oder zumindest Dokumentation) der Datenschnittstelle notwendig. Widgets sind aber zuerst einmal nicht viel mehr als Portlets – eine reine Framework-Integration in der Präsentationsschicht. Oder doch nicht? Integrieren Widgets etc. die Portlet-Ideen mit denen von Mashups? D.h. einfaches Erstellen von kleinen Bausteinen, die auf verschiedene Daten zugreifen können und in Portalen integriert werden können? Wenn man RSS als eine Möglichkeit der Datenintegration sieht, dann trifft das zu.

Und noch etwas bringt mein “assoziativer Speicher” (Hirn) zu Tage, wenn ich von Widgets und Gadgets lese: “End-User Development”. Unter diesem Titel wurden erst kürzlich die verschiedenen Aktivitäten im CSCW-Umfeld, den Benutzer an der Konfiguration und Anpassung von Kooperationssystemen (Groupware) mitwirken zu lassen, zusammengefasst – in einem sehr guten Sammelband von Lieberman, Paterno und Wulf mit gleichlautendem Titel. Also wieder ein Bereich, in dem es große Überlappungen zwischen dem “neuen Web 2.0″ und CSCW gibt :-)

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Ordnung 2.0

In einem Fachartikel in Ausgabe 3/2007 des OBJEKTspektrum schreibt Gernot Starke zu “Ordnung 2.0 – Hilfen für den Info-Dschungel?”. Hintergrund des Beitrags ist die Diskussion der Möglichkeiten, die Software und Betriebssysteme bieten um Ordnung (in Dateien und Mails etc) zu schaffen und die Erkenntniss, dass Betriebssysteme dabei noch nicht den Schritt von einspunktnull zu zweipunktnull gemacht haben. Hier findet man immer noch strenge Hierarchien aus den Vor-Computer-Zeiten des Ordnung-Haltens. Das Konzept des Schlagwortkatalogs (Kategorien, Label, Tags, …) hat sich hier noch nicht durchgesetzt. Zwar bieten “moderne Betriebssysteme” wie MacOS inzwischen Möglichkeiten, Tags für Dateien zu vergeben und dynamische Ordner zu definieren, die alle Dateien mit bestimmten Tag-Kombinationen aufsammeln, es fehlt aber die prominente (d.h. als primäre Schnittstelle) und benutzbare (Ergonomie!!!) Platzierung. Starke schreibt dazu: “Voraussetzung dafür wäre eine robuste und ergonomische Möglichkeit, Etiketten zu vergeben und die zugehörigen Objekte zu finden”. Na hoffen wir mal auf MacOS 10.5 :-))))

Btw: Die Idee, die Dateiverwaltung völlig von hierarchischen Strukturen zu lösen und auf die Basis von Tags zu stellen ist nicht komplett neu. Im CSCW-Bereich wurde schon 1999 von Forschern am Xerox PARC ein System Namens “Placeless Documents” (später umbenannt in “Presto”) vorgestellt (auf der ECSCW-Konferenz 1999 in Kopenhagen), das die hierarchische Speicherung von Dateien komplett über Bord wirft. Nur leider war die Zeit (Technik) damals noch nicht reif genug …

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Mensch und Computer 2007

Ich sitze hier gerade auf der Sitzung des Programmkomitees zur Tagung Mensch und Computer 2007, die im September 2007 in Weimar stattfinden wird. Wer die wissenschaftliche Tagung noch nicht kennt: Die Mensch und Computer Tagung ist die Haupttagung des Fachbereichs Mensch Computer Interaktion der Gesellschaft für Informatik und ist 2001 als Verschmelzung der ehemaligen Tagungen Softwareergonomie und Computer-Supported Cooperative Work (Fachgruppe CSCW) entstanden. Hier treffen Designer, Ergonomen, Psychologen und (Angewandte) Informatiker rund um das Thema Mensch und Computer zusammen (Interaktion mit dem Computer, Interaktion zwischen Menschen über Computer). Meiner Meinung nach (und auch von meiner bisherigen Erfahrung auf den Tagungen der Tagungsreihe) eine sehr interessante Mischung. Dazu kommt, dass Weimar und die Bauhausuniversität ein sehr netter Ort für eine Tagung ist :-)

Wir haben heute ein sehr interessantes (breites) Programm guter Beiträge, Systemdemonstrationen, Workshops und Tutorien zusammengestellt – von reinen Ergonomie-Themen über verschiedene Anwendungsbereiche bis hin zu CSCW-Themen wie Awareness in ubiquitären Umgebungen. Unter anderem wird es ein Tutorium und einen Workshop zum Thema Social Software in Unternehmen (Social Software, Enterprise 2.0, Web 2.0, CSCW) geben. Auch ein Doktorandenseminar wird organisiert (mehr dazu sobald es feststeht).

Wer also Anfang September (2.9.-5.9.2007) noch nichts besseres vor hat, der sollte überlegen zu kommen. September wird sowieso ein interessanter Tagungsmonat. Vom 24.9.-28.9.2007 findet nämlich die Europäische CSCW-Konferenz 2007 in Limerick (Irland) statt – eigentlich auch ein Muss – aber dazu später noch mehr.

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Peer-to-peer Teamraum von Collanos Software

Heute habe ich eine interessante Ankündigung gefunden: Collanos Software hat eine freie Peer-to-Peer Teamraum Anwendung für Windows, MacOS und Linux herausgebracht – Collanos Workplace 1.0.

Auf den ersten Blick erinnert das ganze sehr an Groove (auch P2P, ursprünglich auch mal kostenlos, inzwischen aber von Microsoft aufgekauft und in Microsoft Office integriert) – nur dass Collanos Workplace noch lange nicht so mächtig ist wie Groove. Bisher bietet das Produkt: Presence Awareness (ala ICQ), Instant Messaging, gemeinsame Dateiablagen (inkl. Notizen und Bookmarks), Foren und Tasklisten.

Schade finde ich, dass wir mit diesem Produkt einen weiteren “Groupware-Monoliten” bekommen, d.h. ein Werkzeug, das keinen besonderen Wert auf Schnittstellen zu anderen Werkzeugen legt, sondern alle Funktionalität selber realisiert. Die Zukunft von Groupware liegt meiner Meinung nach dagegen aber in der Interoperabilität, im Integrieren verschiedener Dienste unter einer Oberfläche. D.h. Werkzeuge sollten ihre Inhalte über eine API zur Verfügung stellen und selbst auch andere Dienste/Daten über APIs integrieren können.

Insgesamt macht das Produkt aber trotzdem einen guten Eindruck. Insbesondere die durch den Server-losen Peer-to-Peer Charakter bedingte Fähigkeit damit Offline zu arbeiten. Gerade für spontane, kurzfristige Kooperationsprojekte an wenig organisierten Orten (wie zum Beispiel Universitäten ;-)) sicher eine gute Lösung.

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