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Strukturierung von Groupware und Social Software
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Groupware, Social Software am 18.2.2010
Wenn über den Nutzen von Groupware und heute vor allem von Social Software gesprochen und geschrieben wird, dann werden immer Klassifizierungen gebraucht, welche die verfügbaren Tools bzw. die in den Tools verfügbaren Funktionalitäten etwas strukturieren und das Feld so übersichtlicher machen. In letzter Zeit sind mir viele dieser Strukturierungen begegnet – bzw. ich habe sie benutzt – Grund genug mal zusammenzufassen und gegenüberzustellen was es da so gibt und was ich als sinnvoll erachte.
Beginnen wir mit Groupware allgemein.
1) Groupware-Dreieck nach Art der Interaktion (nach Teufel 1995) – die drei Ks
- Kommunikation
- Koordination – Unterstützung der Auflösung von Abhängigkeiten (frei nach Malone 1988)
- Kooperation – Gemeinsame Artefakte
2) In der Definition des Feldes Open Research haben wir die drei Dimensionen um eine weitere ergänzt:
- Informationsdistribution
- Kommunikation
- Koordination
- Zusammenarbeit
Grund für die Ergänzung war, dass mit den drei Ks meist direkte Interaktion gemeint ist – es fehlt also eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit / zum Austausch durch indirekte Interaktion – und dafür wurde dann “Informationsdistribution” eingeführt. Natürlich kann man das auch als Kommunikation oder gar als (sehr lose gekoppelte) Zusammenarbeit auf einem gemeinsamen Informationsraum sehen.
3) Social Software-Dreieck
- Inhalte – auch Arbeit an gemeinsamen – aber eher jeder trägt unabhängig etwas zu Inhalten bei
- Kommunikation
- Identität
Hier vereinigen sich also Informationsdistribution, Koordination und Zusammenarbeit zu “Inhalten” und es wird die Identität (also die Selbstdarstellung) ergänzt – dem Fokus auf die Personen in erfolgreicher Zusammenarbeit folgend.
Während die drei Kategorisierungen helfen zu sehen, was möglich bzw. wichtig ist, helfen sie oft nicht besonders dabei konkrete Werkzeuge einzuordnen / auszuwählen. Das zeigt sich auch in der Darstellung: zumindest die dreier-Klassifizierungen werden meist als Dreieck mit jeweils einer Ausprägung pro Ecke dargestellt – Werkzeuge werden dann irgendwo im Dreieck platziert. Um eine konkretere Einordnung zu erlauben wurden verschiedene funktionale Klassifikationen für Groupware vorgestellt, z.B. von (Borghoff und Schlichter 2000). Ein Beispiel einer solchen Klassifikation ist die von (Gross und Koch 2008):
4) Funktionale Klassifikation für Groupware (Gross und Koch 2008):
- Awarenessunterstützung
- Kommunikationsunterstützung
- Koordinationsunterstützung
- Teamunterstützung – Fokus auf gemeinsame Informationsräume und Dokumente (Gruppeneditoren) (direkte Kommunikation)
- Communityunterstützung – Fokus auf Finden von Personen und Information (indirekte Kommunikation)
5) Ich selber verwende in meiner CSCW-Vorlesung aktuell zusätzlich noch folgende Klassifizierung für den Bereich von Groupware bis hin zu Social Software
- E-Mail + Gruppenkalender
- Teamräume – Dokumente sind nur Black Box
- Gemeinsame Informationsräume, Gruppeneditoren – Auch Delicious, YouTube, Wikipedia etc.
- Kommunikationsorientierte gem. Informationsräume / Kommunikationsräume – Foren, Mailinglisten + Archiv, Blogs (Mehrzahl!)
- Awarenessdienste / Social Networking Services – Fließender Übergang von kommunikationsorientierten gemeinsamen Informationsräumen (z.B. Microblogging)
- Synchrone Kommunikationsdienste (Text/Audio/Videokonferenzen)
- Meeting-Support / Group-Decission-Support (GDSS)
- Koordinationsdienste – Gruppenkalender et al., Umlaufmappen, Workflow, …
Bled2008 – CSCW
Am letzten Tag der Bled eConference 2008 gab es zwei Research Sessions zu CSCW. Hier ein kurzer Bericht dazu.
Zuerst präsentierte Elitsa Shumarova einen Beitrag zu “Shadow Collaborative Information Technology (CIT)”. Darunter versteht sie in Anlehnung an “Shadow IT”
“set of collaborative tools used for performing CIT functions but are not part of the mainstream IT organization of the company”
Über eine Literaturanalyse versuchten die Autoren Beispiele und Charakteristika von “shadow CIT” zu finden (im Gegensatz zu “formal CIT”) und zu klären ob die Existenz von “shadow CIT” ein Indiz dafür ist, dass die IT Organisationen in Unternehmen nicht funktionieren.
Hier ein Vergleich zwischen “shadow CIT” (Wikis, Blogs, SNSs, IMs) und “formal CIT” (MS Exchange, IBM Lotus Notes) – aus der Präsentation:
format CIT shadow CIT organisational mandated self selected targeted investment strategy driven cultre-driven created by professionals created by the user community impose structure encourage user prior to providing structure speed
In diesem Zusammenhang wurde auch die Entwicklung thematisiert, dass sich das Arbeitsleben immer mehr mit dem Privatleben vermischt – und so die Erfahrungen/Erwartungen aus der privaten Welt in die Arbeitswelt transformiert werden.
Am Ende gingen die Autoren noch kurz darauf ein, wie Unternehmen auf “shadow CIT” reagieren:
- strategy of resistance and banning
- strategy of limitation and regulation
- strategy of acceptance
Ich fand interessant, dass statt Social Software und bottom-up der Begriff “shadow CIT” benutzt wurde um besonders darauf hinzuweisen, dass die Anwendungen teilweise ohne Wissen / Wollen der Unternehmen eingesetzt werden. IBM und andere versuchen momentan also gerade die CIT aus den Schatten heraus zu bekommen.
Die weiteren Vorträge gingen auf die Unterstützung von Gemeinden im Finnischen Archipelago und auf Learning Communities im Bereich der Business Intelligence Ausbildung ein.
Ein interessantes Zitat aus dem letzten Beitrag (aus dem Kontext gerissen): “”enthusiasm not always is sustainable unless there is a real value proposition”
In der zweiten Session habe ich zuerst meinen Beitrag zu CSCW vs Web 2.0 präsentiert:
Michael Koch: CSCW and Enterprise 2.0 – towards an integrated perspective. In: Proc. Bled eConference 2008, Juni 2008, PDF (416K)
Interessante Kommentare dazu aus der Diskussion:
- fun factor (from games) is an important motivator; what if fun disappears?
- context is the most important difference between internet and company use of social software
Dann präsentierten John Lenarcic und Pradipta Sarka einen Beitrag zu “The Long Tail of Blogging: A Nuturing Mechanism for Sustainable Online Communities with Niche Interests”. Es handelt sich dabei um eine Sammlung von Berichten aus der Untersuchung von Blogs im Bereich der Filmmusik und World Musik.
COOP2008 – Web 2.0
Irgendwie hat die 8th International Conference on the Design of Cooperative Systems (COOP 2008) das implizite Thema “Web 2.0 / Enterprise 2.0″. Schon in den Beiträgen zu den bisherigen Ereignissen habe ich zu Academia 2.0, Science 2.0 und dem Einsatz von Wikis im Unternehmen geschrieben. Heute (Donnerstag) ging es in den Beiträgen weiter hauptsächlich um das Web 2.0 (und die Ideen dahinter).
“Combining Web 2 and Groupware applications”, Carsten Ritterskamp, Michael Prilla
Die Autoren stellen die Frage: “Kann Web 2.0 ein Ersatz für traditionelle CSCW Systeme sein”. Um sich einer Antwort zu nähern haben sie zuerst einmal die drei Bereiche CSCW, Groupware und Web 2.0 abgegrenzt/charakterisiert:
- CSCW: goal and work orientation
- Groupware: communication and coordination tasks
- Web 2.0: playfulness, user experience
Sie argumentieren dann für “meaningful integration” von Web 2.0 und Collaboration Support Systems (CSS). Kommentar: Ich finde ja, dass das nicht zwei verschiedene Bereiche sind, sondern zwei verschiedene Sichten/Foku auf/für das selbe. Web 2.0 schärft den Blick auf Motivation, Spass, Partizipation, CSCW den Blick auf Prozesse, Organisationen. Meiner Meinung nach geht es eher um die Integration von Funktionen, die üblicherweise in Social Software auftauchen (Tagging, …) in klassische CSCW Anwendungen bzw um die Integration von Funktionen, die üblicherweise in CSCW Anwendunen auftauchen in Social Software um sie fit für den Unternehmenseinsatz zu machen.
Diese “meaningful integration/combination” stellen die Autoren schließlich noch an zwei Prototypen (im Rahmen des Systems Kolumbus 2) vor: Online Word Processors in Kolumbus, Tagging Metadata for Collaboration Support.
Das Resumee lautete deshalb auch: “Web 2.0 can enhance Collaborative Apps”. Wie schon geschrieben: Meiner Meinung nach ist Web 2.0 nicht so sehr eine Anwendung/Klasse von Anwendungen, sondern eher eine Menge von Ideen / Blickrichtungen / Foki – und diese können sehr wohl CSCW Anwendungen helfen besser / benutzbarer / nützlicher zu werden.
“Design Issues for Supporting Collaborative Creativity”, Thomas Herrmann
Idea: “CSCW features might help to overcome the obstacles of heterogeneous teams (that are needed to achieve (collaborative) creativity)”
Frage: Welche Anforderungen müssen von Software erfüllt werden um (kollaborative) Kreativität zu unterstützen?
Dazu hat Thomas Herrmann verschiedene Forscher aus dem CSCW Umfeld interviewt (CSCW Forscher deshalb, da wenn die schon nicht mit den Tools zurecht kommen, dann vermutlich auch niemand anderes …). In den Interviews wurden zum Beispiel verschiedene Typen der Ausübung von Kreativität und verschiedene Barrieren zur Unterstützung von Kreativität identifiziert.
Für den speziellen Fall der Unterstützung kollaborativer Gruppen bei der gemeinsamen Erstellung von (SeeMe-)Modellen an großen Wandbildschirmen wurden dann Lösungsmöglichkeiten / Designanforderungen (“design heuristics”) für die Barrieren hergeleitet / aus den Interviews abgeleitet.
“Collective Interaction – Let’s join forces”, Peter Gall Krogh, Marianne Graves Petersen
Collective Interaction …
- negotiate shared goal
- instrumentalizes collaboration
- multiple co-located users engaged in collective action
- sharing both one logical input channel and one logical output channel
Mit dem iFloor stellt Peter Krogh ein interessantes Werkzeug zur Unterstützung der Kommunikation zwischen Benutzern in einer Bibliothek vor. Mit Squeeze folgt ein weiteres Beispiel aus dem Familienumfeld (“interactive furniture”).
Ein interessanter Kommentar: In Bezug auf effektive Nutzung von Informationssystemen sind die Beispiele “highly inefficient” – aber: Für den effizienten Zugriff auf Informationen haben wir ja (Desktop-)Computer – mit den ubiquitären Lösungen soll mal was anderes versucht werden und nicht der Desktop dupliziert werden.
“People Tagging & Ontology Maturing: Towards Collaborative Competence Management”, Simone Braun
Grundidee: Unterstützung von Kompetenzmanagement in Organisationen durch die kollaborative / bottom-up Erstellung von Kompetenz-Ontologien.
Dazu nannte sie unter anderem den Ansatz des “People Tagging” (am Beispiel von IBM Fringe), d.h. Personen taggen sich gegenseitig (entsprechend der wahrgenommenen Kompetenzen). Simone Braun nannte verschiedene Nachteile des People Tagging: keine Legitimation, keine Garantie, dass das Ergebnis zum Vokabular des Unternehmens passt, … – Meiner Meinung nach sind das alles keine ernsthaften Probleme, sondern eher falsche Erwartungen an das System – Denn die Strukturlosigkeit ist gerade eine Stärke des Systems – und vielleicht genau das, was es funktionieren lässt.
Anforderungen an ein Kompetenzmanagementsystem (nach den Autoren):
- Bottom-up collection of opinions abut individual competencies
- freedom to evolve competence vocabulary
- shared vocabulary for comparability
- legitimation and commitment by the organization
Die Herausforderungen werden als “collaborative ontology construction problem” angegangen.
In der Lösung existieren verschiedene “formality levels” (Detailierungsgrade, Formalisierungsgrade) im Informationsraum:
- topic tags
- competency areas
- competencies
- competency relationships
Das finde ich interessant – also nicht ein zwangsweises Einhalten einer Ontologie, sondern die Möglichkeit, Tags hinzuzufügen, die dann vielleicht langsam in die Ontologie reinwandern und vielleicht sogar zu Regeln (relationships) führen. Wobei man dazu natürlich wieder Zugriffsrechte/Zugriffspolitiken braucht – aber dazu gibt es in dem Projekt momentan noch nichts.
Interessante Frage in der Diskussion: “Mitarbeiter finden keine Zeit ihre eigenen Profile in Yellow Pages Anwendungen zu pflegen – warum sollten sie Zeit finden die Profile von anderen zu Taggen?” – Das geht auf den Grund von Web 2.0 – Ich glaube eine Antwort darauf wäre, dass man das Taggen so einfach wie möglich machen muss (deshalb möglichst wenig Struktur) und möglichst viel Wert für den taggenden Benutzer bieten sollte (im Sinne von Social Networking Applications, Netzwerkpflege, …).
Die Idee wurde im Tool SOBOLEO umgesetzt (im Rahmen des Projektes MATURE).
“From the crowd to communities: New interfaces for social tagging”, Chao Zhou
Frage: “Why wikis begin to be widely used, but not social tagging?”
Antwortversuch: Es liegt am (User) Interface!
Deshalb versuchen sie im Projekt die Tag Cloud (als Teil des Interfaces) zu verbessern. Dabei wurde insbesondere die Verbesserung der Sichtbarkeit von Kontexten und Beziehungen verbessert – vor allem zur Unterstützung von “kollaborativem Tagging” (ohne auf die platzverschwendenen Graphen zurückgreifen zu müssen).
Multikonferenz Wirtschaftsinformatik – Tag 2 – Kooperationssysteme
Der zweite Tag der Multikonferenz Wirtschaftsinformatik 2008 stand ganz im Kontext “Kooperationssysteme” – von 9:00 bis 18:30 (mit einer kleinen Unterbrechung für einen eingeladenen Vortrag) fand nämlich die von der Fachgruppe CSCW der Gesellschaft für Informatik organisierte Teilkonferenz “Kooperationssysteme” statt.
Nachfolgend Berichte/Gedanken zu einzelnen Beiträgen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Die erste Session begann mit zwei Beiträgen zu Reputationssystemen.
Zuerst präsentierte Herr Botsch von der Uni Karlsruhe eine empirische Analyse von Bewertungskommentaren des Reputationssystms von eBay. Insbesondere hat die Autoren dabei interessiert, in wie weit Angriffe auf Reputationssysteme, speziell Rachebewertungen und die Möglichkeit von Abmahnungen, die Abgabe von Bewertungen beeinflusst. Die Studie (und die Idee dahinter) war u.a. auch der Grund für den Design eines “neuen Bewertungssystems” – einer Verheiratung von klassischen Bewertungssystemen und sozialen Netzwerken, d.h. der Möglichkeit, öffentliche und nur für das eigene Netzwerk sichtbare Kommentare abzugeben. Diese Idee ist auch in “bimply” umgesetzt, einem Dienst zum Tauschen und Teilen von Artikeln und Dienstleistungen.
Im zweiten Beitrag präsentierte Herr Reitzenstein von der Universität Halle-Wittenberg eine Untersuchung der Robustheit von Reputationssystemen durch die Simulation von Angriffen.
Die zweite Session widmete sich Social Software.
Zuerst berichtete Herr Richter aus meiner Gruppe an der Universität der Bundeswehr München über Funktionen von Social Networking Services und stellte zu deren Validierung einige Ergebnisse aus unserer aktuellen Studie zur privaten Nutzung von Social Networking Services in Deutschland vor. Mehr dazu auf www.kooperationssysteme.de.
Dann berichtete Frau Martin von der Universität Hamburg über Crowdsourcing. Sie stellte dabei hauptsächlich verschiedene Beispiele und einen Definitionsansatz/Einordnungsansatz vor.
Crowdsourcing = interaktive Form der Leistungserbringung, die kollaborativ oder wettbewerbsorientiert organisiert ist, eine große Anzahl extrinsisch oder intrinsisch motivierter Akteure unterschiedlichen Wissensstands unter Verwendung moderner IuK-Systeme (Web-basiert) einbezieht. Leistungsobjekt sind Produkte oderDienstleistungen unterschiedlichen Innovationsgrades, welche durch das Netzwerk der Partizipierenden reaktiv aufgrund externer Anstöße oder proaktiv durch selbsttätiges Identifizieren von Bedarfslücken bzw. Opportunitäten entwickelt werden.
Verwandte Konzepte zu denen (konzeptuelle) Unterschiede herausgearbeitet wurden um eine eigenständige Begriffsbildung zu rechtfertigen waren: Open Source, Open Innovation, Interaktive Wertschöpfung.
Herr Richter von der Universität Münster berichtete schließlich über eine Social Network Analyse eines Netzwerks von Politologen (EU Network of Excellence), das sie in der Vergangenheit betreut / IT-mäßig unterstützt haben. Ziel war es dabei über die Erhebung der Beziehungen zwischen den Mitgliedern im Netzwerk herauszufinden, warum die bereitgestellte Unterstützungsplattform nicht bzw. anders genutzt worden ist als geplant.
Wichtiges Ergebnis der SNA war, dass es eigentlich kaum Cliquen im Netzwerk gab, über die verteilte Zusammenarbeit möglich wäre. Das könnte ein Grund dafür gewesen sein, dass die bereitgestellte Plattform nicht zur Kooperation, sondern hauptsächlich zur Koordination genutzt worden ist. Ziel einer (Kooperations-)Plattform für NoE muss also erst mal die “Verdichtung des Netzwerks” sein – z.B. über Social Networking Funktionen – Kooperationsförderung anstelle von Kooperationsunterstützung …
In einem zweiten Vortrag konkretisierte Herr Richter noch die Analyse der Nutzung des bereitgestellten Kooperationssystems HERBIE. Durch Logfileanalyse konnte klar gezeigt werden, dass das Werkzeug nicht für Kooperation, sondern eher für koordinierende Funktionen genutzt wurde, zum Reporting und zur Konferenzorganisation.
Im eingeladenen Vortrag am Nachmittag sprach Dr. Andreas Resch von Bayer Business Services zu “Moderne Führung der IT”.
Er hat damit begonnen drei Aspekte des (firmeninternen) IT-Outsourcings herauszuarbeiten:
- Bedarfsorientierung
- Qualitätsvereinbarung – überraschenderweise schwierig – ITler denken sie wissen was Qualität ist – aber: “Qualität ist das was der Kunde sieht”
- (IT-)Budget? – These: Nicht sinnvoll! – dadurch ist IT nämlich immer der Engpass
Argumentation gegen die Steuerung der IT-Abteilung über IT-Budgets: IT ist nicht unbedingt besser, weil sie weniger Euro pro Benutzer ausgibt (eine häufig verwendete Zieldefinition in der “Budgetwelt”) – es hängt auch davon ab, welche Anforderungen sie wie gut befriedigt.
Für die Steuerung der IT eines Unternehmens gilt “Drive IT as a Business”. Jeder Dienst sollte als Produkt angesehen werden und im Wettbewerb mit dem Markt an die firmeninternen Kunden verkauft werden.
Interessant war in diesem Zusammenhang auch der Ansatz, IT-Dienste mit Administrationsdienstleistungen zu integrierten Fachdiensten zu bündeln. Das bewirkt nämlich, dass die Fachabteilungen keine IT-Spezialisten brauchen um IT-Dienstleistungen “einzukaufen” (Mehraufwand), sondern dass die Fachspezialisten (HR, Accounting) mit entsprechenden Gegenparts in der IT-Abteilung sprechen können.
Noch ein abschliessendes Argument gegen die Budgetsteuerung von IT: Die Budgets werden regelmäßig gekürzt – d.h. man muss im Folgejahr mit z.B. 90% des Vorjahresbudgets auskommen. Das vermittelt die “Aussage”, dass weniger besser ist – was konsequent weitergeführt werden kann zu “Das Optimum wäre nichts” … und das ist schlecht für ein positives Selbstverständnis der IT.
Update: Auch Prof. Matthes berichtet in seinem Blog über den Vortrag.
Multikonferenz Wirtschaftsinformatik – Tag 1 – WI vs IS
Verfasst von kochm unter Konferenz, Universität am 27.2.2008
Nach einem sehr netten Pre-Conference Meeting in der Max-Emmanuel-Brauerei in Schwabing hat am 26.2. an der TUM in Garching die Multikonferenz Wirtschaftsinformatik 2008 begonnen. Nach einer kurzen Einführung durch den Dekan der Fakultät für Informatik der TUM und Prof. Krcmar (kurze Randbemerkung: die “Prabel”rutsche im Informatik-Gebäude hat keine “Ellipsen”form – Prabel- und Ellipsengleichung sind zwar nicht so weit voneinander weg – beides Kegelschnitte ;-) -, aber …) begann die Tagung mit einer Keynote von Prof. König zu Forschungsmethoden in der Wirtschaftsinformatik(ausbildung).
Herr König präsentierte interessante Zahlen zur “Publikationsleistung” deutscher Wirtschaftsinformatiker – Journals und Konferenzen nach “international akzeptierten” Rankings. Und da sieht die deutsche Wirtschaftsinformatik gar nicht gut aus … Die Frage von Herrn König war nun, woran das liegt und ob man was machen will/soll.
In der Motivation am Anfang führte er aus:
Eine Veröffentlichung/wissenschaftliche Arbeit verlangt neben Originalität vor allem eine intersubjektive Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse. Dies wird wesentlich durch sauber durchgeführte Forschungsmethoden determiniert.
In der deutschen Wirtschaftsinformatik ist die Methodenausbildung (im Bachelor, Master und während der Promotion) nun weniger ausgeprägt als international üblich. Hier kann ich die Zahlen von Herrn König nur bestätigen – gerade in der Promotionsphase wird nur noch sehr wenig Methodendiskussion/Methodenausbildung angeboten/genutzt.
Wie schließt man nun diese Lücke? Hier die Vorschläge von Herrn König:
- (Master-)Studenten und Doktoranden sollen mehr (wissenschaftliche Papiere) lesen – und das Gelesene diskutieren
- Es soll Forschungsmethoden-Veranstaltungen (im Master aber vor allem für Doktoranden) geben – evtl. im Rahmen eines (potentiell überregionalen) strukturierten Promotionsprogramms/Doktorandenseminare
- Forschungs-Jour-Fixes, Literaturkurse, (mehr) Kooperation mit internationalen Top-Forschern
Die besondere Notwendigkeit einer speziellen methodischen Fundierung motiviert Herr König auch an der Stärke der deutschen Wirtschaftsinformatik – in der Erklärungswelt und der Gestaltungswelt gleichermaßen zu Hause zu sein. Dadurch ergibt sich ein erhöhter Bedarf an methodischer Fundierung.
Diese Besonderheit der deutschen Wirtschaftsinformatik war auch Ausgangspunkt der Diskussion zur Keynote und tauchte im weiteren Verlauf des Tages immer wieder auf – u.a. in der Wissenschaftstheorie/Forschungsmethodik-Teilkonferenz.
Interessant war hier vor allem die Argumentation, dass man sich doch in der deutschen WI nicht an der amerikanischen IS-Community orientieren sollte (sich nur an den IS-Rankings messen sollte). Denn während die deutsche WI erfolgreich ist (steigende Studierendenzahlen, guter Kontakt zur Praxis, Relevanz) ist die IS auf einem absteigenden Ast (sinkende Studierendenzahlen, beinahe kein Kontakt zur Praxis). Es wäre also besser, einen eigenen Massstab für die deutsche WI zu finden.
Hier war die Argumentation dann aber auch, dass eine größere Gestaltungsorientierung der WI zwar die Nicht-Präsenz in den amerikanischen IS-Zeitschriften erklärt, nicht aber eine Nicht-Präsenz in den ACM- und IEEE-Transactions, die ja eher gestaltungsorientiert sind. Stärkere Methodenausbildung bleibt also unabhängig davon wichtig.
Btw: Ein interessanter – wenn auch etwas “amerikanisch” ausgerichteter – Beitrag zu dem Thema ist “Why the old world cannot publish? – Overcoming challenges in publishing high-impact IS research” …
Und noch ein “Schnippsel” aus den Diskussionen im Laufe des Tages: Immer mehr Universitäten greifen die Vorschläge von König schon auf: Einerseits finden sich immer mehr (Master-)Lehrveranstaltungen, in denen die Studierende wissenschaftliche Paper/Bücher lesen müssen und diskutieren können – andererseits bieten immer mehr Universitäten/Fakultäten inzwischen begleitend zur klassischen Promotion Programme zur Methodenausbildung für die Doktoranden an.
Neue Medien im Change Management
Verfasst von kochm unter Social Software, Web 2.0 am 13.2.2008
Auf www.change-zweinull.de heisst es:
“Dieser Weblog begleitet unser Forschungsvorhaben, mit dem wir klären wollen, ob und wie erfolgreich web-basierte Medien wie z.B. Weblogs, Social Networking, Wikis und Podcasts die Umsetzung von Change-Vorhaben unterstützen können.”
Es geht also um die Untersuchung, wie Social Software beim Change Management helfen kann. U.a. wurden im neuesten Post die Ergebnisse einer Online-Befragung zu “Neue Medien im Change Management” veröffentlicht.
Warum finde ich das interessant? Nun ja, im Change Management allgemein geht es wie bei der Einführung von neuen Kooperationssystemen (Change Management im Besonderen) um die Beteiligung der Benutzer am (Einführung-)Prozess. Ich hatte bisher immer die Einführung von Social Software als Ziel eines solchen Prozesses gesehen (ist eben mein Blickwinkel), finde es aber interessant die Nutzung von Social Software auch zur Unterstützung des Prozesses einzusetzen. Wobei da natürlich das Henne-Ei-Problem auftaucht: Wie begleitet man die Einführung von Social Software zur Begleitung der Einführung von … ;-)
Terminvereinbarung – Doodle.ch
Eine immer wiederkehrende Koordinationsaufgabe in Gruppen ist die Abstimmung eines Termins (z.B. für ein gemeinsames Treffen). Und die State-of-the-Art-Lösung dazu ist leider meist immer noch folgende (schon die fortgeschrittene/bessere Version):
- “Koordinator” sendet E-Mail an alle mit ein paar Terminvorschlägen
- “Alle” antworten per E-Mail – entweder nur an den Koordinator – oder schlimmer per “Reply All” an alle – mit mehr oder weniger strukturierten Kommentaren, wann es geht und wann nicht
- Der Koordinator wühlt sich durch die Antworten und stellt hoffentlich eine Überschneidung fest (die er dann allen mitteilt) – ansonsten nochmal von vorne
Ich möchte jetzt nicht die seit zwanzig Jahren im Groupware/CSCW-Bereich propagierten Gruppenkalender als Lösung vorschlagen – denn die funktionieren in wenig strukturierten/anarchischen Bereichen (wie Universitäten) oder bei organisationsübergreifenden Teams noch nicht so richtig. Aber es gibt eine andere gute Lösung für die Vermeidung von E-Mail-Kaskaden:
- z.B. Nutzung eines Wikis, in das die Terminvorschläge eingetragen werden und alle Ihre Verfügbarkeit dazu vermerken
Unter www.doodle.ch gibt es inzwischen sogar einen Web-Dienst, der das ganze narrensicher mit einer schönen UI umsetzt: Einfach Terminvorschläge eintragen und den Link an alle potentiellen Teilnehmer schicken, die dann auf der Website ihr Feedback dazu geben können. Das Aufsummieren der Antworten übernimmt dann wieder der Dienst – schön sichtbar für alle.
Wobei man beim Einsatz des Tools mal wieder beobachten kann, dass ein Tool alleine keine Lösung ist (“a fool with a tool is still a fool …”). So muss man erstens mal abstimmen, ob auch der Initiator seine Verfügbarkeit einträgt – oder ist mit den vorgegeben Terminvorschlägen automatisch verbunden, dass der Initiator an all diesen Zeit hat? Und dann habe ich auch schon beobachtet, dass sich nach dem Einrichten der Abstimmung plötzlich keiner mehr für den Prozess mehr zuständig fühlt – und so am Schluss das Resultat auf ewig (bis zum Verstreichen aller Terminangebote) bei doodle verschüttet bleibt. Die Lösung ist also wie immer nicht nur ein technisches System, sondern ein soziotechnisches – mit Organisation/Absprachen um die Technik rum …
ECSCW 2007 – Day 3 – Closing
In the last session of the conference the closing keynote was given: “TUNES: The Irish traditional music session as organizational model” by Micheal O Suilleabhain from the University of Limerick. The first thing to notice was that the whole setup has changed – instead of a screen for a video projector there were some music instruments placed on the platform.
The theme of the talk is “How does a (music) session work?”.
Irish traditional dance music differs from Jazz music and symphony orchestras – collaboration and polyphony (Jazz) and power of uniformity (Symphony Orchestra) – “the uniformity of the bowing is the power in the string section” (even if the sound is off, one can see that it is a bad performance!)
Monophony in symphony orchestra: The musicians are submerging parts of their individuality (for the purpose of the music)
In contrast monophony (as a team) in traditional Irish dance music: Harmophony – Musicians play together – more or less the same (monophony), but every one keeps some individuality – in the tradition of the music and in coordination/cooperation with the co-musicians.
The musicians are not payed – they play with their backs to the audience – they are playing for themselves (interesting connection to Social Software!) – there are even musicians that act as lurkers, or join in later, …
Characteristics of a session: Some “rules/conventions/patterns” that form the “architecture” of the music; there is no leader (everybody can take initiative to develop monophony into a different direction); additionally there is a lot of individuality in playing the music (when to breath, when to set breaks, … – “identity markers”)
“Creative process that informs the music”
I do not know if I got everything right / made it understandable for anybody who has not been here … A great and inspiring talk! With live music to demonstrate the concepts.
A quote from Micheal about teaching (to a teacher): “you will grow older but your students will stay the same age all the time …”
A quote about being late (from the one who is late and is questioned because of it): “you have the clock, I have the time”
And that was it … But “after the conference is before the conference” – next ECSCW will take place from September 7th to September 11th 2009 in Vienna – see web site of ECSCW 2009.
With that my blog will switch back from (bad) English [the language of science ;-)] to German – So, bye to my English readers.
ECSCW 2007 – Day 3 – Paper Session 2
- “How-To Sharing: Informal Systems of Expertise Location”, Cristen Torrey: “how-to = online content that describes how something is done”; question: how/why are how-to pages built, documented and broadcasted; ethnographic study / interviews for this; some results: Web 2.0 technologies and services (especially RSS feeds; photo/video hosting) play an important role; “google is my friend too”; documentation for keeping a record for oneself; documentation for building an online identity; implications of how-to-sharing: supporting mixed media is essential (all kinds of tools, well integrated); challenge: how-tos constitute a personal portfolio, authors motivations may not align well with organizational requirements for knowledge sharing – that is exactly the issue/problem in Enterprise 2.0!!! Opportunity: address ownership issues, …
Comment: lots of how-tos are collaboratively authored … hobby crafts projects should be distinguished from larger (collaborative) documentation projects … - “Seeing ethnographically: Teaching ethnography as part of CSCW”, Barry Brown: “ethnography = catch-all phrase for a range of different things, just as long as they involve field work of some sort”; interesting (meta-work): studying the students of a practical course on ethnography!!! (to learn about how to teach ethnography); students were asked to share their fieldnotes via a wiki – and it worked! (multimedia fieldnotes, up to 70 reads per fieldnotes, accountability of ‘hidden work’); wiki was extended for adding comments/notes to wiki pages (no editing other groups notes, but commenting on them), for better displaying history awareness information; one of the conclusions: wiki as a mundane workplace/schoolplace tool
- “Cues to Mutual Knowledge”, N. Bryan-Kinns: looking at asynchronous collaboration; experiment: first order cues to the activities of an individual, second order cues to the activitites of others, third order cues that support mutual-beliefs; does providing cues mean awareness support? I think yes; design of two shared workspaces for comparative experiment: Npathy (1st + 2nd), Mpathy (1st, 2nd, 3rd order cues – additional timeline which shows connection of read and write events); (positive) effect on number of contributed documents; increased co-ordinated use of documents; more implicit references
Interesting try to quantitatively compare awareness features (even when the whole talk did not use the word ‘awareness’)
ECSCW 2007 – Day 3 – Panel
The panel session started with a series of conference announcements:
- Participatory design conference 2009 (submissions March 2008)
- Persuasive 2008
- Collaborations Technology 2008 in Japan
- CSCW 2008 in San Diego
- GROUP 2007
- Communities and Technologies 2009
Then the panel “The Changing Technological Landscape of CSCW – from BSCW to Sharepoint”:
Carl Gutwin
- the role of technology in CSCW: “underachiever” – everything was done 40 years ago (the Engelbart demo …); the rest that is successful was done without our help (IM, Social Networking, ….)
- So, is there any reason to keep building CSCW systems? Yes! I wanna build cool toys (gadgets)!
- Problem: 80/20 rule – that is the reason why groupware still sucks … “better than nothing does not mean good enough”
- Working with technology can show us new kinds of interactions
- Great example from lab: realtime chess with eight people playing at the same time (on one board)
Mike Fraser
- “What happened to Hiroshi Ishii?” … he is alive and well and publishing in CHI, UIST and DIS … (not in (E)CSCW) – they value experimental design
- Is CSCW committed to new technologies? Or is it ‘mundane’?
- In 1995 it was valued to get a system work!!!
- “just because a mundane technology is easier to study in situ shouldn’t mean we dump new systems from studies”
- “This community should be (a) embracing and (b) generating technically competent researchers.”
- “Why should computer scientists learn about situated action if social scientists can’t code?”
Carla Simone
- traditional approaches coexist with new challenges: the predominant web based “culture”, the pervasive computing paradigm
- need to find an “innovative” way to deal with this contrasting situation
- current situation: several successful application that focus on well defined and generic functionality (IM, BSCW, blogs, …); research prototypical tools that focus on highly specialized goals
- changing the landscape: make these applications really integrated!!!, give collaboration a primary role in shaping the “operating system”, overcome the web approach by creating “local” spaces of cooperation, let users flexibly select their preferred metaphor (task, community, communication, …)
Volker Wulf
- lots of developments in technology – a history of diversification
- diversification also in the way we are using the technologies
- we have less valid assumptions about the current environment of a collaborating colleague
- we have less valid assumptions about technological environment to design for
- use routines are less pre-defined by technology
- “We always said we use IT infrastructure … Now we really do!”
- “Work routines do not ‘benefit’ from IT use, they require IT!” – Danger of breakdown
- Towards Infrastructure-Oriented CSCW: stronger focus on interoperability, prepare for breakdowns, accountable technologies, less anticipable use situations – put the user in control, raising infrastructure awareness (in design), applying research from STS/Cyberinfrastructures to ‘work infrastructures in the small’
- Issue of innovation: we have lost a little bit on innovation in technology (with applications for cooperation), and we have lost a little bit in innovation in management/organization science
Discussion
- Problem: We will not get all the (relevant) “gadget builders” into our community
- One use of gadgets: Gadgets help us to ask questions about ourselves
- Importance of keeping up with the present technologies – e.g. mobile phones are not mentioned/used in the papers at this conference; things that have a huge collaborative impact is what CSCW should have a look at
-
After the panel there was an additional announcement: In the future the ACM CSCW conference will be an annual conference – will be moved from November to February to synchronize with ECSCW and GROUP.