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COOP2008 – Web 2.0
Irgendwie hat die 8th International Conference on the Design of Cooperative Systems (COOP 2008) das implizite Thema “Web 2.0 / Enterprise 2.0″. Schon in den Beiträgen zu den bisherigen Ereignissen habe ich zu Academia 2.0, Science 2.0 und dem Einsatz von Wikis im Unternehmen geschrieben. Heute (Donnerstag) ging es in den Beiträgen weiter hauptsächlich um das Web 2.0 (und die Ideen dahinter).
“Combining Web 2 and Groupware applications”, Carsten Ritterskamp, Michael Prilla
Die Autoren stellen die Frage: “Kann Web 2.0 ein Ersatz für traditionelle CSCW Systeme sein”. Um sich einer Antwort zu nähern haben sie zuerst einmal die drei Bereiche CSCW, Groupware und Web 2.0 abgegrenzt/charakterisiert:
- CSCW: goal and work orientation
- Groupware: communication and coordination tasks
- Web 2.0: playfulness, user experience
Sie argumentieren dann für “meaningful integration” von Web 2.0 und Collaboration Support Systems (CSS). Kommentar: Ich finde ja, dass das nicht zwei verschiedene Bereiche sind, sondern zwei verschiedene Sichten/Foku auf/für das selbe. Web 2.0 schärft den Blick auf Motivation, Spass, Partizipation, CSCW den Blick auf Prozesse, Organisationen. Meiner Meinung nach geht es eher um die Integration von Funktionen, die üblicherweise in Social Software auftauchen (Tagging, …) in klassische CSCW Anwendungen bzw um die Integration von Funktionen, die üblicherweise in CSCW Anwendunen auftauchen in Social Software um sie fit für den Unternehmenseinsatz zu machen.
Diese “meaningful integration/combination” stellen die Autoren schließlich noch an zwei Prototypen (im Rahmen des Systems Kolumbus 2) vor: Online Word Processors in Kolumbus, Tagging Metadata for Collaboration Support.
Das Resumee lautete deshalb auch: “Web 2.0 can enhance Collaborative Apps”. Wie schon geschrieben: Meiner Meinung nach ist Web 2.0 nicht so sehr eine Anwendung/Klasse von Anwendungen, sondern eher eine Menge von Ideen / Blickrichtungen / Foki – und diese können sehr wohl CSCW Anwendungen helfen besser / benutzbarer / nützlicher zu werden.
“Design Issues for Supporting Collaborative Creativity”, Thomas Herrmann
Idea: “CSCW features might help to overcome the obstacles of heterogeneous teams (that are needed to achieve (collaborative) creativity)”
Frage: Welche Anforderungen müssen von Software erfüllt werden um (kollaborative) Kreativität zu unterstützen?
Dazu hat Thomas Herrmann verschiedene Forscher aus dem CSCW Umfeld interviewt (CSCW Forscher deshalb, da wenn die schon nicht mit den Tools zurecht kommen, dann vermutlich auch niemand anderes …). In den Interviews wurden zum Beispiel verschiedene Typen der Ausübung von Kreativität und verschiedene Barrieren zur Unterstützung von Kreativität identifiziert.
Für den speziellen Fall der Unterstützung kollaborativer Gruppen bei der gemeinsamen Erstellung von (SeeMe-)Modellen an großen Wandbildschirmen wurden dann Lösungsmöglichkeiten / Designanforderungen (“design heuristics”) für die Barrieren hergeleitet / aus den Interviews abgeleitet.
“Collective Interaction – Let’s join forces”, Peter Gall Krogh, Marianne Graves Petersen
Collective Interaction …
- negotiate shared goal
- instrumentalizes collaboration
- multiple co-located users engaged in collective action
- sharing both one logical input channel and one logical output channel
Mit dem iFloor stellt Peter Krogh ein interessantes Werkzeug zur Unterstützung der Kommunikation zwischen Benutzern in einer Bibliothek vor. Mit Squeeze folgt ein weiteres Beispiel aus dem Familienumfeld (“interactive furniture”).
Ein interessanter Kommentar: In Bezug auf effektive Nutzung von Informationssystemen sind die Beispiele “highly inefficient” – aber: Für den effizienten Zugriff auf Informationen haben wir ja (Desktop-)Computer – mit den ubiquitären Lösungen soll mal was anderes versucht werden und nicht der Desktop dupliziert werden.
“People Tagging & Ontology Maturing: Towards Collaborative Competence Management”, Simone Braun
Grundidee: Unterstützung von Kompetenzmanagement in Organisationen durch die kollaborative / bottom-up Erstellung von Kompetenz-Ontologien.
Dazu nannte sie unter anderem den Ansatz des “People Tagging” (am Beispiel von IBM Fringe), d.h. Personen taggen sich gegenseitig (entsprechend der wahrgenommenen Kompetenzen). Simone Braun nannte verschiedene Nachteile des People Tagging: keine Legitimation, keine Garantie, dass das Ergebnis zum Vokabular des Unternehmens passt, … – Meiner Meinung nach sind das alles keine ernsthaften Probleme, sondern eher falsche Erwartungen an das System – Denn die Strukturlosigkeit ist gerade eine Stärke des Systems – und vielleicht genau das, was es funktionieren lässt.
Anforderungen an ein Kompetenzmanagementsystem (nach den Autoren):
- Bottom-up collection of opinions abut individual competencies
- freedom to evolve competence vocabulary
- shared vocabulary for comparability
- legitimation and commitment by the organization
Die Herausforderungen werden als “collaborative ontology construction problem” angegangen.
In der Lösung existieren verschiedene “formality levels” (Detailierungsgrade, Formalisierungsgrade) im Informationsraum:
- topic tags
- competency areas
- competencies
- competency relationships
Das finde ich interessant – also nicht ein zwangsweises Einhalten einer Ontologie, sondern die Möglichkeit, Tags hinzuzufügen, die dann vielleicht langsam in die Ontologie reinwandern und vielleicht sogar zu Regeln (relationships) führen. Wobei man dazu natürlich wieder Zugriffsrechte/Zugriffspolitiken braucht – aber dazu gibt es in dem Projekt momentan noch nichts.
Interessante Frage in der Diskussion: “Mitarbeiter finden keine Zeit ihre eigenen Profile in Yellow Pages Anwendungen zu pflegen – warum sollten sie Zeit finden die Profile von anderen zu Taggen?” – Das geht auf den Grund von Web 2.0 – Ich glaube eine Antwort darauf wäre, dass man das Taggen so einfach wie möglich machen muss (deshalb möglichst wenig Struktur) und möglichst viel Wert für den taggenden Benutzer bieten sollte (im Sinne von Social Networking Applications, Netzwerkpflege, …).
Die Idee wurde im Tool SOBOLEO umgesetzt (im Rahmen des Projektes MATURE).
“From the crowd to communities: New interfaces for social tagging”, Chao Zhou
Frage: “Why wikis begin to be widely used, but not social tagging?”
Antwortversuch: Es liegt am (User) Interface!
Deshalb versuchen sie im Projekt die Tag Cloud (als Teil des Interfaces) zu verbessern. Dabei wurde insbesondere die Verbesserung der Sichtbarkeit von Kontexten und Beziehungen verbessert – vor allem zur Unterstützung von “kollaborativem Tagging” (ohne auf die platzverschwendenen Graphen zurückgreifen zu müssen).
COOP2008 – Awareness, Wikis
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Konferenz am 21.5.2008
Nach dem Auftakt ging es auf der 8th International Conference on the Design of Cooperative Systems (COOP 2008) mit den Präsentationen von Forschungsarbeiten los. Hier ein paar Kommentare zu einigen wenigen der Präsenatationen.
“Anticipative Awareness in a Groupware System”, Wolfgang Prinz, Elke Hinrichs, Irina Kireyev
Wolfgang Prinz vom Fraunhofer Institut Angewandte Informationstechnik beginnt mit einem Bericht über verschiedene Awareness Features (am Beispiel von BSCW) – mit diesen Features kann man sehen, was konkret passiert ist. Es ist heute aber nicht möglich zu spezifizieren, was passieren sollte – und einen Hinweis zu erhalten, wenn das nicht passiert (z.B. Studenten, die ein Papier nicht gelesen haben; Projektpartner, die ein Dokument nicht hochgeladen haben …): “Awareness about things that did no happen”
Dies wurde in Form von “Expectations” in BSCW eingebaut – Zu Expectations können Participants (Individuen, Gruppen, Rollen), Activities und Artifacts zugeordnet werden.
Interessant: Es ist möglich eigene Expectations für andere Sichtbar zu machen; ein anderes Feature: E-Mail an alle, die eine Expectation erfüllt bzw. nicht erfüllt haben.
“The Wiki as an Integrative Tool in Project Work”, Birgit Rognebakke Krogstie
In diesem Beitrag wurde über die Nutzung von Wikis in Software-Engineering-Projekten berichtet.
Ein paar interessante Erkenntnisse aus der Beobachtung:
- Wikis wurden hauptsächlich für “Integration” genutzt
- Integration zwischen sozialen und zielorientierten Aktivitäten
- Integration zwischen Information im Team und ausserhalb des Teams
- Integration zwischen verschiedenen Artefakten
- Wikis dienten verschiedenen Zielen
- “knowledge repository”
- “stage”
- “coordination mechanism”
- “shared workspace”
- Wikis wurde nicht für soziale Interaktion genutzt – also eigentlich keine “Social Software” – aber das lag wohl auch daran, dass die Teams nicht verteilt waren – Für soziale Interaktion wurden genutzt IM, F2F, …
“Proliferation in Enterprise Wikis”, Hans-Jörg Happel
Herr Happel vom FZI in Karlsruhe berichtete über Erkenntnisse aus der Untersuchung der Nutzung von Wikis in Unternehmen. Seine Forschungsfrage war: “What problems occur when enterprise wikis grow and how are they adressed?”.
Zuerst verglich er Enterprise Wikis mit Wikipedia:
- Wikipedia: klare Struktur (Lexikon), klare Namens- und Linkkonventionen, grosse Benutzerbasis
- Enterprise Wikis: keine so klare Struktur, teilweise hierarchische (Unter-)Strukturen, Frage: “where to put what?”, kleine Benutzerbasis
Wegen dieser Unterschiede finden sich in Unternehmenswikis auch andere Probleme als in Wikipedia. So scheint das Hauptproblem “profileration” (wegen des Wachstums) zu sein. Also eine schwindende Qualität der Struktur, ein schwieriger werden des Findens von Inhalten oder von Seiten auf denen Inhalte aufgenommen werden sollten.
Lösung dazu scheint “gardening” zu sein – Zusätzlich werden als Lösung auch vorbeugende Massnahmen angegeben:
- “employee training”
- “quality standards, rules”
- “tagging, categorization”
- “use of templates”
COOP2008 – Science 2.0
Verfasst von kochm unter Konferenz, Science 2.0 am 21.5.2008
Nach dem Workshoptag am Dienstag begann die “8th International Conference on the Design of Cooperative Systems (COOP 2008)” heute mit einem eingeladenen Vortrag von Rob Procter. Rob Procter ist Direktor des National Center for e-Social Sciences (NCeSS) an der Manchester University in England. Aufgabe des Centers ist es e-Science in den Social Sciences zu entwickeln – also sowohl Werkzeuge (zur gemeinsamen Analyse von Daten als auch zum Sammeln von Daten) als auch eine grundsätzliche Weiterentwicklung wissenschaftlichen (Zusammen-)Arbeitens in diesem Bereich (durch Beantwortung von Fragen nach Vertrauen, Copyright etc).
Rob hat zuerst die “e-Science” Vision in England (von John Taylor) wiederholt:
“e-Science is about global collaboration in key areas of science and the next generation of infrastructure that will enable it.”
Diese Infrastruktur ist als “the Grid” bekannt – aber heute auch immer mehr als “e-Infrastructure”. Hinter diesen beiden Begriffen verstecken sich auch zwei grundsätzlich unterschiedliche Herangehensweisen:
- “The Grid = Computer scientists blueprint for a perfect distributed infrastructure” – Dieses Ziel top-down eine “perfekte” Lösung zu erreichen beinhaltet das Problem, dass es sehr (zu) lange dauert, bis etwas Benutzbares zur Verfügung steht
- Stattdessen wird heute unter dem Begriff “Science 2.0″ ein auf Web 2.0 Werkzeugen basierender bottom-up Ansatz verfolgt: “‘grass roots’ led appropriation of e-Science technologies”, “Science 2.0 has facilitated a cooperative approach to build a research infrastructure”
Rob verwendete im Zusammenhang mit Science 2.9 den Begriff “collaborative systems building” – das Ergebnis ist sicher nicht so perfekt wie “the Grid”, aber es sind sehr viele Aktivisten beteiligt und die (Zwischen-)Ergebnisse sind sofort benutzbar.
Beispiele für Science 2.0 Dienste, die Rob genannt hat: Swivel, Slideshare, MyExperiment, Jove, UsefulChem, OpenWetWare, ManyEyes, MapTube, NewScientistTech
Am Ende ein Veranstaltungshinweis von Rob: 4th International Conference on e-Social Science in Manchester (18-20 June 2008): http://www.ncess.ac.uk/events/conference/