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Wikimanagement
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0 am 14.4.2008
Sebastian Schäfer berichtet auf seinem Blog kurz über das Buch Wikimanagement – als Enterprise 2.0-Fassung von Wikinomics. Klingt spannend – Leider hat es unsere Bibliothek bisher noch nicht geschafft meine Bestellung des Buches erfolgreich zum Abschluss zu bringen – ich muss mit einem ausführlichen Review also noch etwas warten.
Vorweg kann aber schon mal gesagt werden, dass das Buch neben den hervorragenden Wikipatterns ein weiteres Indiz dafür ist, dass man erkannt hat, dass der Einsatz von Social Software in Unternehmen
- ein Thema ist und
- eine differenzierte soziotechnische Betrachtung/Behandlung erfordert um erfolgreich zu sein.
Btw: Natürlich gibt es ein Wiki zum Buch … www.wikimanagement.de. Wenn ich da in die Gliederung schaue, dann finde ich das “Wiki” im Buchtitel fast schon übertrieben … Es geht eher um Enterprise 2.0 allgemein – mit Wikis als hervorgehobenes Beispiel. Aber sei’s drum. Ein ausführlicher Kommentar folgt wie schon gesagt sobald ich das Buch in den Händen halte.
Buchkommentar – Corpus Sacrum
Ich hatte mir mal vorgenommen, auf diesem Blog Kurzkommentare zu allen Büchern zu schreiben, die ich lese – zumindest zu allen nicht-komplett-Fachbüchern. Ganz im Sinne des Bloggings: Damit ich meine Kommentare für mich vernünftig und wiederfindbar aufschreibe – und vielleicht der ein oder andere davon profitieren kann (Gruppennutzen als “Abfallprodukt” ;-)). Und jetzt liegt das im letzten Kurzurlaub ausgelesene Werk hier vor mir und wartet auf “Bearbeitung” …
Oben auf meinem Still-To-Read-Stapel lag diesmal “Corpus Sacrum – Der Limes-Roman” von Andreas Möhn. Ein Vertreter der sogenannten “Historienromane”.
Es ist ein sehr spannender Roman, der (wie der Name schon sagt) in den entfernten Bereichen des Römischen Reiches kurz vor dem Limes spielt. Nachdem ich in der Schule kein Latein hatte, waren für mich viele der Einsichten, die das historisch gut recherchierte Werk in die Welt der Römer gibt, sehr lehrreich. Aber auch für “Lateinschüler” bietet der Roman vermutlich Einiges. So werden viele Sprüche und Zitate im lateinischen Original angegeben (glücklicherweise mit Übersetzung).
Das Buch wird es zwar nicht in meine Top-10-Liste schaffen. Insgesamt aber eine interessante Mischung aus guter Unterhaltung und etwas Lehrreichem.
Six Degrees …
Six Degrees of Separation oder Kleine-Welt-Phänomen – hinter diesem Begriff steckt die von Stanley Milgram in den 1960er Jahren aufgestellte These, dass jeder Mensch mit jedem anderen Menschen über maximal sechs Ecken (oder durchschnittlich?) miteinander in Beziehung steht.
Grundlage der Orginalveröffentlichung war ein sehr kleines Experiment mit “sozialer Briefzustellung” in Amerika.
In den letzten Tagen sind mir gleich zwei interessante neue Ergebnisse/Kommentare dazu in die Hände gefallen. So berichtet Robert Basic über eine Studie, die Daten des Microsoft Messenger auswertet (Juni 2006, 30 Milliarden Konversationen zwischen 240 Millionen Personen) – Hier kam raus, dass die durchschnittliche Entfernung 6,6 beträgt … Finde ich eher eine Bestätigung als eine Widerlegung der Ursprungsthese. Ich muss mir unbedingt die Orginalveröffentlichung dazu anschauen.
Eine ausführlicher neuerer Kommentar zum Thema des Kleine-Welt-Phänomens findet sich in “Die ganze Wahrheit über Social Networks” bei macophilia. Unter anderem wird hier auch betont, dass die Six-Degrees nur auf der Eigenschaft sozialer Netzwerke beruhen skalenfrei zu sein (d.h. es gibt Hubs). Dazu wird auch das Buch “Tipping Point” von Malcom Gladwell zitiert.
Gladwell geht in seinem Buch u.a. auf die Informationsübermittlung und Zusammenarbeit in Communities und Netzwerken ein und nennt drei wichtige Typen von Rollen für Mitglieder: Mavens, Salesmen und Connectors. Die Rollen sind sehr hilfreich, wenn es darum geht zu reflektieren, wie der Wissensaustausch in und zwischen Communities funktioniert und welche Unterstützungsmöglichkeiten dafür angeboten werden könnten und sollten.
- Mavens: Mit „maven“ (engl. für „Kenner“) sind die Mitglieder einer Community gemeint, die in einem bestimmten Bereich Expertenwissen besitzen. Das sind z.B. die Personen, die man fragt, wenn man eine Kaufentscheidung treffen will.
- Salesmen: Diese Rolle sorgt dafür, dass die Tipps von Mavens zur Meinung einer größeren Masse von Menschen werden. Salesmen (engl. für „Verkäufer“) besitzen vielleicht kein Expertenwissen, können aber Empfehlungen so begeistert weitergeben, dass sie von den Empfängern gerne aufgenommen werden.
Im Gegensatz zum Maven weiß der Salesman nicht, welche Produkte wirklich unter bestimmten Kriterien die Besten sind. Wenn er aber von einem Produkt begeistert ist (und dazu muss er es noch nicht einmal gekauft haben), dann wird er dies weiter erzählen und seine Begeisterung weitertragen. - Connectoren: Zu guter letzt braucht man noch Personen, die Trends aus einer Community heraus in eine andere tragen. Connectoren sind dazu in verschiedenen Gruppen und wandeln Information aus einer Gruppe in Informationen um, die für die andere Gruppe relevant ist. Das sind also die “Hubs”.
Den Connector macht nicht nur aus, dass er Mitglied in den verschiedenen Gruppen ist, sondern
er muss auch die Fähigkeit haben, Leute und Ideen aus den verschiedenen Bereichen zusammen zu bringen.
Gruban (2001) beschreibt in diesem Zusammenhang folgendes Beispiel: Hat sich durch Mavens und Salesmen in einer Gruppe von Technikbegeisterten herumgesprochen, dass ein bestimmtes Mobiltelefon besonders interessante Funktionen hat, so bleibt diese Information zunächst in dieser Gruppe. Bekommt aber der Connector mit, dass sich in der Theatergruppe jemand ein Mobiltelefon kaufen will, so besinnt er sich auf die Gespräche in der Technikgruppe und empfiehlt demjenigen ein Gerät, das auf seine Anforderungen – im Gegensatz zu den Spielereien, die einem Techniker wichtig sind –passt.
Buchkommentar – Adrenalin Junkies & Formular Zombies
Bei einem meiner Spaziergänge durch einen unserer Buchläden ist mir vor einiger Zeit das Buch “Adrenalin Junkies & Formular Zombies – Typisches Verhalten in Projekten” von Tom DeMarco und anderen (konkret: die “Atlantic Systems Guild”) aufgefallen. Nachdem ich die anderen Bücher von Tom DeMarco zu Softwareengineering und Projektarbeit (konkret: The Deadline/Der Termin, Peopleware oder Slack/Spielräume) mit großen Vergnügen verschlungen habe, landete auch die Neuentdeckung auf meinem Still-to-Read-Stapel …
Mein erster Eindruck nach dem Lesen: zuerst einmal etwas enttäuscht … Das Buch liefert zwar viele interessante Einblicke in (Software-)Projektarbeit und damit auch gute Anregungen, wo man hinschauen oder eingreifen sollte/könnte – aber es fehlt die zusammenhängende, geschichtenartige “Schreibe”, die ich bisher bei Tom DeMarco gewohnt war – und geliebt habe.
Denn das Buch ist kein zusammenhängender Text, sondern eine Sammlung von 86 Mustern, die bei (Software-)Projektarbeit beobachtet werden können. Jedes Muster ist auf einer bis vier Seiten kurz beschrieben. Dabei ist die Qualität (und Lesbarkeit) der Beschreibungen stark unterschiedlich. Weiterhin sind positive, negative und neutrale Muster wild gemischt.
Hier noch die “Muster”, die mir beim Lesen des Buches als besonders lesenswert bzw. erwähnenswert aufgefallen sind – mit ein paar Kommentaren von mir dazu.
7) Manana: “Wir alle verfügen über Zeitfenster, innerhalb derer wir erkennen, dass wir in Gang kommen und dranbleiben müssen, um eine Tätigkeit abzuschließen. Stichtage jenseits dieser Zeitfenster erzeugen kein Gefühl von Dringlichkeit und folglich auch nur eine geringe Motivation, sofort zu handeln.” (S. 19) – “Ausserhalb dieses Wahrnehmungsfensters befindet sich Manana. Manana bedeutet, dass wir zwar grundsätzlich einsehen, dass wir diese Arbeit erledigen müssen, aber nicht begreifen, dass wir umgehend damit beginnen müssen, um rechtzeitig fertig zu sein.” (S. 20).
Die Lösung ist (wie bei vielen der Muster/Probleme) einfach: Zwischenziele definieren, die innerhalb des Zeitfensters liegen. Trotz dieser einfachen Lösungsmöglichkeit wird aber nicht immer (rechtzeitig) erkannt, dass überhaupt ein Problem existiert.
26) Der Versuchsballon: “Bei einem Versuchsballon handelt es sich (…) um einen Lösungsvorschlag, von dem Sie allerdings wissen, dass er unvollkommen und/oder fehlerhaft ist, und den Sie bewusst einsetzen, um von Kollegen oder Kunden Kritik zu bekommen.” (S. 68).
Schöner habe ich die Idee der iterativen Entwicklung, des häufigen Generierens und Diskutierens von Prototypen noch nicht dargestellt gesehen. Dazu passt auch das auf S. 69 abgedruckte Zitat von Albert Schweitzer sehr gut: “Beispiele sind nicht das Hauptmittel um andere zu überzeugen. Sie sind das einzig mögliche Mittel.”.
75) Die Kühlschranktür: “Teammitglieder hängen ihre Arbeitsergebnisse routinemäßig für alle sichtbar aus.” (S. 185).
Hier wird besprochen, was mit Awareness / einem Gewahrsein über die Arbeit der anderen / den Stand der Arbeiten bzw. des Projektes erreicht werden kann. Das passt auch sehr gut zu den in vielen anderen Mustern angesprochenen Problem mit der zu starken (blinden) Konzentration auf in Vorgehensmodellen vorgeschriebenen Dokumenten zur Fortschrittsdokumentation (z.B. Muster 79 Papierfabrik).
Anstelle einer “Kühlschranktür” kann man natürlich auch Medien wie Blogs benutzen – sollte sich aber immer der Vorteile der Kühlschranktür bewusst sein bzw. versuchen sie nachzubilden!
Gut hierzu passt auch das Muster 81 Lagezentrum. Hier wird ein Projektraum empfohlen, der erstens Informationsaustausch und Informationsbewahrung sicherstellt – und dem Projekt einen sichtbaren Wert gibt.
76) Morgen scheint die Sonne wieder …: “Der Projektmanager ist davon überzeugt, dass der durchschnittliche künftige Fortschritt den durchschnittlichen zurückliegenden Fortschritt übertrifft.” (S. 187).
77) Einer geht noch: “Die Beteiligten sichern Unterstützung für ein Projekt zu, blähen es dann aber immer weiter auf, bis das Projekt unter der Eigenlast zusammenbricht.” (S. 190).
83) Aus gehabtem Schaden nichts gelernt …: “Ein Team erkennt seine Fehler, aber wiederholt sie trotzdem.” (S. 203).
In diesem Muster wird ausführlich auf den Aspekt der Lessons-learned eingegangen und auch einige konkrete Tipps zu deren erfolgreichen Durchführung/Implementierung gegeben (S. 205). Erstmal sollten Nachbesprechungen überhaupt abgehalten werden. Dann sollte vermieden werden, dass die Besprechungen nur zum “Dampfablassen” genutzt werden – z.B. nur Beschreibungen von Problemen gesammelt werden, aber keine Handlungsanweisungen zur zukünftigen Begebung.
Buchkommentar – The Hidden Power of Social Networks
Verfasst von kochm unter Social Software am 16.12.2007
Das Buch “The Hidden Power of Social Networks – Understanding How Work Really Gets Done in Organizations” von Rob Cross und Andrew Parker ist 2004 in der Harvard Business School Press erschienen. Die beiden Autoren gehen darin auf verschiedene Aspekte aus ihrer Arbeit mit der Analyse Sozialer Netzwerke in Organisationen ein.
In Kapitel 1 wird das bekannte Beispiel präsentiert, das ein Organigramm dem sozialen Netzwerk derselben Organisation gegenüberstellt (siehe Abbildung) – An dieser Gegenüberstellung sieht man, dass
- Cole zwar in der Hierarchie nicht besondern hoch steht, dass es die Organisation aber sehr im Informationsfluss stören würde wenn er ginge
- Dagegen würde ein Weggehen einiger der höheren Manager gar nicht so sehr stören – keine große Lücke hinterlassen :-)

Cross und Parker betonen aber schon in Kapitel 1 den Umstand, dass in vielen Netzwerken die Existenz von zentralen Personen (“Hubs”) nicht nur positiv gesehen werden kann. Diese stellen nämlich immer auch einen Flaschenhals für die Arbeit in der Organisation dar. Es wird später im Buch auch ein Beispiel präsentiert, wo der “Hub” seine zentrale Position im Netzwerk bewusst gepflegt hat – und damit dem Unternehmen mehr geschadet als genutzt hat. Eine sinnvolle Reaktion auf die Identifikation von Hubs in der Netzwerkanalyse ist also statt dem Umgarnen der zentralen Positionen eher das bewusste Herstellen weiterer Links um diesen Flaschenhals zu beseitigen.
Die Gliederung des Buches in den Worten der Autoren: Part One of this book (Chapters 1-4) describes how work really gets done in organizations through these informal networks (…). Part Two of this book sets forth practical ways for managers to promote healthy networks after they have identified opportunities for improvement (Chapter 5-8). (S. 12)
Ein kurzer Kommentar dazu: Das Buch liefert im Hauptteil keine direkte Anleitung für die Analyse von sozialen Netzwerken und die Reaktion darauf, sondern schafft mit vielen Beispielen und dem Ansprechen vieler wichtiger Aspekte aus diesem Bereich eher ein Bewusstsein für die Notwendigkeit und die Möglichkeiten. Erst im Anhang werden konkrete Anleitungen zur Durchführung einer Netzwerkanalyse und zur Reaktion darauf gegeben.
In Kapitel 3 sprechen die Autoren den interessanten Aspekt an, dass es nicht nur um de Optimierung des Informationsflusses (Push) in Netzwerken geht, sondern vielfach besonders wichtig ist, dass man dann wenn man sie braucht per Pull an die benötigte Information kommt:
“We definitely need to home in on some of the disconnects you found in the informtion network. At the same time, I think we need to create a broader ability for employees to get information from others when they need it. This is not so much about pushing more information through a group but about developing relationships that can be rapidly sought out when needed. I can get information from others when I want it because I’m the boss. But we need this kind of responsiveness built deeply into networks (…) because the cost of them not getting timely information can be catastrophic. (Senior hospital administrator)” (S. 31)
In diesem Zusammenhang stellen die Autoren verschiedene Arten von Sozialen Netzwerken vor – je nachdem, was genau untersucht werden soll:
- access networks – who has access to whom (gemeinsamer Kontext, Vertrauen schon aufgebaut)
- awareness networks (Awareness der Information/Expertise, die bei anderen Vorhanden ist)
- communication networks (Wer kommuniziert mit wem)
- information flow networks (Zwischen wem fliesst Information – das kann auch mit speziellem Fokus auf Information, die zu Problemlösungen genutzt wird erhoben werden)
Einen weiteren Aspekt, den man untersuchen kann stellen die Autoren in Kapitel 4 mit “energy networks” vor. Dabei schauen sie sich an, wer wen “energizes” bzw. “de-energizes”. Damit ist gemeint, wer wen inspiriert / motiviert (oder auch anders rum).
Auf Seite 58ff werden fünf Dimensionen von “energizing environments” genannt und diskutiert:
- A Compelling Vision
- A Meaningful Contribution
- Full Engagement
- A Sense of Progress
- Belief in the Goal
Im Anhang des Buches (Anleitung zur Durchführung einer SNA) werden die verschiedenen Typen von untersuchbaren Beziehungen nochmal aufgegriffen und dargestellt (S. 147ff):
- Collaboration in a Network
- Communication
- Information
- Problem solving
- Innovation
- Information-Sharing Potential of a Network
- Knowledge awareness
- Access
- Engagement
- Safety
- Rigidity in a Network
- Decision making
- Communicate more
- Task flow
- Power or influence
- Well-Being and Supportiveness in a Network
- Liking
- Friendship
- Career support
- Personal support
- Energy
- Trust
Im Zusammenhang mit dem Finden von Reaktionsmöglichkeiten auf den in der Analyse gefundenen Zustand gehen die Autoren in Kapitel 5 auf die verschiedenen Typen von Personen im Netzwerk ein:
- Central Connectors (the unsung hero, the bottleneck)
- Boundary Spanners
- Information Brokers
- Peripheral People (stuck on the periphery, intentionally peripheral)
Das ganze erinnert mit an die etwas übersichtlichere Aufstellung in “The Tipping Point” von Malcolm Gladwell: Meavens, Salesmen, Connectors.
Kapitel 6 geht auf die Entwicklung von Beziehungen ein. Eine interessante Erkenntnis dazu ist, dass die wichtigsten Informationsaustauschbeziehungen immer auch einen privaten Hintergrund haben:
“If anything surprised us from our interviews, it was the importance of relationships developing on a personal front to become effective professionally (in terms of information sharing and collaboration). Almost universally, people reported that their most valued information relationships had connected on issues outside work, and this process was often identified as a major milestone in the development of the relationship.” (S. 95)
Auch bei der Vorstellung von Personen im Intranet (in Social-Networking-Anwendungen) ist deshalb die Erwähnung von persönlichen Interessen wichtig.
In Kapitel 7 gehen die Autoren schließlich auch auf Gestaltungsmöglichkeiten (zur Verbesserung der Vernetzung) ein. Wie zu erwarten finden dabei technische Werkzeuge (IM, Skill-Profiling-Systems, Group-Support-Systems, E-Mail Applications) zwar Erwähnung, werden aber nicht als besonders wichtig eingestuft.
Hierzu noch ein nettes Zitate aus dem Buch:
- “However, some portion of the millions of dollars most organizations are investing in underutilized technologies can be effectively reallocated to initiatives that promote vibrant employee networks.” (S. 12)
Buchkommentar – Hackers & Painters
Vor einige Zeit bin ich mal auf “Hackers & Painters – Big Ideas from the Computing Age” von Paul Graham aufmerksam geworden – ich glaube es war wegen des Vergleichs von Computer-Hackern mit Malern – beides “Macher” :-) Als “Möchte-Gern-Hacker/Macher” musste ich mir das Buch natürlich sofort besorgen – und inzwischen ist auch auch nach oben auf meinem Still-to-Read-Stapel vorgerückt und gelesen worden … Hier ein paar Kommentare dazu.
In Kapitel 2 geht der Autor auf Charakteristika von “Hackern” ein – und darauf, dass “Hacking” als schöpferische Tätigkeit viel mit Malen und Schreiben zu tun hat. Hier ein paar Zitate:
- “what hackers and painters have in ommon is that they’re both makers”
- “computer science is a grab bag of tenuously related areas thrown together by an accident of history”
- “Programs should be written for people to read, and only incidentally for machines to execute” (Structure and Interpretation of Computer Programs, Harold Abelson und Gerald Sussman, MIT Press, 1985)
Kapitel 4 ist den Vorteilen von “Web/Server-basierter Software” gegenüber “Client-basierter Software” gewidmet. Sowohl aus Sicht der Benutzer als auch aus Sicht der Firmen, die Software zur Verfügung stellen. Graham schildert am Beispiel seiner Firma Viaweb vor allem den Vorteil des direkten Kontaktes zu den Benutzern als auch der Möglichkeit schnell reagieren und in kurzen Abständen neue Versionen der Software veröffentlichen zu können. Das erinnert doch sehr an die Argumentation rund um Web 2.0 …
In Kapitel 6 geht Graham auf Vermögen/Reichtum (engl. “wealth”) ein. Er hat dazu einiges zu sagen – vor allem:
- Vermögen wird nicht einfach verteilt, sondern geschaffen – wenn also jemand ein Stück Software schreibt, das die Bedürfnisse von Kunden befriedigt (d.h. für das eine Nachfrage existiert), dann wird damit Vermögen geschaffen
In Bezug auf Firmen und Vermögen/Reichtum sagt er deshalb auch: “What most businesses really do is make wealth. They do something people want.”
Interessant sind in diesem Zusammenhang auch seine Ausführungen zur Bezahlung für geleistete Arbeit. Hier sei das Problem, dass in großen Unternehmen nicht festgestellt werden kann, was einzelne Mitarbeiter zum Wertzuwachs beitragen bzw. in wie weit sie für einen Wertzuwachs verantwortlich sind. Dies sei nur in Ausnahmefällen möglich (messbar) – bei Vertriebsmitarbeitern und beim Unternehmensvorstand – oder bei kleinen Unternehmen (Startups). Wenn eine Möglichkeit der “Messung” existiert, dann sieht Graham keine Probleme darin, dass die Gehälter um den Faktor 100 abweichen (vom Unternehmensdurchschnitt). Er führt dazu an, dass auch im alten Rom die Preise für Sklaven je nach Fähigkeiten um den Faktor 50 abgewichen sind (S. 111).
Kapitel 10 – 14 behandelt das Thema Programmiersprachen – mit dem Resumee, dass Java ein toter Pfad der Evolution von Programmiersprachen ist (ein “Neandertaler”), und dass Lisp die mächtigste Programmiersprache ist und sein wird (mit ihren Nachkommen wie z.B. Ruby). Siehe hierzu meine ausführlichen Ausführungen in einem früheren Post.
Kapitel 15 widmet sich schließlich noch dem Thema “Design vs. Research”. Graham zeigt das an dem Beispiel auf, dass er einen neuen Lisp-Dialekt “designed” – nicht aber “research” in Programmiersprachen betreibt. Der Unterschied ist seiner Meinung nach darin, dass man sich beim Design mehr auf den Benutzer konzentriert. Design beginnt mit der Frage, für wen man entwirft und was die Nutzer davon haben. Ein guter Architekt beginnt damit zu klären, was die Benutzer brauchen (nicht was sie wollen!).
Buchkommentar – The Wisdom of Crowds
Im Zusammenhang mit der Diskussion zum Web 2.0 ist auch immer wieder von Crowdsourcing die Rede, also der Idee “Aufgaben innerhalb einer Unternehmung an eine bestimmte / unbestimmte breite Masse von Personen auszulagern, die sich zum größten Teil unentgeltlich einbringen” (Richter/Koch/Krisch 2007).
Folgendes Buch schien mir etwas damit zu tun zu haben: “The Wisdom of Crowds – Why the Many Are Smarter Than the Few” (335 Seiten) von James Surowiecki ;-). Und kurz zusammengefasst kann ich das Buch nur jedem empfehlen, der mehr darüber wissen will, wie Gruppendynamik, Group-Thinking etc. funktioniert. Surowiecki spricht verschiedene Bereiche an, in denen Gruppen zusammen bessere Ergebnisse bringen als Individuen – und thematisiert auch warum es hin und wieder nicht klappt. Neben anderem schreibt er über (Koordination) in Verkehr, (Kooperation) im Sport und in der Wissenschaft, in Unternehmen und in Finanzmärkten.
Überhaupt sind Koordination und Kooperation tragende Themen durch das ganze Buch – und wie Information und Kommunikation sich darauf auswirkt. Ein interessantes Zitat von Surowiecki dazu (S. 137):
Cooperation problems often look something like coordination problems, because in both cases a good solution requires people to take what everyone else is doing into account.
Das klingt doch sehr nach Awareness ;-)
Auch interessant finde ich Surowieckis Aussage zur Nutzung des Potentials der Mitarbeiter in Unternehmen (S. 250):
You do not need a consensus in order, for instance, to tap into the wisdom of a crowd,
Er spielt damit an, dass sich die beteiligten, abgefragten Personen nicht auf eine Antwort einigen müssen – argumentiert sogar, dass es kontraproduktiv ist, wenn man eine Einigung erzwingt.
Schließlich noch eine weitere Aussage des Buches, die mir aufgefallen ist und die ich in diesem “Microcontentmanagement” festhalten möchte (S. 264 aber auch sonst überall):
And coordination and cooperation problems, as we’ve seen throughout this book, are surprisingly susceptible to decentralized solutions. More important, perhaps, is that in many cases the relevant knowledge to deal with a problem is in the heads of the workers dealing with it, not their boss’s. They should have the authority to solve it.
Video: Helpdesk im Mittelalter …
Folgendes Video (Norwegisch mit englischen Untertiteln) berichtet über Probleme, die ein “User” des neuen Mediums “Buch” im Mittelalter hat – und wie ihm geholfen wird. Echt klasse. Vor allem, weil dabei deutlich wird, dass die Nutzungsmetapher des Buches nicht unbedingt intuitiv sein muss …
In dem Zusammenhang fällt mir ein Filmchen über die (Wieder-)Erfindung von Papier und Bleistift als neues Medium ein – Ich finde das ganze aber gerade nicht auf Youtube oder anderen – Kennt irgendwer anderes eine Online-Kopie des ganzen?
Update: Inzwischen habe ich den Film gefunden – siehe dieses Posting auf meinem Blog.
Information, Wissen und Bildung
Die letzten Tage habe ich das Buch “Theorie der Unbildung” von Konrad Paul Liessmann gelesen. Ein echt lesenswertes Essay rund um die Themen Bildung, Bildungspolitik und Bildungsreform (speziell in Hinblick auf die Universitäten). Interessant ist auch Liessmanns Argumentation, dass die heutige “Informationsgesellschaft” eher eine “Desinformationsgesellschaft” ist …
Um seine Argumentation zu stützen geht Liessmann auch auf die Definition der Begriffe “Wissen” und “Information” ein (S27ff). Hierzu ein bisschen mehr.
Sehr schön finde ich die zitierte Definition für “Information” des amerikanischen Systemtheoretikers Gregory Bateson: Information ist “irgendein Unterschied, der bei einem späteren Ereignis einen Unterschied macht” (Gregory Bateson: Ökologie des Geistes. Frankfurt/Main 1983, S. 488). Das erinnert mich stark an die Definition von Shannon – es ist aber viel besser auf die Realität anwendbar. So stellt auch Liessmann aufbauend auf dieser Definition von “Information” die Frage, was von dem, das wir täglich warnehmen (z.B. in den Nachrichten) denn wirklich Information ist, also wirklich geeignet ist, einen “Unterschied bei einem späteren Ereignis” zu machen. Und logisch folgert er, dass fast alles, was wir heute so konsumieren keine Information ist, sondern höchstens Unterhaltung.
Zu “Wissen” schreibt Liessmann, dass es im Gegensatz zur Information nicht eindeutig zweckorientiert sein muss (S. 29). Ob Wissen nützlich ist entscheidet sich nie (selten) im Moment der Aufnahme des Wissens. Ob Wissen nützen kann, ist eine Frage der Situtation in die man gerät – Liessmann nennt dazu auf Seite 29 einige sehr schöne Beispiele. Wie in anderen Definitionen von Wissen unterscheidet Liessmann auch zwischen den Daten, die man im Kopf hat, und dem Wissen, zu dem diese Einzelheiten und Begriffe erst werden, “wenn sie nach logischen und konsistenten Kriterien derart miteinander verknüpft werden können, dass sie einen sinnvollen und überprüfbaren Zusammenhang ergeben”. Liessmann spricht es zwar nicht direkt an, seine Argumentation passt aber zu meiner gerne wiederholten Aussage, dass Wissen eine Problemlösungskompetenz ist, die an einen bestimmten Menschen gebunden ist.
Buchkommentar – Blink
Verfasst von kochm unter Bücher, Social Software am 10.6.2007
Letzte Woche im Zug bin ich mal wieder zum Lesen gekommen – und ganz oben auf meinem Still-To-Read-Stapel lag “Blink – The Power of Thinking Without Thinking” von Malcolm Gladwell.
Auf das Buch gestossen bin ich durch den Autor. Malcolm Gladwell, ein Columnist beim NewYorker, hat ja vor einigen Jahren das in meinen Augen geniale Buch “The Tipping Point” veröffentlicht. In “The Tipping Point” geht er auf die Bedeutung von sozialen Systemen und Netzwerken ein – und präsentiert sowohl für Spezialisten als auch für Laien lesenswert einen Rundumschlag mit vielen kleinen und großen Geschichten. Das Buch sollte eigentlich jeder, der sich mit Sozialen Netzwerken beschäftigt, gelesen haben.
Aber zurück zu “Blink”. In dem Buch wendet sich Gladwell einem anderen Thema zu: der Fähigkeit des Menschen, unterbewusst, in Sekundenbruchteilen, richtige entscheidungen treffen zu können. Wieder präsentiert er einen mit vielen Geschichten gespickten Rundumschlag mit einigen faszinierenden Aussagen. So haben mich insbesondere die Ausführungen darüber fasziniert, wie man die Fähigkeit, unterbewusst zu entscheiden, durch Platzierung von Eindrücken (Schaffung eines unterbewussten Bias) in bestimmte Richtungen beeinflussen kann.
Insgesamt also mal wieder ein sehr lesbares Buch – wenn auch nicht so nah an meinem Hauptarbeitsgebiet dran – in meiner subjektiven Wertung also eindeutig hinter “The Tipping Point” :-)