Archiv für Kategorie Social Software
Strukturierung von Groupware und Social Software
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Groupware, Social Software am 18.2.2010
Wenn über den Nutzen von Groupware und heute vor allem von Social Software gesprochen und geschrieben wird, dann werden immer Klassifizierungen gebraucht, welche die verfügbaren Tools bzw. die in den Tools verfügbaren Funktionalitäten etwas strukturieren und das Feld so übersichtlicher machen. In letzter Zeit sind mir viele dieser Strukturierungen begegnet – bzw. ich habe sie benutzt – Grund genug mal zusammenzufassen und gegenüberzustellen was es da so gibt und was ich als sinnvoll erachte.
Beginnen wir mit Groupware allgemein.
1) Groupware-Dreieck nach Art der Interaktion (nach Teufel 1995) – die drei Ks
- Kommunikation
- Koordination – Unterstützung der Auflösung von Abhängigkeiten (frei nach Malone 1988)
- Kooperation – Gemeinsame Artefakte
2) In der Definition des Feldes Open Research haben wir die drei Dimensionen um eine weitere ergänzt:
- Informationsdistribution
- Kommunikation
- Koordination
- Zusammenarbeit
Grund für die Ergänzung war, dass mit den drei Ks meist direkte Interaktion gemeint ist – es fehlt also eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit / zum Austausch durch indirekte Interaktion – und dafür wurde dann “Informationsdistribution” eingeführt. Natürlich kann man das auch als Kommunikation oder gar als (sehr lose gekoppelte) Zusammenarbeit auf einem gemeinsamen Informationsraum sehen.
3) Social Software-Dreieck
- Inhalte – auch Arbeit an gemeinsamen – aber eher jeder trägt unabhängig etwas zu Inhalten bei
- Kommunikation
- Identität
Hier vereinigen sich also Informationsdistribution, Koordination und Zusammenarbeit zu “Inhalten” und es wird die Identität (also die Selbstdarstellung) ergänzt – dem Fokus auf die Personen in erfolgreicher Zusammenarbeit folgend.
Während die drei Kategorisierungen helfen zu sehen, was möglich bzw. wichtig ist, helfen sie oft nicht besonders dabei konkrete Werkzeuge einzuordnen / auszuwählen. Das zeigt sich auch in der Darstellung: zumindest die dreier-Klassifizierungen werden meist als Dreieck mit jeweils einer Ausprägung pro Ecke dargestellt – Werkzeuge werden dann irgendwo im Dreieck platziert. Um eine konkretere Einordnung zu erlauben wurden verschiedene funktionale Klassifikationen für Groupware vorgestellt, z.B. von (Borghoff und Schlichter 2000). Ein Beispiel einer solchen Klassifikation ist die von (Gross und Koch 2008):
4) Funktionale Klassifikation für Groupware (Gross und Koch 2008):
- Awarenessunterstützung
- Kommunikationsunterstützung
- Koordinationsunterstützung
- Teamunterstützung – Fokus auf gemeinsame Informationsräume und Dokumente (Gruppeneditoren) (direkte Kommunikation)
- Communityunterstützung – Fokus auf Finden von Personen und Information (indirekte Kommunikation)
5) Ich selber verwende in meiner CSCW-Vorlesung aktuell zusätzlich noch folgende Klassifizierung für den Bereich von Groupware bis hin zu Social Software
- E-Mail + Gruppenkalender
- Teamräume – Dokumente sind nur Black Box
- Gemeinsame Informationsräume, Gruppeneditoren – Auch Delicious, YouTube, Wikipedia etc.
- Kommunikationsorientierte gem. Informationsräume / Kommunikationsräume – Foren, Mailinglisten + Archiv, Blogs (Mehrzahl!)
- Awarenessdienste / Social Networking Services – Fließender Übergang von kommunikationsorientierten gemeinsamen Informationsräumen (z.B. Microblogging)
- Synchrone Kommunikationsdienste (Text/Audio/Videokonferenzen)
- Meeting-Support / Group-Decission-Support (GDSS)
- Koordinationsdienste – Gruppenkalender et al., Umlaufmappen, Workflow, …
Kollaborative Literaturverwaltung
Verfasst von kochm unter Social Software, Universität am 26.7.2009
Literaturverwaltung, d.h. das Erfassen und Annotieren von Referenzen zu einem Gebiet, ist eine wichtige Aktivität im Rahmen wissenschaftlicher Arbeit. Dabei wird oft auf Desktop-Lösungen wie z.B. Endnote zurückgegriffen. Man kann damit sehr schön für sich selbst Informationen zu Litaraturreferenzen erfassen, Notizen dazu machen, eventuell sogar PDF-Dateien speichern und Literaturverzeichnisse generieren.
Was aber nicht geht ist die Zusammenarbeit – weder als enge Zusammenarbeit, d.h. gemeinsam ein Buch schreiben und die Literatur dazu parallel erfassen – wir haben das mal mit Endnote und Kopien von Datenbanken versucht – geht aber nicht wirklich gut – und schon gar nicht lose Zusammenarbeit, d.h. Information darüber, was Kollegen so lesen, das gemeinsame Erschließen von Literatur zu einem Thema, das Austauschen von Literatur(-referenzen).
Es gibt nun ein paar Web-basierte Lösungen, die beide Ziele integrieren. Die bekanntesten sind CiteULike und Bibsonomy. Ich habe vor zwei Jahren schon mal einen Beitrag zu diesem Thema geschrieben.
Folgender aktueller Open Access Artikel beschreibt verschiedene Dienste etwas näher: http://www.ploscompbiol.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pcbi.1\
000204
Ich möchte hier aber einen dritten aufstrebenden Dienst vorstellen, mit dem wir gerade einige gute Erfahrungen gemacht haben: mendeley.com.
Was kann Mendeley:
- Desktop-Client, mit dem ich Literatur und Kommentare sowie PDFs erfassen kann und Literaturverzeichnisse für Word etc erstellen kann (also wie Endnote)
- Synchronisation der Daten mit einem zentralen Server – d.h. Zugriff von überall her über Web-Schnittstelle, Synchronisation auf verschiedene Rechner
- Selektive Veröffentlichung der Daten auf der Web-Plattform – z.B. eigenes Literaturverzeichnis oder Readinglisten für alle (unter einer URL zugänglich) – z.B. meine “public
collection” zu CSCW oder meine Publikationen - Definition von Gruppen – D.h. Gruppe von Personen kann gemeinsam an einer Sammlung von Referenzen arbeiten und hat Zugriff auf PDFs und Kommentare aller
Wir nutzen Mendeley aktuell z.B. für folgende Szenarien:
1) “Normale/Individuelle Wissenschaftliche Arbeit”:
Erfassung und Verwaltung der Referenzen für die eigene wissenschaftliche Arbeit mit dem Offline-Client.
2) Eigene Veröffentlichungen:
Grundidee:
- Auf Website wird auf öffentliche Liste verwiesen / eingebunden
- D.h. ich muss website nicht mehr pflegen, schiebe nur auf meinem Client eine Veröffentlichung in den Ordner und sie erscheint sofort da wo sie soll
Aktuell geht das mit Mendeley “nur” als öffentliche Literaturliste wie meine “public collection” zu CSCW. Sobald Mendeley RSS/JSON Feeds anbietet (ist angekündigt), dann sind Lösungen möglich wie wir sie aktuell mit Bibsonomy realisieren: Interaktiv durchsuchbare Liste der Veröffentlichungen der Forschungsgruppe CSCM.
3) Projekt
- Einrichten einer “shared group” für Projekt – Teilnehmer direkt einladen
- relevante veröffentlichungen von privater bibliothek direkt da rein kopieren (Drag and Drop)
- damit stehen die (und auch die PDFs) allen zur Verfügung und können von allen annotiert und getagged werden
4) Diplomarbeiten – spezielle Form eines Projektes
Wir nutzen 3) gerade viel in Diplomarbeiten. Zuerst zur schnellen Bereitstellung der Einstiegsliteratur – einfach von Gruppe für Diplomarbeit anlegen, Diplomanden einladen und Literaturreferenzen (mit PDFs) aus eigener Bibliothek in die Gruppe ziehen. Dann kann der
Diplomand seine Literaturverwaltung mit Mendeley machen und über die Gruppe zurückkommunizieren, was er gefunden hat. Damit kann dann auch die von Diplomanden gefundene Literatur einfach in die eigene Literaturliste zurückgeführt werden.
Hat noch jemand andere Nutzungsszenarien ausprobiert / Erfahrungen
mit Werkzeugen zur Literaturverwaltung gesammelt?
Erfolgsindikatoren für Enterprise 2.0 Einführung
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Fragen, Social Software, Web 2.0 am 18.2.2009
In letzter Zeit wird viel über den ROI von Enterprise 2.0 oder allgemein von Kooperation geschrieben (z.B. NeubibergBlog, Headshift, Enterprise2Open) – … und auch ich bin gestern wieder in eine Diskussion gestolpert, in der zwar nicht explizit über ROI gesprochen wurde, aber doch über Kennzahlen, die man erheben könnte um den Erfolg einer Enterprise 2.0-Einführung zu dokumentieren. Auch hierzu gibt es natürlich schon einiges, wie z.B. zum Erfolg von Weblogs.
Angeregt durch die angesprochene Diskussion bin ich mal in mich gegangen und habe aufgestellt, was ich schon alles zum Thema Erfolgsindikatoren für Enterprise 2.0-Einführungen gesehen/gelesen habe – vielleicht ist das ja für den ein oder anderen von Interesse …
- Änderung in Kommunikationsverhalten (weniger E-Mails, weniger CC-E-Mails, weniger For-Your-Interest-Mails, …)
- Menge an gesammelten Material (Anzahl Blogposts, Wiki-Seiten)
- Aktivität der Mitarbeiter / Grad der Beteiligung (wie viele tragen aktiv was bei)
- Grad der Beiteiligung (Anzahl Leute) an einzelnen Dokumenten / Entscheidungen
- Vernetzung der Mitarbeiter / Anzahl der Kommunikationspartner
- allgemeine Mitarbeiterzufriedenheit (in verschiedenen Kriterien, Balanced Scorecard)
Fehlt noch was?
Btw: Gibt es eigentlich schon irgendwo eine Enterprise 2.0 Balanced Scrorecard? Bei meinen spontanen Google-Recherchen bin ich nur auf die Arbeiten zu Nutzenbewertung bei Corporate Blogs gestossen.
Erfolgsfaktoren für ein kollaboratives Intranet
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Social Software am 25.11.2008
Wir arbeiten zwar auch in dem Bereich “Erfolgsfaktoren für Social Software in Unternehmen”, heute aber nicht zu unserer Arbeit, sondern zu der einer interessanten schweizer Firma in dem Bereich – Namics.
Auf dem Blog von Namics finden sich immer wieder interessante Berichte rund um deren Beratungs- und Umsetzungsgeschäft. So auch heute wieder mit dem Post “Erfolgsfaktoren für Intranet-Wikis in Unternehmen”.
Erfolgsfaktoren für kollaborative Intranets:
1. Kein Mikro-Management aber Spielregeln
2. Transparenz aktiv fördern
3. Konfliktlösung nicht im selben Medium
4. Ergebnis immer über Hierarchie stellen
5. Kulturwandel vorleben
6. Verschiedene Rollen, gleich wertgeschätzt
7. The Importance of Having Users
Im Blog-Post wird auch auf eine ausführlicher Präsentation zum Thema verwiesen.
Buchkommentar – Enterprise 2.0 Implementation
Verfasst von kochm unter Bücher, Enterprise 2.0, Social Software am 14.11.2008
Ich weiss nicht mehr, wie ich darauf gestossen bin – vielleicht war es der Titel des Buches oder das schöne grüne Cover? – auf jeden Fall habe ich mir neulich bei Amazon Enterprise 2.0 Implementation von Aron C. Newman und Jeremy G. Thomas bestellt.
Kurzkommentar nach dem Lesen: Endlich mal (wieder) ein gutes Buch zum Thema Enterprise 2.0.
Aber jetzt noch ein paar mehr Details.
Das Buch ist sehr flüssig zu lesen und mit vielen Beispielen (Fallstudien) durchsetzt. Dabei merkt man, dass die Autoren Praktiker sind und wohl schon das eine oder andere Einführungsprojekt durchgezogen haben.
So behandeln die Autoren nicht nur die technischen Konzepte und Anwendungsklassen, sondern gehen auch auf Aspekte wie ROI (mit einer sehr schönen Fallstudie) und Management von Enterprise 2.0 ein.
Im Abschnitt “Implementing Enterprise 2.0 Technologies” verfolgen die Autoren eine sehr interessante Gliederung:
- Enabling Discovery
- Implementing Signals and Syndication
- Implementing Wikis
- Implementing Blogs
- Building Mashup Capabilities
- Rich Internet Applications
- Implementing Social Networking
Spannend finde ich dabei vor allem den ersten Punkt (Enabling Discovery). Die Autoren argumentieren dabei, dass grundlegend für den Erfolg von E2.0-Anwendung/Konzepten die Möglichkeit Inhalte einfach (eventuell auch ungeplant) finden zu können ist. Sie geben dazu auch ein paar einfache Einstiegsaktivitäten an:
- Phase 1: Install Search Engine, Index Internal HTML Documents, Index File Share
- Phase 2: Customize Search UI, Integrate Social Bookmarks, Incorporate Social Statistics, Evangelize to Other Departments
Enterprise 2.0 Forum – Teil 2
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Social Software am 18.9.2008
Dies ist der zweite Teil meines Berichts zum Enterprise 2.0 Forum – hier der erste Teil.
Ein paar Ideen aus / Gedanken zum Vortrag von J. P. Rangaswami von British Telecom:
- Nicht nur über die Kosten der Erstellung nachdenken, sondern auch über die Kosten der Pflege bzw. wie der Referenz sich ausdrückt: “repair” (transmission costs, reproduction costs, …) – das kann auch ein gutes Argument für einen Umstieg sein (Senkung der Pflege/repair-Kosten)
- Kürzeste Definition/Charakterisierung für Web 2.0: “Read/Write ability at the edge”
- Unterschied zwischen (grossen) Unternehmen und Freiberuflern wird kleiner (bzw. Vorteile großer Unternehmen werden kleiner) in der Internet-basierten globalisierten Welt
- Er hat ein sehr schönes Dokument aus den 1930ern gezeigt, in dem beschrieben war, wie man als Mitarbeiter eines Unternehmens das Unternehmen sabotieren kann (als Anleitung für Spione/Saboteure) – und darauf hingewiesen, dass vielen der Vorschläge aus diesem Dokument heute in Unternehmen an der Tagesordnung/”Best Practices” sind – und dass die neue Einstellung (Web 2.0) helfen kann und wird das zu ändern – hier das Dokument in seinem Blog
- Zum Einsatz von Open Source (Software): Wenn die Aufgabe generisch ist, dann ist es eine gute Wahl, wenn nicht (also Problem spezifisch für Domäne oder Unternehmen), dann ist es besser sich im kommerziellen Umfeld umzusehen (einfache Überlegung: Motivation – die Open Source Community hat selten Motivation sich um Probleme kleiner Untergruppen zu kümmern)
Ein Bericht dazu auch von Suw Charman-Anderson sowie ein Bericht dazu in June Brenners Blog.
Als nächstes berichtete Alexander Warta von Bosch zu deren Wiki-Einführung. Hier ein paar ungeordnete Gedanken zu und aus der Präsentation:
- Confluence Wiki im SAP NetWeaver Portal
- Juni 2008: 505 Wikis, 17.554 Seiten, 33.728 registrierte Benutzer
- Nutzungsvarianten für das Wiki
- Plattform, um gemeinsames Verständnis für neue Themen zu entwickeln, eine gemeinsame Sprache zu finden
- Plattform für internationalen Erfahrungsaustausch von Experten
- Bereitstellung und Weiterentwicklung von Schulungsunterlagen
- Fehlerverfolgung von angewandter Software
- FAQs / Glossare
- Expert Debriefing
- Kulturelle Autauschplattform für Mitarbeiter-Auslandseinsätze
- Personal Information Management – elektronisches Notizbuch
- Problem: Nutzung eines Wikis als DMS-light (wenn es zu einfach ist (nicht-Bild-)Anhänge hoch zu laden)
Enterprise 2.0 Forum
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Social Software am 18.9.2008
Heute (18.9.2008) bin ich auf dem Enterprise 2.0 Forum in Köln eingeladen.
Das Form begann mit einer Präsentation von Suw Charman-Anderson – vielleicht dem einen oder anderen von ihrem genialen Beitrag “Mollys geheimes Tagebuch” im Buch “Enterprise 2.0 – Die Kunst loszulassen” bekannt – eine sehr schöne Darstellung der Herausforderungen bei der Einführung von Wikis in Unternehmen – in einer ganz unüblichen Form …
Ein paar Gedanken aus Suws Präsentation:
- Schwierigkeit mit Social Media: It is elective software – people do not have to use it – it is replacing other forms – people can easily choose not to use it – so one has to think in some details of how to introduce social media in the enterprise
- Die Einführung ist also immer dann schwierig wenn die Nutzer eine Wahl haben
- Netter Vergleich: Einführung von Social Software wie das Trainieren einer Katze – man braucht Geduld, die richtigen Methoden und muss die Welt aus der Sicht der Katze sehen …
- Wichtig: Nicht die Welt verbessern sondern darüber nachdenken “how to help people getting their jobs done”
- Barrieren
- fear of humilitation
- disconfort with the written word
- need explcit permission
- don’t trust the tools (“people are all scared deleting the Internet / Intranet …”)
- don’t see the point
Es folgten viele gute Tipps und Vorschläge, wie man die Probleme konkret angehen kann.
U.a. zu Training:
- informal
- focused on user’s direct needs – “people are not keen on reading manuals”, training based around the tasks people are doing not around how the software is created
- face-to-face (short, practical sessions)
- online (visual, textual)
… und zu Support:
- ad hoc – when users need it
- syncronous (IM, chat, phone)
- asynchronous (wiki, blog, screencasts, video)
- decentralised and self-supporting
Insgesamt also eine klasse Einführung.
Über die anderen Vorträge in weiteren Beiträgen hier – oder in anderen Blogs, die über die Veranstaltung berichten, z.B. June Brenners Blog – hier der Einstiegsbeitrag zum Forum.
Update: Andere Berichte zum Forum
Triple-I – Wikis in Global Businesses
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Konferenz, Social Software, Web 2.0 am 4.9.2008
Ich bin aktuell auf der Triple-I Konferenz in Graz. Die Konferenz hat gestern schon begonnen – ein paar Berichte zu dem was gestern los war sind auf dem Blog von Dennis Busch zu finden.
Aktuell spricht gerade Peter Kemper von Shell über “Wikis in Global Businesses”. Es geht um die Wiki-Einführung bei Shell. Sie haben 2006 begonnen auf der Basis von MediaWiki eine Plattform aufzusetzen und mit vier verschiedenen Use Cases durchgespielt. 2007 war das ganze dann für das ganze Unternehmen verfügbar (mit Single Sign On etc). Ein Grund für die Entscheidung für MediaWiki war die bewiesene Skalierbarkeit.
Interessant: Das Projekt ging weder vom IT-Department aus noch wurde des vom IT-Department getrieben.
Einführung:
- Champions, No Brainers, Natural Users
- Visionary Leaders
- Doing the same with improved productivity
- Shifting limitations
Change Management:
- no big launch, newletters every month to all registered users
- robust “existing” content services
- back-office for more difficult wiki aspects (gardening, pictures, tables)
- minimal training, but string support driven communication
- smart marketing
- voluntary participation
- silent migration rom intranet content
- “different control instead of no control”
Ganz interessant hier das “back office” – das hilft Bilder hochzuladen etc …
Über die Statistiken und Umfragen sowie Interviews hat Shell versucht mehr über die Nutzer und die Nutzung herauszubekommen und damit auch zu lernen wie man die Nutzer zu bessere Beteiligung motivieren kann. Es wurden/werden drei Rollen unterschieden: information owners, editors, information consumers. Eine der Erkenntnisse war, dass die “information owners” oft zu wenig über die “information consumers” wissen um das richtige Material einzustellen und weiterzuentwickeln.
Andere interessante Details:
- kein anonymer Zugriff – Transparenz ist sehr wichtig bei Änderung von Inhalten
- Ein Problem, das von Wiki gelöst wird: Seit E-Mail und Powerpoint immer weiter verbreitet sind, kommen kaum mehr (formale) Berichte in die Archive – damit wird Wissen nicht mehr zentral verfügbar gemacht – das Wiki schafft es hier wieder etwas “zentrale Verfügbarkeit” zu schaffen
- Active Users (editors) (09/2008): 4.000
- Registered Users (09/2008): 40.000
- Articles (09/2008): 23.000
- Interessant zu den Zahlen: Während Anzahl der Artikel und der registrierten Benutzer kontinuierlich gestiegen sind, blieb die Zahl der aktiven Benutzer über die letzte Zeit mehr oder weniger gleich
- “Wiki is another system” (ersetzt also nicht die vorhandenen CMS, Intranet) – allerdings wurden einige Inhalte vom Intranet/CMS auf das Wiki verschoben (auch um die Leute auf das Wiki zu bekommen) – langfristig soll/wird das Intranet wohl mehr und mehr des langfristigen Contents verlieren – aber immer für Navigation/Struktur/kurzfristigen Content bleiben
What’s next:
- the interview round identified causes where people connected but did not remember
- survey needs to be repeated for trend analysis
- (social network) visualization tools are needed
Das Thema (Wikis in Organisationen) ist allgemein von großem Interesse hier auf der Triple-I. So habe ich gestern nach meiner Präsentation im Professors4Industry Track interessante Gespräche mit verschiedenen IT-/Kommunikationsverantwortlichen geführt, die Wikis eingeführt haben oder dieses planen. Z.B. Xing (internes Wiki), Fraport, reinisch, occar, …
Serena Enterprise Facebook
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Social Software am 18.7.2008
In einem aktuellen Beitrag in seinem Blog dokumentiert Andrew McAfee das Beispiel der Nutzung von Facebook als Intranet und SNS bei der Firma Serena in Form einer Fallstudie.
Mal abgesehen davon, dass ihm damit insgesamt eine gut strukturierte Enterprise 2.0-Fallstudie gelungen ist (ich habe sie deshalb natürlich auch gleich in unsere Fallstudiensammlung aufgenommen), beinhaltet der Text gleich ein paar Aussagen, die zur Diskussion anregen – Hier ein paar Kommentare und Zitate dazu:
Ein Vorteil der Nutzung eines offenen SNS sei “our employees can easily get involved in pushing it out to their Facebook friends, if they want to.” – D.h. die Firmenangehörigen können sehr leicht für die Firma werben und werden so viel leichter zu Fürsprechern der Firma.
“it’s quite addictive for those of us who use it often”
Konzept zur Einführung: “take an hour off of your day on Firday toupdate your profile” – und das organisiert für die ganze Firma (850 Angestellte in 18 Ländern). Am ersten “Facebook Friday” schaffte es Serena innerhalb von 24 Stunden Profile von über 50% der Mitarbeiter zu bekommen.
Im Zusammenhang mit Motivation sind auch die Beispiele interessant, in denen Mitarbeiter, die bisher noch nicht in offenen SNS aktiv waren, durch das Firmen-getriebene Engagement auch private Nutzungsmöglichkeiten gefunden haben:
One person just told me yesterday how excited he was to have found a childhood friend on Facebook who now lives in Turkey. He is planning to visit his friend on his next vacation. Other employees have been pleasantly surprised at how it helps them interact with their children better. Our Head of HR in Europe uses Facebook to communicate with her daughter.
Insgesamt also sehr lesenswert …
scholarz.net-Präsentation@UniBwM
Verfasst von kochm unter Science 2.0, Social Software am 9.7.2008
Wie angekündigt war heute Daniel Koch, der Projektleiter von scholarz.net an der UniBwM um die Plattform und die Aktivitäten zu präsentieren.
Ich fand die Präsentation sehr interessant. Vor allem kam für mich dabei heraus, dass der Fokus (und die Herkunft) von scholarz.net eindeutig bei der Unterstützung des Wissensmanagements beim wissenschaftlichen Arbeiten liegt. Deshalb ist der Hauptteil der Plattform auch eine Verwaltung von Notizen zu Projekten, Quellen (sources) und Keywords. Und hier bietet die Plattform einige sehr innovative und nützliche Funktionen.
Der Social-Networking-Service-Aspekt steht eher im Hintergrund. Daniel Koch führte zwar aus, dass ein wichtiger Motivator ihrer Plattform war, dass es keine (zentrale) Stelle gibt, an/auf der man sich als Wissenschaftler präsentieren kann (mit Veröffentlichungen etc) – und dass scholarz.net das leisten will (mit einem auf Wissenschaftler abgestimmten Personenprofil), das ganze ist aber noch sehr “halbherzig”. So stiess mein Einwurf, dass SNS mehr als Finden und Präsentieren leisten, dass nach unserer Studie die meist geschätzte Funktionalität das “in Kontakt bleiben”/”informiert bleiben” sei auf grosses Interesse – und die Anregung eines Awareness-Feeds zu wissenschaftlichen Aktivitäten seines Netzwerkes wurde als tolle (neue) Idee aufgenommen ;-)
Leider ist die SNS-Funktionalität momentan sehr “monolitisch”. Man kann zwar Veröffentlichungen importieren und notfalls auch wieder exportieren, es ist aber (noch) keine Integration in Portale von Universitäten oder mit anderen Social Software Plattformen vorgesehen. Das wäre aber meiner Meinung nach unbedingt notwendig um das Ganze zum Fliegen zu bringen.
Interessant am Rande: Die Plattform ist mit Ruby and Rails entwickelt – von einem Team von vier Personen – im Rahmen eines Forschungsprojektes, das noch bis Ende 2008 läuft. Für die Zeit danach wird momentan ein Weg zur Weiterführung gesucht.