Archiv für Kategorie Enterprise 2.0
KnowTech 2008 – Teil 2
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Konferenz am 8.10.2008
Dies ist die Fortsetzung meines Berichts von der KnowTech 2008.
Wie vorher schon eine unvollständige, ausschnittsweise Wiedergabe von Zitaten und Gedanken dazu.
Karl-Josef Arenz (itelligence AG) und Ina Finke (FhG IPK) berichten über Aktivitäten zur Einführung/Verbesserung des Wissensmanagement bei intelligence. Interessant daran fand ich vor allem den Fragebogen, den sie am Anfang des Projektes für die Mitarbeiter rausgegeben haben. Ziel war dabei sowohl etwas herauszufinden als auch eine Awareness bei den Mitarbeitern zu schaffen. Dabei wurde u.a. gefragt, welches Wissen/Fähigkeiten für die Arbeit gebraucht werden, in wie weit dieses Wissen vorhanden ist, und in welcher Form (Dokumente, Köpfe, …) es vorliegt.
Markus Hainzel und Sabina Erni von PwC Schweiz berichteten über die Yellow Pages Lösung, die bei PwC Schweiz 2008 realisiert wurde.
- Ziel war die Bereitstellung einer Wissenslandkarte
- Beobachtung: Viele Mitarbeiter sind bei Xing registriert und suchen/finden sich darüber
- Mit Firma finebrain AG aus Basel wurde eine spezielle YP-Lösung für PwC Schweiz (etwa 2500 Mitarbeiter) geschaffen
- Profile können selbst gepflegt werden
- Für Expertisen/Attribute ist eine Taxonomie vorgegeben, Freitexteingaben sind möglich
- Es gibt eine schöne graphische Darstellung (als bipartiter Graph – Expertisen und Personen)
- Gute Diskussion zu den vier Generationen, die es im Unternehmen gibt (und deren Auswirkung auf die Einführung/den Erfolg einer solchen Lösung): Traditionalisten, Boomers, Y-Generation, X-Generation (sehr schöne Folie mit den unterschiedlichen Charakteristika)
Markus Rieger und Kollege von Hyve trugen zu “Wissens- und Ideenmanagement im Zeitalter des Web 2.0″ vor. Hauptteil der Präsentation waren einige interessante Beispiele von externen Ideenwettbewerben mit der IdeaNet-Plattform. Davor hat Herr Rieger noch ein paar “Basics” dazu ausgeführt, wo/wie Web 2.0 Technologien für Ideenmanagement eingesetzt werden können:
Allgemeine Vorteile/Möglichkeiten:
- Wiki-Prinzip
- Vernetzung
- Bewertung
- Look and Feel
Konkrete Funktionen (die damit umgesetzt werden können):
- Kollaborative Ideengenerierung
- Ideen-Exploration (Verlinkung von Ideen, Verlinkung mit Personen, Tag-Cloud, …)
- Bewertungsstrategien
- Community-Funktionen (komplettes Spektrum von SNS – von Awareness-Feeds bis zu direkter Kommunikation)
KnowTech 2008
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Konferenz am 8.10.2008
Heute und morgen bin ich auf dem Praxisforum KnowTech 2008 in Frankfurt. Hier und in folgenden Posts ein paar Notizen und Gedanken zu dem was ich hier gehört habe.
Zuerst eine allgemeine Feststellung vorne weg: Die KnowTech findet schon seit einigen Jahren statt – Wenn man sich das Programm von diesem Jahr anschaut, dann findet man bei fast jedem zweiten Vortrag irgendwo das “2.0″ – es zeigt sich also deutlich, dass das Web 2.0 / Enterprise 2.0 das Wissensmanagement erreicht oder ersetzt hat. So sind auch alle “Big-Player” aus dem Enterprise 2.0 und Innovations-Umfeld hier: IBM, CoreMedia, Hyve (;-)), … Auch die Zahl der Besucher/Teilnehmer ist dieses Jahr mit 500 höher als jemals zuvor.
Bernhard Beck, EnBW
- Keynote mit dem Titel “Wissen macht glücklich” (kein “2.0″!!!!)
- “Entscheidungen sind hierarchiebezogen” aber “Wissen ist hierarchielos” … das stellt eine Herausforderung dar
Said Zahedani, Microsoft
- Berichtete über Social Computing (=Web 2.0 im Unternehmen nach aussen und nach innen – letzteres aka Enterprise 2.0)
- Insbesondere ist er auf den Zusammenhang zwischen Social Computing und “The Cloud” eingegangen
- und hat ein neues Produkt von Microsoft vorgestellt: Live Mesch (www.mesch.com) – Ein sehr spannender Dienst, mit dem man quasi transparent von verschiedenen Geräten aus auf “die Cloud” zugreifen kann und damit Daten austauschen kann
Markus Bentele (Rheinmetall AG) und Frank Swatzke (IBM)
- Titel der Präsentation: “Collaboration 2.0″ – Unified Communications and Collaboration (UC2)
- Ein schönes Beispiel: Kevin (8 Jahre alt) ist schon ein großer Computer-Spezialist und Web 2.0-Nutzer – und experimentiert da sehr viel – und hat auch schon versehentlich die Festplatte des Vaters gelöscht – Damit müssen (laut Herrn Swatzke) auch Unternehmen umgehen lernen – mit dem “Ups ich habe die Festplatte gelöscht …”
- Beispielprojekt bei Rheinmetall
- Lotus Sametime, Lotus Quickr, Lotus Connections (1.0), OmniFind, Integration von allem mit verschiedenen Groupware (Mail/Kalender)-Lösungen innerhalb des SAP-Intranet-Portals
- Vier Generationen müssen wertschöpfend zusammenarbeiten / zusammen eingesetzt werden können: Papier, E-Mail, Foren, Blogs/Wikis
Soweit die Keynotes (die mir berichtenswert erschienen).
E-Mail-Nutzung und Enterprise 2.0
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Fundgrube, Groupware am 18.9.2008
Im Zusammenhang mit Enterprise 2.0 wird häufig und gerne argumentiert, dass ein wichtiges Potential von Wikis und Blogs darin liegt die Zahl der E-Mails zu reduzieren.
Suw Charman-Anderson hat im Guardian einen sehr interessanten Übersichtsbeitrag zur E-Mail-Nutzung veröffentlicht.
Interessant ist zum Beispiel:
(…) It had been assumed that email doesn’t cause interruptions because the recipient chooses when to check for and respond to email. But Jackson found that people tend to respond to email as it arrives, taking an average of only one minute and 44 seconds to act upon a new email notification; 70% of alerts got a reaction within six seconds. That’s faster than letting the phone ring three times. (…)
Nur gut, dass mein Mail-Client nur alle viertel Stunde beim Server nachfragt ob was Neues da ist ;-)
Bezüglich einer Verbesserung der Situation durch Blogs/Wikis/RSS frage ich mich allerdings ob wir hier nicht den Teufel mit dem Belzebub austreiben – So bieten beispielsweise einige in E-Mail-Clients integrierte RSS-Reader an, neue Einträge in RSS-Feeds in der Inbox darzustellen … Genauso wie bei E-Mail ist also bei der Nutzung anderer Notifikationsmechanismen eine gewisse Selbstdisziplin gefragt.
Enterprise 2.0 Forum – Teil 2
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Social Software am 18.9.2008
Dies ist der zweite Teil meines Berichts zum Enterprise 2.0 Forum – hier der erste Teil.
Ein paar Ideen aus / Gedanken zum Vortrag von J. P. Rangaswami von British Telecom:
- Nicht nur über die Kosten der Erstellung nachdenken, sondern auch über die Kosten der Pflege bzw. wie der Referenz sich ausdrückt: “repair” (transmission costs, reproduction costs, …) – das kann auch ein gutes Argument für einen Umstieg sein (Senkung der Pflege/repair-Kosten)
- Kürzeste Definition/Charakterisierung für Web 2.0: “Read/Write ability at the edge”
- Unterschied zwischen (grossen) Unternehmen und Freiberuflern wird kleiner (bzw. Vorteile großer Unternehmen werden kleiner) in der Internet-basierten globalisierten Welt
- Er hat ein sehr schönes Dokument aus den 1930ern gezeigt, in dem beschrieben war, wie man als Mitarbeiter eines Unternehmens das Unternehmen sabotieren kann (als Anleitung für Spione/Saboteure) – und darauf hingewiesen, dass vielen der Vorschläge aus diesem Dokument heute in Unternehmen an der Tagesordnung/”Best Practices” sind – und dass die neue Einstellung (Web 2.0) helfen kann und wird das zu ändern – hier das Dokument in seinem Blog
- Zum Einsatz von Open Source (Software): Wenn die Aufgabe generisch ist, dann ist es eine gute Wahl, wenn nicht (also Problem spezifisch für Domäne oder Unternehmen), dann ist es besser sich im kommerziellen Umfeld umzusehen (einfache Überlegung: Motivation – die Open Source Community hat selten Motivation sich um Probleme kleiner Untergruppen zu kümmern)
Ein Bericht dazu auch von Suw Charman-Anderson sowie ein Bericht dazu in June Brenners Blog.
Als nächstes berichtete Alexander Warta von Bosch zu deren Wiki-Einführung. Hier ein paar ungeordnete Gedanken zu und aus der Präsentation:
- Confluence Wiki im SAP NetWeaver Portal
- Juni 2008: 505 Wikis, 17.554 Seiten, 33.728 registrierte Benutzer
- Nutzungsvarianten für das Wiki
- Plattform, um gemeinsames Verständnis für neue Themen zu entwickeln, eine gemeinsame Sprache zu finden
- Plattform für internationalen Erfahrungsaustausch von Experten
- Bereitstellung und Weiterentwicklung von Schulungsunterlagen
- Fehlerverfolgung von angewandter Software
- FAQs / Glossare
- Expert Debriefing
- Kulturelle Autauschplattform für Mitarbeiter-Auslandseinsätze
- Personal Information Management – elektronisches Notizbuch
- Problem: Nutzung eines Wikis als DMS-light (wenn es zu einfach ist (nicht-Bild-)Anhänge hoch zu laden)
Enterprise 2.0 Forum
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Social Software am 18.9.2008
Heute (18.9.2008) bin ich auf dem Enterprise 2.0 Forum in Köln eingeladen.
Das Form begann mit einer Präsentation von Suw Charman-Anderson – vielleicht dem einen oder anderen von ihrem genialen Beitrag “Mollys geheimes Tagebuch” im Buch “Enterprise 2.0 – Die Kunst loszulassen” bekannt – eine sehr schöne Darstellung der Herausforderungen bei der Einführung von Wikis in Unternehmen – in einer ganz unüblichen Form …
Ein paar Gedanken aus Suws Präsentation:
- Schwierigkeit mit Social Media: It is elective software – people do not have to use it – it is replacing other forms – people can easily choose not to use it – so one has to think in some details of how to introduce social media in the enterprise
- Die Einführung ist also immer dann schwierig wenn die Nutzer eine Wahl haben
- Netter Vergleich: Einführung von Social Software wie das Trainieren einer Katze – man braucht Geduld, die richtigen Methoden und muss die Welt aus der Sicht der Katze sehen …
- Wichtig: Nicht die Welt verbessern sondern darüber nachdenken “how to help people getting their jobs done”
- Barrieren
- fear of humilitation
- disconfort with the written word
- need explcit permission
- don’t trust the tools (“people are all scared deleting the Internet / Intranet …”)
- don’t see the point
Es folgten viele gute Tipps und Vorschläge, wie man die Probleme konkret angehen kann.
U.a. zu Training:
- informal
- focused on user’s direct needs – “people are not keen on reading manuals”, training based around the tasks people are doing not around how the software is created
- face-to-face (short, practical sessions)
- online (visual, textual)
… und zu Support:
- ad hoc – when users need it
- syncronous (IM, chat, phone)
- asynchronous (wiki, blog, screencasts, video)
- decentralised and self-supporting
Insgesamt also eine klasse Einführung.
Über die anderen Vorträge in weiteren Beiträgen hier – oder in anderen Blogs, die über die Veranstaltung berichten, z.B. June Brenners Blog – hier der Einstiegsbeitrag zum Forum.
Update: Andere Berichte zum Forum
Triple-I – Wikis in Global Businesses
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Konferenz, Social Software, Web 2.0 am 4.9.2008
Ich bin aktuell auf der Triple-I Konferenz in Graz. Die Konferenz hat gestern schon begonnen – ein paar Berichte zu dem was gestern los war sind auf dem Blog von Dennis Busch zu finden.
Aktuell spricht gerade Peter Kemper von Shell über “Wikis in Global Businesses”. Es geht um die Wiki-Einführung bei Shell. Sie haben 2006 begonnen auf der Basis von MediaWiki eine Plattform aufzusetzen und mit vier verschiedenen Use Cases durchgespielt. 2007 war das ganze dann für das ganze Unternehmen verfügbar (mit Single Sign On etc). Ein Grund für die Entscheidung für MediaWiki war die bewiesene Skalierbarkeit.
Interessant: Das Projekt ging weder vom IT-Department aus noch wurde des vom IT-Department getrieben.
Einführung:
- Champions, No Brainers, Natural Users
- Visionary Leaders
- Doing the same with improved productivity
- Shifting limitations
Change Management:
- no big launch, newletters every month to all registered users
- robust “existing” content services
- back-office for more difficult wiki aspects (gardening, pictures, tables)
- minimal training, but string support driven communication
- smart marketing
- voluntary participation
- silent migration rom intranet content
- “different control instead of no control”
Ganz interessant hier das “back office” – das hilft Bilder hochzuladen etc …
Über die Statistiken und Umfragen sowie Interviews hat Shell versucht mehr über die Nutzer und die Nutzung herauszubekommen und damit auch zu lernen wie man die Nutzer zu bessere Beteiligung motivieren kann. Es wurden/werden drei Rollen unterschieden: information owners, editors, information consumers. Eine der Erkenntnisse war, dass die “information owners” oft zu wenig über die “information consumers” wissen um das richtige Material einzustellen und weiterzuentwickeln.
Andere interessante Details:
- kein anonymer Zugriff – Transparenz ist sehr wichtig bei Änderung von Inhalten
- Ein Problem, das von Wiki gelöst wird: Seit E-Mail und Powerpoint immer weiter verbreitet sind, kommen kaum mehr (formale) Berichte in die Archive – damit wird Wissen nicht mehr zentral verfügbar gemacht – das Wiki schafft es hier wieder etwas “zentrale Verfügbarkeit” zu schaffen
- Active Users (editors) (09/2008): 4.000
- Registered Users (09/2008): 40.000
- Articles (09/2008): 23.000
- Interessant zu den Zahlen: Während Anzahl der Artikel und der registrierten Benutzer kontinuierlich gestiegen sind, blieb die Zahl der aktiven Benutzer über die letzte Zeit mehr oder weniger gleich
- “Wiki is another system” (ersetzt also nicht die vorhandenen CMS, Intranet) – allerdings wurden einige Inhalte vom Intranet/CMS auf das Wiki verschoben (auch um die Leute auf das Wiki zu bekommen) – langfristig soll/wird das Intranet wohl mehr und mehr des langfristigen Contents verlieren – aber immer für Navigation/Struktur/kurzfristigen Content bleiben
What’s next:
- the interview round identified causes where people connected but did not remember
- survey needs to be repeated for trend analysis
- (social network) visualization tools are needed
Das Thema (Wikis in Organisationen) ist allgemein von großem Interesse hier auf der Triple-I. So habe ich gestern nach meiner Präsentation im Professors4Industry Track interessante Gespräche mit verschiedenen IT-/Kommunikationsverantwortlichen geführt, die Wikis eingeführt haben oder dieses planen. Z.B. Xing (internes Wiki), Fraport, reinisch, occar, …
Serena Enterprise Facebook
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Social Software am 18.7.2008
In einem aktuellen Beitrag in seinem Blog dokumentiert Andrew McAfee das Beispiel der Nutzung von Facebook als Intranet und SNS bei der Firma Serena in Form einer Fallstudie.
Mal abgesehen davon, dass ihm damit insgesamt eine gut strukturierte Enterprise 2.0-Fallstudie gelungen ist (ich habe sie deshalb natürlich auch gleich in unsere Fallstudiensammlung aufgenommen), beinhaltet der Text gleich ein paar Aussagen, die zur Diskussion anregen – Hier ein paar Kommentare und Zitate dazu:
Ein Vorteil der Nutzung eines offenen SNS sei “our employees can easily get involved in pushing it out to their Facebook friends, if they want to.” – D.h. die Firmenangehörigen können sehr leicht für die Firma werben und werden so viel leichter zu Fürsprechern der Firma.
“it’s quite addictive for those of us who use it often”
Konzept zur Einführung: “take an hour off of your day on Firday toupdate your profile” – und das organisiert für die ganze Firma (850 Angestellte in 18 Ländern). Am ersten “Facebook Friday” schaffte es Serena innerhalb von 24 Stunden Profile von über 50% der Mitarbeiter zu bekommen.
Im Zusammenhang mit Motivation sind auch die Beispiele interessant, in denen Mitarbeiter, die bisher noch nicht in offenen SNS aktiv waren, durch das Firmen-getriebene Engagement auch private Nutzungsmöglichkeiten gefunden haben:
One person just told me yesterday how excited he was to have found a childhood friend on Facebook who now lives in Turkey. He is planning to visit his friend on his next vacation. Other employees have been pleasantly surprised at how it helps them interact with their children better. Our Head of HR in Europe uses Facebook to communicate with her daughter.
Insgesamt also sehr lesenswert …
Gunter Dueck zur Bluepedia
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Fundgrube, Social Software am 29.6.2008
In der neuesten Ausgabe des Informatik Spektrum (Juni 2008) findet sich ab Seite 262 im Rahmen der regelmäßigen Kolumne von Gunter Dueck eine sehr gute Fallstudie zur Einführung eines Wikis in einer großen Organisation – der Bluepedia bei IBM. DOI: 10.1007/s00287-008-0241-5
Gunter Dueck schildert ausführlich, was Auslöser der Projektes waren, und geht auf das Vorgehen und Erfolgsfaktoren ein.
Besonders interessant finde ich seine beiden Listen von Fragen, die man provoziert, wenn man sich an Management bzw. Technik wendet mit dem Plan für ein solches Projekt – und die als Grund dafür gesehen werden können gerade dieses nicht zu machen (das Nachfragen bei Management bzw. Technik)!
Hierarchien vs. Struktur
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0, Social Software am 6.6.2008
Im Zusammenhang mit Social Software in Unternehmen (Enterprise 2.0) heisst es immer, dass Hierarchien keine Rolle spielen (dürfen). Meiner Meinung nach wird das häufig falsch interpretiert als dass “Strukturen” keine Rolle spielen (dürfen).
Es ist also zu unterscheiden zwischen “Hierarchien”/”Rollen” und (komplexen) “Strukturen”.
Unter Hierarchien und Rollen verstehe ich, dass es eine klare Unterscheidung zwischen Benutzergruppen gibt – z.B. hinsichtlich wer Inhalte beitragen darf/soll, wer kommentieren darf/soll etc. Und das sollte den Ideen der “Partizipation” folgend bei Social Software auch im Unternehmen natürlich nicht der Fall sein.
(Spezielle und komplexe) Strukturen kann und wird es in Social Software vor allem im Unternehmen aber sicher geben. Bei Enterprise 2.0 auf jeden Fall mehr als bei der privaten/öffentlichen Anwendung von Social Software. Dies sieht man sehr deutlich an Wikis. So ist beim immer wieder genannten Beispiel der “Wikipedia” kaum Struktur zu finden – mal abgesehen von der Aufteilung der Inhalte auf einzelne mit Namen/Begriffen bezeichneten Seiten – der Idee einer Enzyklopädie folgend. Bei Unternehmens- und Projektwikis finden sich aber viel mehr unterschiedliche Inhaltstypen, Unterstrukturen und auch Typen von Links und Beziehungen. Und das ist eine der Hauptherausforderungen beim Betrieb dieser Werkzeuge. Denn bei den komplexeren Strukturen ist die Frage, wo man Inhalte ablegen oder suchen soll plötzlich nicht mehr so einfach zu beantworten wie bei der Wikipedia. Das führt dazu, dass die Qualität der Struktur der Wikis langsam schlechter wird. Zu einer Wiederherstellung der Qualität wird häufig empfohlen sogenannte “Gardner” einzuführen, die für “Ordnung” im Wiki sorgen. Ähnliches findet sich bei Social Networking Services und anderen Typen von Social Software (im Unternehmen).
Eine Definition von Enterprise 2.0
Verfasst von kochm unter Enterprise 2.0 am 6.6.2008
“Eine Definition von Enterprise 2.0″ so heisst das Kapitel, das Andrew McAfee zum neuen Buch Enterprise 2.0 – Die Kunst loszulassen beigetragen hat.
Die “Definition” selbst ist schnell wiedergegeben:
“Enterprise 2.0 ist die Nutzung von Social-Software-Plattformen innerhalb oder zwischen Unternehmen und ihren Partnern oder Kunden.” (S. 18)
Hier also keine Überraschungen ;-)
Interessant und lesenswert ist der Beitrag vor allem wegen der weiteren Diskussionspunkte, die er aufbringt (auch hier natürlich nichts wirklich neues – aufmerksame Leser des Blogs von Andrew McAfee haben alles schon mal gelesen – hier aber auf Deutsch und schön zusammengefasst).
“It’s Not Not About the Technology”
Das finde ich z.B. einen interessanten Punkt. McAfee führt dazu aus, dass natürlich richtig ist, dass es bei Enterprise 2.0 nicht “ausschließlich” um die Technologie geht, aber es ist auch richtig, dass die Details der Technologie nicht komplett ignoriert werden können.
“Weak Ties” und das “Enterprise 2.0 Bullseye”
McAffee geht in seinem Beitrag als wichtige theoretische Grundlage von Social Software auf Granovetters Beitrag “The Strength of Weak Ties” und die Ideen dahinter ein. Dabei fasst er die Grundideen Grannovetters meiner Meinung nach sehr gut zusammen:
“Insgesamt lässt sich aus Granovetters Artikel das Fazit ziehen, dass starke Beziehungen wahrscheinlich nicht als Brücken zwischen Netzwerken dienen werden, während schwache Beziehungen dagegen gute Brücken darstellen. Brücken helfen, Probleme zu lösen, Informationen zu sammeln und unbekannte Ideen aufzugreifen. Sie helfen, die Arbeit schneller und besser zu erledigen.” (S. 25)
Mit “Weak Ties” hat auch McAfees Enterprise 2.0 Bullseye zu tun. Grundaussage der Abbildung ist, dass es vier Gruppen von Personen gibt, mit denen ein Wissensarbeiter zu tun hat, unterteilt und geordnet nach der relativen Intensität der Beziehung:
- starke Beziehung (strong ties)
- schwache Beziehung
- potentielle Beziehung
- keine Beziehung
Diesen Gruppen lassen sich Technologien/Werkzeuge zuordnen:
- starke Beziehung: Wikis, Gruppeneditoren
- schwache Beziehung: Social Networking Services
- potentielle Beziehung: Blogoshpere mit Fokus auf Suchmöglichkeiten und Signaling
- keine Beziehung: “kollektive Intelligenz”
Interessante Gedanken …
Btw: Auch Frank Hamm hat schon kurz über das Buch geschrieben – und ich muss zustimmen – neben dem Beitrag von Andrew McAfee ist der Beitrag “Mollys geheimes Tagebuch oder Bekenntnisse eines Anfängers über soziale Software” von Suw Charman-Anderson das Lesenswerteste, das ich bisher über Enterprise 2.0 gefunden habe … aber mehr sei hier nicht darüber verraten … selber lesen!