Communixx

Forschung und Entwicklung rund um den Einsatz von Social Software, CSCW und Community-Unterstützung ... und etwas Privates


03
Jul

Motivation bei Social Software

Es wird ja viel über Motivation berichtet - und dass es sich dabei um einen wichtigen Erfolgsfaktor für Social Software handelt (gerade in Unternehmen - Enterprise 2.0). Oft wird dabei zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation unterschieden.

Auf einem Projekttreffen des Projektes Open-I habe ich einen anderen/zusätzlichen interessanten Ansatz zur Katgorisierung/Konkretisierung des Motivationsbegriffes gehört. Berichtet hat Frau Anja Schiepe vom Lehrstuhl für Psychologie an der TUM. Eigentlich ging es nicht um Motivation bei Social Software, sondern eher um Motivationsaspekte im Open Innovation Prozess (”Motivation für Innovation”) - aber am Ende ist das gar nicht so unterschiedlich.

Interessant war dabei ersten das Basismodell der Motivation: Motive bei Personen sorgen im Zusammenspiel mit der Situation in der sich die Personen befinden (der Plattform auf der sie arbeiten) für Motivation, welche sich dann wieder auf das Verhalten (der Personen) auswirkt. Der Bereich Motive von Personen wird dabei in drei Teilbereiche aufgeteilt: 1) Leistung (als Motiv), 2) Macht (als Motiv), 3) Anschluss (als Motiv). Die Plattform/Situation in der die Motivation gebraucht wird, muss nun zu den Motiven der Personen, die mit der Plattform arbeiten, passen/diese unterstützen. Erst dann gibt es Motivation. Beim Entwurf von Plattformen kann/soll man also diese drei Motivklassen näher anschauen.

Diese Unterteilung der Motive gefällt mir sehr gut. Ich glaube, dass man damit sehr gut Funktionalitäten / Eigenschaften von Plattformen ableiten kann. Natürlich werden die Motive in der Realität selten in Reinform auftreten - die Unterteilung hilft aber Funktionalitäten klarer herauszuarbeiten.

Anja Schiepe hat auch noch Bespiele präsentiert, wie im Bereich “Motivation für Innovation” die Unterstützung der einzelnen Motive aussehen könnte:

  • Leistungsmotiv
    • eigene Aufgaben
    • Qualitatives Feedback
  • Anschlussmotiv
    • Community Gedanke
    • Chat
  • Machtmotiv
    • “Innovator des Monats”
    • öffentliche Rangliste

02
Jul

Ethik und Moral

“Ethik im Unternehmen - erfolgreich durch Denken” war der Titel eines von der Interface AG organisierten Vortrages des Philosophen Klaus-Jürgen Grün, dem ich am 26.6. beiwohnen durfte.

Den ganzen Vortrag wiederzugeben wäre etwas zu viel verlangt - nachdem ich nicht live mitgeschrieben, sondern eher mitgedacht und mitgezweifelt habe … - ausserdem gibt es eine gute Beschreibung zum Vortrag von Herrn Grün auf dem IF-Blog. An dieser Stelle also “nur” für mein “Mikrocontentmanagement” ein paar bedenkenswerte / aufschreibenswerte Schnippsel aus dem Vortrag.

Zuerst hat Herr Grün versucht Moral und Ethik grundsätzlich zu definieren. Dabei habe ich mir gemerkt:

  • Moral = Zwänge (etwas zu tun) + Tabus (etwas nicht zu tun)
  • Ethik ist die (strukturierte) Beschäftigung mit Moral

Zur Erklärung des Ganzen ist er viel auf Immanuel Kant und dessen kategorischen Imperativ eingegangen. Ich habe mir dabei gemerkt, dass hier eine “moralische Handlung” als eine Handlung definiert wird, die nicht aus irgendwelchen (egoistischen) Beweggründen ausgeführt wird (sicher stark vereinfacht …).

Das Problem an dieser Definition ist aber nun, dass Menschen nach Meinung einiger Soziologen grundsätzlich egoistisch handeln - auch scheinbar “selbstlose” Handlungen haben immer einen “egoistischen Kern” - z.B. den egoistischen Wunsch nach Anerkennung etc.

Mit dem Beispiel des Hippokratischen Eides der Mediziner - als erstes Beispiel einer Unternehmens/Berufsgruppenethik - ist mir aber klar geworden, dass es noch mehr gibt. Berufsgruppen/Unternehmen können sehr wohl gewisse Versuchungen, denen sie unterliegen tabuisieren und damit eine Vorteil für den Berufsstand, das Unternehmen oder die Gesellschaft als ganzes (und damit wieder den Berufsstand und das Unternehmen) erzielen.

Hierzu passt auch die Argumentation Grüns, dass sich Moral aus der Versuchung definiert, in der wir uns befinden/sehen - aber von der wir ahnen, dass es nicht gut ist (für uns, für die Gesellschaft) - von der wir uns schützen wollen.

Interessant war auch die Diskussion darüber, dass viele Aspekte der (Unternehmens-)Moral heute in Gesetzen festgeschrieben werden. Damit werden sie aber zu sehr generalisiert. In jedem Unternehmen sind die zuvor beschriebenen Versuchungen anders - und damit sind auch in jedem Unternehmen andere Zwänge und Tabus notwendig.


02
Jul

Forschungsanträge und Meteorologie

Auf dem Academics-Blog gab es letzte Woche einen spannenden Beitrag zu “Was Forschungsanträge mit Meteorologie zu tun haben”.

Der Beitrag behandelt ein Grundproblem deutscher und europäischer Forschungsförderung: Eine Förderung kann nur dann (Erfolg versprechend) beantragt werden, wenn eine präzise Fragestellung und möglichst auch schon Skizzen der (möglichen/wahrscheinlichen) Ergebnisse und der Verwertung der Ergebnisse vorliegen.

Nun stellt aber die Präzisierung einer Fragestellung allein schon einen erheblichen Teil einer Forschungsarbeit dar! Wenn man voraussagen könnte, was das Ergebnis einer Forschungsarbeit sein wird, dann bräuchte man die Arbeit eigentlich gar nicht mehr. In oben zitiertem Beitrag wird das am Beispiel von Albert Einstein veranschaulicht: “Konnte Albert Einstein vor seinen Forschungen etwas beschreiben wie „Ich plane mit Unterstützung folgender Mitarbeiter … ein dreijähriges Forschungsprojekt, an dessen Ende ich die Formel E=m ∙ c² entdeckt und damit die allgemeine Relativitätstheorie begründet haben werde. Hierzu benötige ich x Schweizer Franken und 3 Vollzeitstellen… “ ?”

Glücklicherweise ist die Welt nicht komplett schwarz …

Einerseits sehen die Projektbetreuer bei den Fördermittelgebern die Situation häufig recht realistisch und erlauben eine flexible “Anpassung” des Forschungsplanes, der Forschungsziele. Warum muss man das dann aber am Anfang überhaupt so ausführlich beschreiben? Das sind ziemlich viel verschwendete Ressourcen. Im Endeffekt beantragt man so Projekte für etwas, das man schon gemacht hat, um im Projekt etwas neues erarbeiten zu können, das man dann wieder als Basis des nächsten Antrages verwenden kann. Schönes System ;-) Es ist nur sehr schwierig da rein zu kommen.

Andererseits gibt es einige (wenige) pragmatische Fördermittelgeber, die auch ohne ausführliche Anträge in denen schon alle Ergebnisse beschrieben werden, für gute Ideen und gute Konsortien Mittel zur Verfügung stellen.

Was hat die Diskussion aber nun mit Meteorologie zu tun? In anfangs zitiertem Beitrag heisst es dazu: “Forschungsergebnisse lassen sich bei guter Forschung zum Glück nicht vorhersagen wie das Wetter und selbst dies – die Meteorologen werden mir verzeihen – klappt ja nur bedingt.”


29
Jun

Gunter Dueck zur Bluepedia

In der neuesten Ausgabe des Informatik Spektrum (Juni 2008) findet sich ab Seite 262 im Rahmen der regelmäßigen Kolumne von Gunter Dueck eine sehr gute Fallstudie zur Einführung eines Wikis in einer großen Organisation - der Bluepedia bei IBM. DOI: 10.1007/s00287-008-0241-5

Gunter Dueck schildert ausführlich, was Auslöser der Projektes waren, und geht auf das Vorgehen und Erfolgsfaktoren ein.

Besonders interessant finde ich seine beiden Listen von Fragen, die man provoziert, wenn man sich an Management bzw. Technik wendet mit dem Plan für ein solches Projekt - und die als Grund dafür gesehen werden können gerade dieses nicht zu machen (das Nachfragen bei Management bzw. Technik)!


18
Jun

Bled2008 - CSCW

Am letzten Tag der Bled eConference 2008 gab es zwei Research Sessions zu CSCW. Hier ein kurzer Bericht dazu.

Zuerst präsentierte Elitsa Shumarova einen Beitrag zu “Shadow Collaborative Information Technology (CIT)”. Darunter versteht sie in Anlehnung an “Shadow IT”

“set of collaborative tools used for performing CIT functions but are not part of the mainstream IT organization of the company”

Über eine Literaturanalyse versuchten die Autoren Beispiele und Charakteristika von “shadow CIT” zu finden (im Gegensatz zu “formal CIT”) und zu klären ob die Existenz von “shadow CIT” ein Indiz dafür ist, dass die IT Organisationen in Unternehmen nicht funktionieren.

Hier ein Vergleich zwischen “shadow CIT” (Wikis, Blogs, SNSs, IMs) und “formal CIT” (MS Exchange, IBM Lotus Notes) - aus der Präsentation:

format CIT shadow CIT
organisational mandated   self selected
targeted investment
strategy driven cultre-driven
created by professionals created by the user community
impose structure encourage user prior to providing structure
speed

In diesem Zusammenhang wurde auch die Entwicklung thematisiert, dass sich das Arbeitsleben immer mehr mit dem Privatleben vermischt - und so die Erfahrungen/Erwartungen aus der privaten Welt in die Arbeitswelt transformiert werden.

Am Ende gingen die Autoren noch kurz darauf ein, wie Unternehmen auf “shadow CIT” reagieren:

  • strategy of resistance and banning
  • strategy of limitation and regulation
  • strategy of acceptance

Ich fand interessant, dass statt Social Software und bottom-up der Begriff “shadow CIT” benutzt wurde um besonders darauf hinzuweisen, dass die Anwendungen teilweise ohne Wissen / Wollen der Unternehmen eingesetzt werden. IBM und andere versuchen momentan also gerade die CIT aus den Schatten heraus zu bekommen.

Die weiteren Vorträge gingen auf die Unterstützung von Gemeinden im Finnischen Archipelago und auf Learning Communities im Bereich der Business Intelligence Ausbildung ein.

Ein interessantes Zitat aus dem letzten Beitrag (aus dem Kontext gerissen): “”enthusiasm not always is sustainable unless there is a real value proposition”

In der zweiten Session habe ich zuerst meinen Beitrag zu CSCW vs Web 2.0 präsentiert:

Michael Koch: CSCW and Enterprise 2.0 - towards an integrated perspective. In: Proc. Bled eConference 2008, Juni 2008, PDF (416K)

Interessante Kommentare dazu aus der Diskussion:

  • fun factor (from games) is an important motivator; what if fun disappears?
  • context is the most important difference between internet and company use of social software

Dann präsentierten John Lenarcic und Pradipta Sarka einen Beitrag zu “The Long Tail of Blogging: A Nuturing Mechanism for Sustainable Online Communities with Niche Interests”. Es handelt sich dabei um eine Sammlung von Berichten aus der Untersuchung von Blogs im Bereich der Filmmusik und World Musik.


17
Jun

Bled2008 - OpenResearch

Wie erwartet ist das Thema der Unterstützung von Forschung (Forschungsnetzwerken) ein wichtiges Thema auf der Bled eConference 2008.

Ein paar Ideen dazu, die mir in verschiedenen Kontexten (Panels, Vorträge, persönliche Gespräche), die sich teilweise gar nicht explizit mit Science 2.0 etc beschäftigten, untergekommen sind:

  • Datenbanken von Fallstudien, wie sie zum Beispiel von eXperience vorangetrieben wird, könnten eine wichtige Basis von Zusammenarbeit werden
  • Es wäre interessant für Netzwerke (geschlossene) Digitale Bibliotheken zu schaffen, auf denen die Volltexte von Konferenzpapieren (wie jetzt von der Bled eConference) etc bereitgestellt werden können (und durchsuchbar und kommentierbar sind) - Interessant ist in diesem Zusammenhang die Verknüpfung mit einzelnen digitalen Bibliotheken von Verlagen (z.B. der DL of the ACM etc) sowie von Social Tagging Anwendungen für Referenzen (citeUlike, bibsonomy) …

  • Die Ergebnisse der Social Networking Services Umfrage an der UniBwM könnten auch im Kontext von Open Research so interpretiert werden, dass für Forschungsnetze das wichtigste ist über Aktivitäten seiner weak ties auf dem Laufenden gehalten zu werden.

Und dann war da natürlich noch der Workshop “eCollaboration within the Bled eCommerce Community”. Hier ein paar Kommentare / Eindrücke davon:

Ziel war es über Aktivitäten nachzudenken, die Bled-Community sichtbarer, größer, aktiver zu machen. Dabei wurden drei verschiedene Bereiche unterschieden (teilweise nur von mir - aber das macht nichts ;-)):

  • 1) Ergebnisse (Paper) der Konferenz verfügbarer, sichtbarer machen
  • 2) Konferenz besser bewerben
  • 3) Konferenzaktivisten besser vernetzen, Kommunikation unterstützen

ad 1)

Die Bled-Papiere (seit 2001) sind aktuell auf der Konferenz-Homepage und in der AIS-Digital Library verfügar. Interessante Ideen dazu, die teilweise an anderen Beispielen festgemacht worden sind, waren das Bereitstellen von Endnote-Bibliotheken (mit Abstracts) für die Jahrgänge, das “automatische” Einstellen in Dienste wie CiteULike und Bibsonomy, die Publikation/Verfügbarmachung von Annahmequoten etc.

Interessante Links in diesem Zusammenhang (die in der Diskussion erwähnt worden sind):

ad 2)

Den Teil der Diskussion gebe ich hier nicht gross wieder - da er mit Open Research wenig zu tun hat. Interessant war nur der Kommentar, dass die Konferenzreihe auf Wikipedia vertreten sein sollte und Bilder zur Konferenz (halbwegs organisiert, motiviert) auf Flickr bereitgestellt werden sollten.

ad 3)

Hier wurde erst mal rumgefragt, welche SNS denn benutzt werden: LinkedIn, FaceBook, Xing, … Zusätzlich gibt es noch ein AIS Faculty Directory, das von der AIS gepflegt wird. Insgesamt bestand Einigkeit, dass es schon zu viele Verzeichnisse sind.

LinkedIn erschien den meisten als beste Lösung (”better business capabilities / closed groups
for awareness”)

Grundsätzlich wurde zum Einsatz eines SNS die Frage gestellt: Was würde uns Verzeichnis helfen? Hierzu gab es keine klare Meinung - eher als Diskussionsplattform?

Ein paar Kommentare/Zitate aus der (weiteren) Diskussion:

  • “the only way to achieve sth is to tap in into existing practices …” (Kai Riemer)
  • “no matter of technology - what is the shared practice we are looking at - that might then be supported by technology” (Kai Riemer)
  • “problem: we are busy the rest of the year - need for immediate benefit!!!” (Stefan Klein)
  • “perhaps we (professors) are the wrong people to ask what we need - perhaps phd students want more
    (we already have too many links …)” - Das fand ich sehr interessant!!!

17
Jun

Bled2008 - Diverses

In der zweiten Plenarsitzung (unter dem Titel “Overcoming Boundares by eCollaboration: eInteroperability, eBusiness, eInclusion and eUniversity”) am Montag steuerte Roger Clarke einige Gedanken dazu bei, warum Globalisierung etc. vielleicht nicht immer nur gut ist … Er fasste die Ideen sehr Web 2.0-like in einer Liste von Attributen zusammen - wie sie immer angebracht werden (conventional) und wie sie vielleicht wirklich sind (real):

Conventional Real
Eonomies of Scale and Scope Diseconomies of Scale and Scope
Monolithism Modularism
Gigantism Federalism
Centralisation Subsidiarity
Innovation Promise Innovation Thread
Boundary Barrier Boundary Comfort
Collectivism Individualism
Eurpeanism Us vs. Them

Bei den Erklärungen dazu hat er bei vielen Punkten darauf hingewiesen, dass es um über Jahrhunderte etablierte (und bewährte) Muster in der Gesellschaft geht (z.B. bei modularism, boundary comfort, individualism).

Interessant finde ich dabei auch, dass viele der Punkte auf der rechten Seite durch Web 2.0, Social Software etc angegangen/beachtet werden (z.B. modularism, individualism, federalism). Dabei ging Roger Clarke in seiner Präsentation gar nicht auf Web 2.0 Konzepte ein - es scheint sich also doch um ein paar grundlegendere Erfolgsrezepte zu handeln?


16
Jun

Bled2008 - EU

Das 21te Mal findet gerade in Bled (Slowenien) die Bled eConference statt - ein jährliches Treffen von Vertreter aus Universitäten, Unternehmen, Regierungen und Administrationen rund um Themen der eSociety.

Heute gab es im Rahmen der ersten Plenarsitzung (unter dem Titel “Overcoming Boundaries by eCollaboration: Government, Parliament, and University”) zwei Beiträge von EU-Vertretern, die ich erwähnenswert finde.

Zuerst berichtete Diana Wallis (Vice President of European Parliament) über ihre Erfahrungen mit der Einbeziehung von Wählen im Sinne einer eCollaboration. Ein Problem, das sie dabei sieht ist, dass es sehr viele Anlaufpunkte / Kommunikationskanäle gibt:

  • Die Web-Site des Europaparlaments
  • die Web-Sites der verschiedenen Komitees im Parlament
  • die Web-Sites der verschiedenen Parteien
  • die Web-Sites der einzelnen Parlamentsmitglieder

Die verschiedenen Kanäle ausreichend zu bedienen schaffen nur noch Lobby-Gruppen aber nicht die Individuen deren Meinung Frau Wallis gerne hören möchte. Interessant fand ich, dass Frau Wallis inzwischen im Sinne einer Transparenz die Lobby-Gruppen, die sie kontaktieren, auf ihrer Web-Site dokumentiert.

Zweiter Sprecher aus dem Umfeld der EU war Bror Salmelin (European Commission, ICT). Er betonte in seinem Beitrag vor allem die Bedeutung von “Open Innovation”.

Ein Argument war, dass heute für Innovation die “valley dynamics” (Vernetzung, Zusammenarbeit) wichtiger sind als brilliante Individuen oder brilliante Gruppen zu haben. Herr Salmelin sprach hier von einer Entwicklung “towards an open world”.

In diesem Zusammenhang sprach er das Problem an, wie wir diese “connectivity” nutzen können - den größtmöglchen Nutzen daraus ziehen können.

Ein sehr spannender Kommentar dazu ging darauf ein, dass Spontanität, Flexibilität dafür notwendig ist. Vor allem auch die Möglichkeit dann arbeiten zu können, wenn man gerade Ideen hat. Er stellte das sehr anschaulich dar, dass die geblockten acht Stunden Arbeit sich viel flexibler auf die verfügbaren 24 Stunden aufteilen können sollten - nicht mehr aber flexibler. Ich würde hier noch hinzufügen, dass die Verfügbarkeit von Zugangsmöglichkeiten zu Informationssystemen immer wichtiger wird - von mobilen und ubiquitären.

Im Zusammenhang der breiteren Integration von Nutzen in Innovationsprozesse ging Herr Salmelin natürlich auch auf das European Network of Living Labs (ENoLL) ein, das momentan noch sehr lokal konzentriert Beiträge zu Open Innovation liefert. Hierauf will die EU aufsetzen und die Ausbreitung / Vernetzung der Living Labs weiter fördern.

Links die Bror Salmelin dazu am Ende noch empfohlen hat:

Am Ende der Session ging Roger Clarke auch nochmal kurz auf die aktuellen Entwicklungen in der Bled-eConference-Community ein - und darauf, dass die Community doch auch besser unterstützt werden sollte. Aber dazu gibt es Dienstag einen eigenen Workshop - über den ich dann separat berichte.

More to come …


06
Jun

Hierarchien vs. Struktur

Im Zusammenhang mit Social Software in Unternehmen (Enterprise 2.0) heisst es immer, dass Hierarchien keine Rolle spielen (dürfen). Meiner Meinung nach wird das häufig falsch interpretiert als dass “Strukturen” keine Rolle spielen (dürfen).

Es ist also zu unterscheiden zwischen “Hierarchien”/”Rollen” und (komplexen) “Strukturen”.

Unter Hierarchien und Rollen verstehe ich, dass es eine klare Unterscheidung zwischen Benutzergruppen gibt - z.B. hinsichtlich wer Inhalte beitragen darf/soll, wer kommentieren darf/soll etc. Und das sollte den Ideen der “Partizipation” folgend bei Social Software auch im Unternehmen natürlich nicht der Fall sein.

(Spezielle und komplexe) Strukturen kann und wird es in Social Software vor allem im Unternehmen aber sicher geben. Bei Enterprise 2.0 auf jeden Fall mehr als bei der privaten/öffentlichen Anwendung von Social Software. Dies sieht man sehr deutlich an Wikis. So ist beim immer wieder genannten Beispiel der “Wikipedia” kaum Struktur zu finden - mal abgesehen von der Aufteilung der Inhalte auf einzelne mit Namen/Begriffen bezeichneten Seiten - der Idee einer Enzyklopädie folgend. Bei Unternehmens- und Projektwikis finden sich aber viel mehr unterschiedliche Inhaltstypen, Unterstrukturen und auch Typen von Links und Beziehungen. Und das ist eine der Hauptherausforderungen beim Betrieb dieser Werkzeuge. Denn bei den komplexeren Strukturen ist die Frage, wo man Inhalte ablegen oder suchen soll plötzlich nicht mehr so einfach zu beantworten wie bei der Wikipedia. Das führt dazu, dass die Qualität der Struktur der Wikis langsam schlechter wird. Zu einer Wiederherstellung der Qualität wird häufig empfohlen sogenannte “Gardner” einzuführen, die für “Ordnung” im Wiki sorgen. Ähnliches findet sich bei Social Networking Services und anderen Typen von Social Software (im Unternehmen).


06
Jun

Eine Definition von Enterprise 2.0

“Eine Definition von Enterprise 2.0″ so heisst das Kapitel, das Andrew McAfee zum neuen Buch Enterprise 2.0 - Die Kunst loszulassen beigetragen hat.

Die “Definition” selbst ist schnell wiedergegeben:

“Enterprise 2.0 ist die Nutzung von Social-Software-Plattformen innerhalb oder zwischen Unternehmen und ihren Partnern oder Kunden.” (S. 18)

Hier also keine Überraschungen ;-)

Interessant und lesenswert ist der Beitrag vor allem wegen der weiteren Diskussionspunkte, die er aufbringt (auch hier natürlich nichts wirklich neues - aufmerksame Leser des Blogs von Andrew McAfee haben alles schon mal gelesen - hier aber auf Deutsch und schön zusammengefasst).

“It’s Not Not About the Technology”

Das finde ich z.B. einen interessanten Punkt. McAfee führt dazu aus, dass natürlich richtig ist, dass es bei Enterprise 2.0 nicht “ausschließlich” um die Technologie geht, aber es ist auch richtig, dass die Details der Technologie nicht komplett ignoriert werden können.

“Weak Ties” und das “Enterprise 2.0 Bullseye”

McAffee geht in seinem Beitrag als wichtige theoretische Grundlage von Social Software auf Granovetters Beitrag “The Strength of Weak Ties” und die Ideen dahinter ein. Dabei fasst er die Grundideen Grannovetters meiner Meinung nach sehr gut zusammen:

“Insgesamt lässt sich aus Granovetters Artikel das Fazit ziehen, dass starke Beziehungen wahrscheinlich nicht als Brücken zwischen Netzwerken dienen werden, während schwache Beziehungen dagegen gute Brücken darstellen. Brücken helfen, Probleme zu lösen, Informationen zu sammeln und unbekannte Ideen aufzugreifen. Sie helfen, die Arbeit schneller und besser zu erledigen.” (S. 25)

Mit “Weak Ties” hat auch McAfees Enterprise 2.0 Bullseye zu tun. Grundaussage der Abbildung ist, dass es vier Gruppen von Personen gibt, mit denen ein Wissensarbeiter zu tun hat, unterteilt und geordnet nach der relativen Intensität der Beziehung:

  • starke Beziehung (strong ties)
  • schwache Beziehung
  • potentielle Beziehung
  • keine Beziehung

Diesen Gruppen lassen sich Technologien/Werkzeuge zuordnen:

  • starke Beziehung: Wikis, Gruppeneditoren
  • schwache Beziehung: Social Networking Services
  • potentielle Beziehung: Blogoshpere mit Fokus auf Suchmöglichkeiten und Signaling
  • keine Beziehung: “kollektive Intelligenz”

Interessante Gedanken …

Btw: Auch Frank Hamm hat schon kurz über das Buch geschrieben - und ich muss zustimmen - neben dem Beitrag von Andrew McAfee ist der Beitrag “Mollys geheimes Tagebuch oder Bekenntnisse eines Anfängers über soziale Software” von Suw Charman-Anderson das Lesenswerteste, das ich bisher über Enterprise 2.0 gefunden habe … aber mehr sei hier nicht darüber verraten … selber lesen!

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