Science Has Only Two Legs


… unter diesem Titel stand das Editorial der Zeitschrift Communications of the ACM im September 2010 (von Moshe Y. Vardi, DOI: 10.1145/1810891.1810892). Als “Hobby-Wissenschaftstheoretiker” hat mich das natürlich sofort neugierig gemacht.

Die “ursprünglichen” zwei Säulen (im Englischen: legs oder pillars – “bipedal nature of science”) von Wissenschaft (bzw. der wissenschaftlichen Methoden) sind in diesem Zusammenhang Theorie (oder Modell) und Experiment. Eine wissenschaftliche Theorie ist ein erklärendes Rahmenwerk für eine Menge von (natürlichen) Phänomenen (Beschreibung von Ursache/Wirkungs-Zusammenhängen). Um nützlich zu sein sollte eine Theorie existierende Beobachtungen erklären und zugleich Vorhersagen für zukünftige Beobachtungen machen. Experimente werden genutzt um Theorien zu prüfen oder zu falsifizieren, oder auch um Daten für die Aufstellung einer neuen Theorie zu gewinnen.

Moshe Vardi führt in seinem Editorial nun aus, dass in letzter Zeit vor allem in Informatik-Kreisen immer mehr von einer dritten und sogar vierten Säule der Wissenschaft gesprochen wird.

Die dritte Säule (“third leg of science”) sei “computational science” oder einfach nur “computation” mit den Beispielen der numerischen Lösung komplizierter Gleichungssysteme und der massiven analytischen Simulationen.

Als vierte Säule wird hin und wieder zusätzlich die “usage of advanced computing capabilities to manipulate and explore massive datasets” genannt – also Data Mining im weitesten Sinne.

Aber erweitert das wirklich die auf Theorie und Experiment basierende Wissenschaft? Meiner und Vardis Meinung nach nicht. Denn bei beiden “neuen Säulen” geht es doch eigentlich “nur” um neue Methoden zur Darstellung von Theorien/Modellen und zur Generierung von Vorhersagen daraus.

Rhett Allain schreibt dazu sehr schön im Wired Blog: “It is important to remember the bipedal nature of science. Create models. Compare models with real life. Maybe the model is a conceptual model, maybe it is a model based on vector calculus, maybe it is a calculation in phython. They are all models. There is no third leg.”

Interessant ist für mich eher die Diskussion, wie konstruktionistische Methoden in die Wechselwirkung zwischen Theorie und Experiment einzuordnen sind. Aber das ist Stoff für einen andere Post.

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