Digitale Verdrängung


Im Online-Angebote der Süddeutschen Zeitung gab es Anfang dieser Woche einen interessanten Beitrag in vierzehn Teilen zum Titel “Vom Internet Verweht – Digitale Verdrängung”.

Im Beitrag werden zu vierzehn Themen die aktuelle Entwicklung (kurz und prägnant) dargestellt und jeweils eine Prognose abgegeben. Natürlich sind die Aussagen teilweise trivial bzw. die Darstellung ist etwas überzeichnet, die Sammlung der vierzehn betrachteten “Themen” und der dazugehörigen Prognosen finde ich aber trotzdem sehr interessant:

  • Telefonbücher werden auch in Deutschland aus Kostengründen nur noch auf Wunsch verteilt werden.
  • Handschrift wird weiterhin in der Schule gelehrt, doch im Alltagsgebrauch spielt sie für die jüngere Generation bald kaum mehr eine Rolle. Die fehlende Übung wird zudem das Schriftbild der meisten Menschen immer unlesbarer machen.
  • Familienabende gibt es weiterhin – jedoch werden diese unabhängig vom Fernsehprogramm stattfinden. Videostreaming und das gemeinsame Konsolenspiel werden das Ritual der festen Fernsehzeit ablösen.
  • Respekt vor Autoritäten: Die Transparenz des Internets macht einstige Instanzen zu Menschen – und damit entsprechend angreifbarer. Wir werden uns daran gewöhnen.
  • Konzentration: Die “MTV-Generation” der neunziger Jahre wird uns bald wie ein Kloster voller Zen-Mönche vorkommen. Die zerstückelte Aufmerksamkeit wird auch unser Denken massiv verändern, das schnelle Prüfen kleiner Informationshappen auf ihre Relevanz entwickelt sich zum zentralen Punkt unserer Wahrnehmung.
  • Überraschungen bei Klassentreffen: Durch die digitale Vernetzung wird jede Status-Aktualisierung zu einem kleinen Klassentreffen. Wir altern gemeinsam.
  • Fanzines: E-Zines oder Sammelblogs haben Fanzines bereits heute weitestgehend verdrängt. Einfacher zu bedienende Web-Editoren werden deren Layout künftig noch individueller gestaltbar machen.
  • Urlaub im Unbekannten: Die minutiöse Planung des Urlaubs über das Netz lässt keinen Platz für Überraschungen – bald wissen wir schon vor der Anreise, welche Hobbys der Portier unseres Hotels hat.
  • Faxgeräte: Sobald sich ein Standard für den rechtssicheren Versand von E-Mails entwickelt hat, dürften Faxgeräte zum Elektroschrott gehören
  • Videotheken: Sobald Komplettsysteme im Heimentertainment-Bereich bezahlbar sind, dürften es Videotheken vor allem in Gegenden mit guter Breitbandverbindung sehr schwierig haben.
  • Platten- und CD-Läden: Platten- und CD-Läden werden nicht aussterben, aber in wenigen Jahren ein Nischendasein fristen oder zu Hörcafés mit Download-Möglichkeit werden.
  • Schulbücher: In wenigen Jahren dürften Schulkinder ihre Bücher digital erhalten – das entsprechende Lesegerät könnte auch als Schreibgerät fungieren, wodurch auch Schulhefte überflüssig würden.
  • Privatsphäre: In den USA wird Privatsphäre bereits in Kürze keine Rolle mehr spielen. Europäer sind vorsichtiger, dennoch sind über den Einzelnen bald immer mehr Informationen im Netz auffindbar. Wer im Netz nicht existiert, wird bei potentiellen Arbeitgebern künftig Misstrauen erwecken.
  • 15 Minuten Ruhm: Jeder kann künftig blitzschnell in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken – und genauso schnell wieder daraus verschwinden.

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