Archiv für März, 2010

The Cloud und Collaboration mit dem Mac

Um meine Computer nicht dauern mit mir rumschleppen zu müssen habe ich (wie vielleicht viele andere auch) inzwischen einen für das Büro und einen für zu Hause … Und nachdem bei mir Arbeit und Freizeit nicht so klar zu trennen ist, brauche ich dieselben Daten auf beiden. Dazu kommt, dass ich in verschiedenen Konstellationen mit anderen zusammen arbeite – und dazu digitale Teamraumlösungen benötige (siehe auch …), deren Inhalte natürlich auch auf den verschiedenen Rechnern und natürlich auch offline verfügbar sein sollten.

Hier eine kurze Dokumentation dessen, was ich zu den Anforderungen gefunden und ausprobiert habe – und dazu, welche Probleme noch offen sind.

The Cloud

Zuerst dazu, meine eigenen Daten auf verschiedenen Rechnern (auch offline) verfügbar zu machen.

Dateien

Als erstes war hier eine Lösung für meine Dateien gefragt. Ich habe erst mal .Mac ausprobiert – das war mir aber nicht gut genug mit dem Dateisystem integriert. Bei der nächsten Lösung, die ich probiert habe, bin ich schließlich hängen geblieben: Dropbox.

Nach der Installation auf einem Rechner stellt Dropbox das Verzeichnis “/Users/XXX/Dropbox” zur Verfügung, dessen Inhalte (Unterverzeichnisse und Dateien) auf den Dropbox-Server gesichert werden sobald der eigene Rechner online ist. Dabei kann man mit den Dateien und Unterverzeichnissen arbeiten wie mit lokalen Verzeichnissen. Vom Dropbox-Server werden Änderungen dann zu anderen Rechnern, auf denen man sich mit seiner Dropbox-Kennung angemeldet hat, übertragen, sobald diese online sind. Dabei gibt es keinen Master. Änderungen können auf jedem Rechner vorgenommen werden, auf dem man sich mit seiner Dropbox-Kennung anmeldet.

Ich habe also alle wichtigen Verzeichnisse in den Dropbox-Ordner geschoben und arbeite damit wie gewohnt. Wenn ich einen Rechner runter fahre, dann muss ich an gar nichts besonderes denken – Wenn der Rechner vorher am Netz war, dann hat Dropbox automatisch alle Änderungen auf dem Server gesichert. Wenn ich dann an einem anderen Rechner weiter arbeite, dann sind die Dateien dort sofort verfügbar.

Neben dieser sehr gut funktionierenden und transparenten Möglichkeit, Dateien zu replizieren, bietet Dropbox noch ein Web-Interface und natürlich eine iphone-Applikation zum Zugriff auf die Dateien.

Notizen

Beim Finden meiner Arbeitsweise habe ich gemerkt, dass ich neben Dateien noch einfach nutz- und durchsuchbare digitale Notizzettel brauche. Diese nutze ich für Einkaufslisten, Todo-Listen, Protokolle und vieles mehr. Ich habe dabei erst mal die lokalen Fähigkeiten von MacOS sowie verschiedene lokale Wikis ausprobiert. Das aktuelle Werkzeug meiner Wahl ist Evernote.

Evernote liefert die Cloud-Funktionalität gleich mit. Jede mit dem lokalen Evernote-Client editierte Notiz wird auf den Server gesichert – und von dort aus auf andere Evernote-Clients geladen, die sich mit derselben Benutzerkennung angemeldet haben.

Dabei ist der Client wirklich sehr benutzerfreundlich. Neben dem Client für offline-Arbeit gibt es natürlich auch einen Web-Client und eine iphone-Applikation. Mit letzterer kann man zwar keine Notizen editieren, aber neue Notizen erstellen. Eine Funktionalität, die ich nutze, wenn ich “on the road” mal schnell etwas notieren möchte.

Literaturreferenzen

Für meine Arbeit an der Universität brauche ich eine Literaturdatenbank zur Speicherung von Metadaten zu Literaturreferenzen sowie von Volltexten (normalerweise PDF-Dateien). Ich habe dazu lange mit Endnote gearbeitet. Und mit Dropbox könnte man Endnote sehr gut auf verschiedenen Rechnern nutzen. Ich habe Endnote aber inzwischen zu Gunsten eines speziellen Cloud-Dienstes für Literaturreferenzen aufgegeben: Mendeley.

Wie Dropbox und Evernote stellt Mendeley sowohl eine offline-nutzbare Client-Anwendung als auch einen Web-Zugang zu den zwischen Clients und Servern replizierten Daten zur Verfügung.

E-Mail

Auch meine E-Mail sollte auf allen Rechnern verfügbar sein. Das war am einfachsten: Sowohl IMAP- als auch Exchange-Postfächer lassen sich inzwischen problemlos auf verschiedenen Macs und dem iphone einbinden.

Hier musste ich eigentlich nur darauf achten, dass ich meine E-Mail-Ablagen nicht als lokale Mailboxen anlege, sondern entweder auf einem IMAP oder einem Exchange-Server verwalte.

Kontakte, Kalender

Schwieriger war das mit meinen Kontakten und Kalendern. Dabei machte ich es mir natürlich besonders schwer dadurch, dass ich nicht nur Exchange-Kalender und -Kontaktlisten haben wollte, sondern auch noch native-iCal und Adressbook-Daten behalten wollte. Es war also eine Lösung gesucht, die lokale Adressbücher und Kalender zu anderen Macs repliziert. Nach vielen mehr oder weniger erfolglosen Versuchen (u.a. auch eine Synchronisation über Google Mail) bin ich hier bei Fruux hängen geblieben. Funktioniert bestens.

Bookmarks

Schließlich fehlen noch Bookmarks. Hier habe ich mich gleich für eine Gruppenarbeits-taugliche Lösung entschieden und verwalte meine Bookmarks auf delicious. Mit speziellen Bookmarks in Safari und Firefox kann man einfach angezeigte Seiten bei delicious eintragen.

Was fehlt noch?

Aktuell fehlt mir eigentlich nur noch eine Lösung zur Replikation meiner RSS-Feeds (und des aktuellen Standes des Lesens dieser Feeds). Ich nutze lokal Vienna als Feedreader. Eine einfache Lösung wäre es, die Konfiguration (und Feedliste) von Vienna in einem Dropbox-Verzeichnis zu speichern und so zwischen Rechner auszutauschen. Allerdings erlaubt Vienna kein einfaches Ändern des Verzeichnisses in dem die Daten gespeichert sind.

Collaboration

Einige der für mich selbst genutzten Dienste kann man auch für einfache Collaboration im Team nutzen:

  • Dropbox erlaubt das Freigeben von Dateien für den öffentlichen Zugriff und das Definieren von zusätzlichen Zugriffsrechten auf Verzeichnisse
  • Delicious erlaubt das Austauschen von Bookmarks im Team und natürlich das Informiert-Bleiben über Bookmarks, die andere Teammitglieder speichern

Aber es wird noch mehr, einfacher zu bedienendes gebraucht für die Unterstützung von Teamarbeit … Hier eine unvollständige Liste dazu, was ich mir in diesem Zusammenhang angesehen habe bzw. einsetze.

Dateien

In den Projekten und Unterorganisationen, in denen ich aktiv bin, werden unter anderem folgende Lösungen für den gemeinsamen Dateiaustausch eingesetzt:

  • Windows Shared File System (CIFS)
  • Basic Support for Collaborative Work (BSCW)
  • Alfresco
  • Subversion Versionsmanager

Die Dateien in all diesen Lösungen würde ich gerne für die Offline-Nutzung auf meine Rechner kopieren, dort transparent ändern können und Änderungen möglichst transparent wieder auf die Dienste zurückspiegeln. Das klappt leider meist nur unvollständig.

Für alle Dateisysteme, die ich auf meinem Mac lokal mounten kann (das gilt eigentlich für alle oben genannten), nutze ich aktuell das Werkzeug Unison um die Dateien offline verfügbar zu machen. Nachdem die Replikation nicht immer ohne Fehler läuft, muss man das Werkzeug leider immer von Hand starten. Da suche ich noch eine bessere Lösung.

Kalender / Kontakte

Hier haben wir viel mit Synchronisation zu und von Google ausprobiert – z.B. mit dem Werkzeug Spanning Sync. Ausserdem haben wir verschiedene Groupware-Tools, z.B. eGroupware ausprobiert. Das war aber alles nicht voll befriedigend. Im Ende sind wir im Team nun doch wieder bei einem Exchange-Server angekommen.

 

Mehr zu den Diensten, die wir zur Unterstützung von Zusammenarbeit nutzen in einem späteren Post. Kommentare und Anregungen zu den hier aufgeworfenen Herausforderungen sind natürlich immer willkommen – insbesondere eine Lösung für das offline-Verfügbarmachen von gemounteten Verzeichnissen …

, , , , , ,

Keine Kommentare

Digitale Verdrängung

Im Online-Angebote der Süddeutschen Zeitung gab es Anfang dieser Woche einen interessanten Beitrag in vierzehn Teilen zum Titel “Vom Internet Verweht – Digitale Verdrängung”.

Im Beitrag werden zu vierzehn Themen die aktuelle Entwicklung (kurz und prägnant) dargestellt und jeweils eine Prognose abgegeben. Natürlich sind die Aussagen teilweise trivial bzw. die Darstellung ist etwas überzeichnet, die Sammlung der vierzehn betrachteten “Themen” und der dazugehörigen Prognosen finde ich aber trotzdem sehr interessant:

  • Telefonbücher werden auch in Deutschland aus Kostengründen nur noch auf Wunsch verteilt werden.
  • Handschrift wird weiterhin in der Schule gelehrt, doch im Alltagsgebrauch spielt sie für die jüngere Generation bald kaum mehr eine Rolle. Die fehlende Übung wird zudem das Schriftbild der meisten Menschen immer unlesbarer machen.
  • Familienabende gibt es weiterhin – jedoch werden diese unabhängig vom Fernsehprogramm stattfinden. Videostreaming und das gemeinsame Konsolenspiel werden das Ritual der festen Fernsehzeit ablösen.
  • Respekt vor Autoritäten: Die Transparenz des Internets macht einstige Instanzen zu Menschen – und damit entsprechend angreifbarer. Wir werden uns daran gewöhnen.
  • Konzentration: Die “MTV-Generation” der neunziger Jahre wird uns bald wie ein Kloster voller Zen-Mönche vorkommen. Die zerstückelte Aufmerksamkeit wird auch unser Denken massiv verändern, das schnelle Prüfen kleiner Informationshappen auf ihre Relevanz entwickelt sich zum zentralen Punkt unserer Wahrnehmung.
  • Überraschungen bei Klassentreffen: Durch die digitale Vernetzung wird jede Status-Aktualisierung zu einem kleinen Klassentreffen. Wir altern gemeinsam.
  • Fanzines: E-Zines oder Sammelblogs haben Fanzines bereits heute weitestgehend verdrängt. Einfacher zu bedienende Web-Editoren werden deren Layout künftig noch individueller gestaltbar machen.
  • Urlaub im Unbekannten: Die minutiöse Planung des Urlaubs über das Netz lässt keinen Platz für Überraschungen – bald wissen wir schon vor der Anreise, welche Hobbys der Portier unseres Hotels hat.
  • Faxgeräte: Sobald sich ein Standard für den rechtssicheren Versand von E-Mails entwickelt hat, dürften Faxgeräte zum Elektroschrott gehören
  • Videotheken: Sobald Komplettsysteme im Heimentertainment-Bereich bezahlbar sind, dürften es Videotheken vor allem in Gegenden mit guter Breitbandverbindung sehr schwierig haben.
  • Platten- und CD-Läden: Platten- und CD-Läden werden nicht aussterben, aber in wenigen Jahren ein Nischendasein fristen oder zu Hörcafés mit Download-Möglichkeit werden.
  • Schulbücher: In wenigen Jahren dürften Schulkinder ihre Bücher digital erhalten – das entsprechende Lesegerät könnte auch als Schreibgerät fungieren, wodurch auch Schulhefte überflüssig würden.
  • Privatsphäre: In den USA wird Privatsphäre bereits in Kürze keine Rolle mehr spielen. Europäer sind vorsichtiger, dennoch sind über den Einzelnen bald immer mehr Informationen im Netz auffindbar. Wer im Netz nicht existiert, wird bei potentiellen Arbeitgebern künftig Misstrauen erwecken.
  • 15 Minuten Ruhm: Jeder kann künftig blitzschnell in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken – und genauso schnell wieder daraus verschwinden.

, ,

Keine Kommentare

Der Zehnkampf des Hochschullehrers

Das Jahr 2009 war geprägt von einer intensiven Diskussion der aktuellen Universitätsreformen in der Lehre – Stichwort Bachelor/Master. Dabei ging fast unter, dass in den letzten Jahren eine andere Umwälzung an den Universitäten in Gange ist – Stichwort Elitefindung und leistungsgerechte Bezahlung. Zentral dabei ist die Evaluation von Universitäten und Universitätsprofessoren. Und auch wenn da viel über die Qualität von Lehre geschrieben wird, so gibt es an Unis eigentlich nur ein Maß, welches von der Politik gepusht und von den Hochschulleitungen willig übernommen worden ist: Die Menge und Qualität von Veröffentlichungen (nach ganz bestimmten Bewertungsmassstäben / Rankings).

In diesem Zusammenhang wird immer wieder gerne auf den englischsprachigen Raum verwiesen, in dem das ja schon seit langem “erfolgreich” praktiziert wird, und an dem man sich orientieren muss. Wenn man aber etablierte Mitspieler aus dem amerikanischen Hochschulsystem fragt, wie sie die aktuellen Entwicklungen in Deutschland finden (z.B. hinsichtlich Kriterien bei Berufungen), dann hört man von denen, dass das mal wieder “typisch Deutsch” sei. Nirgendwo sonst ist alles so auf eine Kennzahl fokussiert wie bei uns.

Prof. Dr. Peter Mertens von der Universität Erlangen Nürnberg hat sich dieses Themas angenommen und ein sehr schönes Essay dazu verfasst, das er am 9.11.2009 an der WU Wien vorgetragen hat:

zehnkampf-des-hochschullehrers.pdf

Die zehn Disziplinen, die Mertens identifiziert, und von denen häufig leider nur eine massiv als Kennzahl zur Bewertung herangezogen wird, sind:

  1. Lehre, Betreuung von Studierenden, darunter Beschaffung von Praktikantenplätzen im In- und Ausland
  2. Erarbeiten von Lehrbüchern und anderen Lehrmaterialien
  3. Forschung und Ergebnistransfer in die Wissenschaft – Veröffentlichung in wissenschaftlichen Organen, auch international, Kongresse
  4. Forschung und Ergebnistransfer in die Praxis – Veröffentlichung in Praktikerorganen, Vorträge, (MBA-)Kurse, Kooperationsprojekte, Patente, Lizenzen
  5. Forschung und Ergebnistransfer in Politik und Gesellschaft – Mitwirkung in Gremien, Politikberatung, Auftritt in Medien
  6. Standortförderung, Hilfe bei Unternehmensgründung („Spin-offs“) und deren Nutzung für die Ausbildung von Studierenden
  7. Selbstverwaltung in der Universität
  8. Selbstverwaltung in der Fachgemeinschaft – Gremien, Herausgeberkreise von Fachzeitschriften, vielfältige Gutachten
  9. Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses
  10. Drittmittelakquisition

Ganz vollständig ist diese Liste meiner Meinung nach leider auch noch nicht. Es fehlt mir eine elfte Disziplin, die auch viel Energie und Erfahrung erfordert: “Projekt- und Personalmanagement”. Man könnte argumentieren, dass das doch “nur” ein Unterpunkt zu “10) Drittmittelakquisition” sei. Ich sehe aber einen deutlichen Unterschied zwischen der Akquise von Projekten und deren erfolgreicher und effizienter Durchführung (und des damit verbundenen Zeit/Ressourcen und Personalmanagements).

Interessant finde ich neben der Fokussetzung auf wenige dieser Disziplinen in den Bewertungsmaßstäben auch die Fokussetzung beim Aus- und Weiterbildungsangebot für Hochschullehrer. Wo – ausser vielleicht am guten Vorbild der eigenen akademischen Lehrer – lernt man denn an heutigen Universitäten etwas zu effizientem Management, zu Lehre oder zu gutem Ergebnistransfer in die Praxis und Gesellschaft? Aber das hängt ja zusammen – eine andere Anreizsetzung würde auch zu einer veränderten Nachfrage und einem veränderten Angebot bei diesen Punkten führen.

, , ,

Keine Kommentare