Archiv für Juli, 2009

Buchkommentar – How Professors Think

Das Buch (“How Professors Think – Inside the Curious World of Academic Judgment” von Michele Lamont hat mich gleich vom Titel her sehr angesprochen. Das wollte ich nämlich schon immer wissen ;-)

Michele Lamont ist Soziologin (Ethnographin) an der Harvard University und stellt in diesem Buch ihre Forschung zum Verhalten von Wissenschaftlern beim Peer Review dar. Es geht also um Kulturen, konkret “evaluative cultures”. Dazu studiert Lamont die Mitglieder (bzw. die Entscheidungsprozesse) in interdisziplinären Evaluierungs-Panels (Forschungsförderung).

“(…) criteria for assessing quality or excellence can be differently weighted and are the object of intense conflicts. Making sense of standards and the meanings given to them is the object of this book.” (S. 2)

“Most of all, I want to open the black box of peer review and make the process of evaluation more transparent, especially for younger academics looking in from the outside.” (S. 12)

Das Buch liefert also die Dokumentation einer wissenschaftlichen Arbeit, die aber sehr schön aufbereitet und mit viel Erkenntnis für alle erzählt ist. So finden sich viele aufschlussreiche Einblicke in die Unterschiede der betrachteten Disziplinen (die Kulturen der Disziplinen). Konkret werden betrachtet: philosophy, english literature, history, anthropology, political science und economics.

Bei der Diskussion der Entscheidungsfindung wird auch sehr ehrlich (und ausführlich mit Zitaten belegt) eingegangen auf Machtspiele, Klatsch und Netzwerke.

Nachdem das Hauptziel von Lamont ist darzustellen, was Exzellenz (in den unterschiedlichen Disziplinen) ist – bzw. wie sie von den Panels gefunden wird, darf auch eine Gegenüberstellung der Kriterien für Exzellenz bzw. Qualität in den unterschiedlichen Disziplinen nicht fehlen. So sind die Kriterien clarity, quality, orginality, significance, methods und feasibility unterschiedlich gewichtet in humanities, history und social sciences (S. 167).

Insgesamt liefert das Buch also eine schöne, teilweise etwas zu ausführliche, ethnographisch fundierte Anleitung zum Schreiben von Anträgen und viele interessante, durch Zitate belegte Einblicke in die Welt von Evaluierungspanels.

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Kollaborative Literaturverwaltung

Literaturverwaltung, d.h. das Erfassen und Annotieren von Referenzen zu einem Gebiet, ist eine wichtige Aktivität im Rahmen wissenschaftlicher Arbeit. Dabei wird oft auf Desktop-Lösungen wie z.B. Endnote zurückgegriffen. Man kann damit sehr schön für sich selbst Informationen zu Litaraturreferenzen erfassen, Notizen dazu machen, eventuell sogar PDF-Dateien speichern und Literaturverzeichnisse generieren.

Was aber nicht geht ist die Zusammenarbeit – weder als enge Zusammenarbeit, d.h. gemeinsam ein Buch schreiben und die Literatur dazu parallel erfassen – wir haben das mal mit Endnote und Kopien von Datenbanken versucht – geht aber nicht wirklich gut – und schon gar nicht lose Zusammenarbeit, d.h. Information darüber, was Kollegen so lesen, das gemeinsame Erschließen von Literatur zu einem Thema, das Austauschen von Literatur(-referenzen).

Es gibt nun ein paar Web-basierte Lösungen, die beide Ziele integrieren. Die bekanntesten sind CiteULike und Bibsonomy. Ich habe vor zwei Jahren schon mal einen Beitrag zu diesem Thema geschrieben.

Folgender aktueller Open Access Artikel beschreibt verschiedene Dienste etwas näher: http://www.ploscompbiol.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pcbi.1\
000204

Ich möchte hier aber einen dritten aufstrebenden Dienst vorstellen, mit dem wir gerade einige gute Erfahrungen gemacht haben: mendeley.com.

Was kann Mendeley:

  • Desktop-Client, mit dem ich Literatur und Kommentare sowie PDFs erfassen kann und Literaturverzeichnisse für Word etc erstellen kann (also wie Endnote)
  • Synchronisation der Daten mit einem zentralen Server – d.h. Zugriff von überall her über Web-Schnittstelle, Synchronisation auf verschiedene Rechner
  • Selektive Veröffentlichung der Daten auf der Web-Plattform – z.B. eigenes Literaturverzeichnis oder Readinglisten für alle (unter einer URL zugänglich) – z.B. meine “public
    collection” zu CSCW
    oder meine Publikationen

  • Definition von Gruppen – D.h. Gruppe von Personen kann gemeinsam an einer Sammlung von Referenzen arbeiten und hat Zugriff auf PDFs und Kommentare aller

Wir nutzen Mendeley aktuell z.B. für folgende Szenarien:

1) “Normale/Individuelle Wissenschaftliche Arbeit”:

Erfassung und Verwaltung der Referenzen für die eigene wissenschaftliche Arbeit mit dem Offline-Client.

2) Eigene Veröffentlichungen:

Grundidee:

  • Auf Website wird auf öffentliche Liste verwiesen / eingebunden
  • D.h. ich muss website nicht mehr pflegen, schiebe nur auf meinem Client eine Veröffentlichung in den Ordner und sie erscheint sofort da wo sie soll

Aktuell geht das mit Mendeley “nur” als öffentliche Literaturliste wie meine “public collection” zu CSCW. Sobald Mendeley RSS/JSON Feeds anbietet (ist angekündigt), dann sind Lösungen möglich wie wir sie aktuell mit Bibsonomy realisieren: Interaktiv durchsuchbare Liste der Veröffentlichungen der Forschungsgruppe CSCM.

3) Projekt

  • Einrichten einer “shared group” für Projekt – Teilnehmer direkt einladen
  • relevante veröffentlichungen von privater bibliothek direkt da rein kopieren (Drag and Drop)
  • damit stehen die (und auch die PDFs) allen zur Verfügung und können von allen annotiert und getagged werden

4) Diplomarbeiten – spezielle Form eines Projektes

Wir nutzen 3) gerade viel in Diplomarbeiten. Zuerst zur schnellen Bereitstellung der Einstiegsliteratur – einfach von Gruppe für Diplomarbeit anlegen, Diplomanden einladen und Literaturreferenzen (mit PDFs) aus eigener Bibliothek in die Gruppe ziehen. Dann kann der
Diplomand seine Literaturverwaltung mit Mendeley machen und über die Gruppe zurückkommunizieren, was er gefunden hat. Damit kann dann auch die von Diplomanden gefundene Literatur einfach in die eigene Literaturliste zurückgeführt werden.

Hat noch jemand andere Nutzungsszenarien ausprobiert / Erfahrungen
mit Werkzeugen zur Literaturverwaltung gesammelt?

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Buchkommentar – The Black Swan

Seit Weihnachten (2008) liegt “The Black Swan” von Nassim Nicholas Taleb schon auf meinem “Still-to-read” Stapel. Ein “New York Times Bestseller” wie es auf dem Cover heisst.

Gleich zum Titel: Es geht um “The Impact of the Highly Improbable”, also um die Auswirkung von Ereignissen, die sich nicht aus bisherigen Beobachtungen ableiten lassen – und warum der Mensch Probleme damit hat. “Black Swan” steht für solche Ereignisse, da man früher dachte es gäbe keine schwarzen Schwäne, alle Beobachtung sprach dagegen, bis dann die ersten aufgetaucht sind.

“A black swan is a highly improbable event with three principal charateristics: It is unpredictable; it carries a massive impact; and, after the fact, we concoct and explanation that makes the event appear less randm, and more predictable, than it was.”

Auch wenn das Buch auf andere Bereiche fokussiert, kann man sehr viel über Wissenschaft (und wie man sie nicht betreiben sollte) lernen.

So ist eine wichtigen Aussagen im Buch, die Menschen leider immer wieder vergessen/verdrängen: Eine Theorie lässt sich nicht durch das Finden von (beliebig vielen) Positivbeispielen beweisen – sie lässt sich aber durch das Finden von (einem einzelnen) Negativbeispiel widerlegen. So ist die intensive Suche nach Negativbeispielen, die erfolglos bleibt, ein besseres Indiz für die Wahrheit einer Theorie als die erfolgreiche Suche nach Positivbeispielen.

Gesetze/Regeln sind nur Modelle für (vergangene) Beobachtungen. Die nächste Beobachtung kann sie falsivizieren.

“We learn from repetition – at the expense of events that have not happened before. Events that are nonrepeatable are ignored before their occurence, and overestimated after (for a while).” (S. 78)

Ein anderer Aspekt, den Taleb aufgreift ist die bekannte aber immer wieder vergessene Verzerrung/Ausrichtung (“bias”), den einige (viele!) der Stichproben aus denen wir lernen haben … Insbesondere, da wir die Stichproben in unserem “normalen Leben” nicht wissenschaftlich korrekt auswählen. Interessant sind hier auch verschiedene Querverweise auf Erkenntnistheorie und Empirismus (und auf den Philosophen Hume).

Auch auf die Probleme, die Menschen mit Schätzen und Vorhersagen haben geht Taleb ein.

Zum Schätzen ist interessant, dass unabhängig vom Umfang des Wissens über ein Gebiet auf jeden Fall die Einschätzung der Qualität der eigenen Schätzung häufig gleich falsch liegt (nicht die Schätzung selbst, sondern die Aussage über die Qualität der Schätzung).

Vorhersagen zu vielen Themen sind nach Taleb wegen der Schwarzen Schwäne nicht möglich. Bzw. die realistische Unsicherheit in der Vorhersage übertrifft den vorhergesagten Wert und macht so die Vorhersage wertlos. Menschen denken trotzdem sie könnten gut vorhersagen. Das liegt wieder daran, dass wir vieles von hinten betrachten. Hinterher lassen sich meist gute Begründungen finden. Diese sind aber das nächste mal nicht unbedingt wieder gültig.

Ein weitere Grund warum Menschen häufig annehmen sie könnten Vorhersagen treffen ist laut Taleb der Umstand, dass sie annehmen, dass die vorherzusagenden Ereignisse Gauss-verteilt sind. Leider sind sie das aber meist nicht, sondern fraktal verteilt.

Eine der Schlussfolgerungen von Taleb: “Invest in preparedness not in prediction” (S. 208)

In Summe ein sehr spannendes Buch, das zum Nachdenken anregt.

Zum Abschluss noch ein weiteres schönes Zitat aus dem Buch: “The world is far, far more complicated than we think, which is not a problem, except when most of us don’t know it.” (S. 135)

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WM im Militärischen Fünfkampf im September

Für alle Sport-Interessierten: Von 3.9. bis 10.9.2009 findet am Campus der Universität der Bundeswehr in Neubiberg bei München die Weltmeisterschaft im Militärischen Fünfkampf statt.

Von meinen letzten Erfahrungen bei der Europameisterschaft kann ich vor allem die Disziplinen Hindernissbahnlauf und Hindernissschwimmen empfehlen. Echt spektakulär. Hindernissbahnlauf wird am Sa 5.9. 10-18 Uhr statt finden – mit Familien-Rahmenprogramm – sowie als Staffel am 10.9., Hindernissschwimmen am So 7.9.

Und wer gerne feiert und Uniformen aus den unterschiedlichsten Ländern dieser Erde sehen will, der darf die Abschlussveranstaltung nicht verpassen – die Bundeswehr-Big-Band ist einfach sehens- und hörenswert.

Hier die interessantesten Programmpunkte:

  • Do 3.9. b 18 Uhr Eröffnungsveranstaltung
  • Sa 5.9. 10-18 Uhr Hindernissbahnlauf – mit Rahmenprogramm
  • So 7.9. 9-13 Uhr Hindernissschwimmen im Freibad Unterhaching
  • Do 10.9. 8-14 Uhr Staffel Hindernisslauf
  • Do 10.9. ab 16 Uhr Siegerehrung
  • Do 10.9. ab 20:30 Uhr Abschlussfeier mit der Big Band der Bundeswehr

Das vollständige Programm ist unter http://www.military-pentathlon.de/ zu finden.

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Erste Nerd Nite München

Ein Beitrag aus der Kategorie “Veranstaltungsberichte”.

Gestern stieg in München Schwabing (genauer gesagt in der ) die erste “Nerd Nite München”. Die Veranstaltung, die rein über facebook (und andere SNS) und twitter beworben wurde, knüpft an entsprechende Veranstaltungen in den USA an, bei denen Nerds, also Spezialisten (zumindest) auf einem Gebiet, in entspannter Baratmosphäre kurz über ihr Spezialgebiet berichten und sich einer Diskussion stellen.

Bei der ersten Münchner Instanz der Veranstaltung berichtet Jörg Bochmann, Max-Planck-Institut für Quantenoptik zu “Viel Lärm um Nichts – Lichtquanten, die Schellingstraße und überhaupt”, Ildiko Meny, Institut für medizinische Psychologie der LMU München zu “Nachtaktiv?: die innere Uhr und unser Schlafverhalten” und Georg Groh, Informatik der TU München zu “mobile social networking”.

Insgesamt sehr gelungen! Unterhaltsame Vorträge bei denen man auch noch was lernen konnte. Ich bin gespannt auf die zweite Instanz, die im August oder September folgen soll.

Siehe auch http://www.sub-bavaria.de/wiki/Nerd_Nite

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