Archiv für Juli, 2008

Serena Enterprise Facebook

In einem aktuellen Beitrag in seinem Blog dokumentiert Andrew McAfee das Beispiel der Nutzung von Facebook als Intranet und SNS bei der Firma Serena in Form einer Fallstudie.

Mal abgesehen davon, dass ihm damit insgesamt eine gut strukturierte Enterprise 2.0-Fallstudie gelungen ist (ich habe sie deshalb natürlich auch gleich in unsere Fallstudiensammlung aufgenommen), beinhaltet der Text gleich ein paar Aussagen, die zur Diskussion anregen – Hier ein paar Kommentare und Zitate dazu:

Ein Vorteil der Nutzung eines offenen SNS sei “our employees can easily get involved in pushing it out to their Facebook friends, if they want to.” – D.h. die Firmenangehörigen können sehr leicht für die Firma werben und werden so viel leichter zu Fürsprechern der Firma.

“it’s quite addictive for those of us who use it often”

Konzept zur Einführung: “take an hour off of your day on Firday toupdate your profile” – und das organisiert für die ganze Firma (850 Angestellte in 18 Ländern). Am ersten “Facebook Friday” schaffte es Serena innerhalb von 24 Stunden Profile von über 50% der Mitarbeiter zu bekommen.

Im Zusammenhang mit Motivation sind auch die Beispiele interessant, in denen Mitarbeiter, die bisher noch nicht in offenen SNS aktiv waren, durch das Firmen-getriebene Engagement auch private Nutzungsmöglichkeiten gefunden haben:

One person just told me yesterday how excited he was to have found a childhood friend on Facebook who now lives in Turkey. He is planning to visit his friend on his next vacation. Other employees have been pleasantly surprised at how it helps them interact with their children better. Our Head of HR in Europe uses Facebook to communicate with her daughter.

Insgesamt also sehr lesenswert …

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scholarz.net-Präsentation@UniBwM

Wie angekündigt war heute Daniel Koch, der Projektleiter von scholarz.net an der UniBwM um die Plattform und die Aktivitäten zu präsentieren.

Ich fand die Präsentation sehr interessant. Vor allem kam für mich dabei heraus, dass der Fokus (und die Herkunft) von scholarz.net eindeutig bei der Unterstützung des Wissensmanagements beim wissenschaftlichen Arbeiten liegt. Deshalb ist der Hauptteil der Plattform auch eine Verwaltung von Notizen zu Projekten, Quellen (sources) und Keywords. Und hier bietet die Plattform einige sehr innovative und nützliche Funktionen.

Der Social-Networking-Service-Aspekt steht eher im Hintergrund. Daniel Koch führte zwar aus, dass ein wichtiger Motivator ihrer Plattform war, dass es keine (zentrale) Stelle gibt, an/auf der man sich als Wissenschaftler präsentieren kann (mit Veröffentlichungen etc) – und dass scholarz.net das leisten will (mit einem auf Wissenschaftler abgestimmten Personenprofil), das ganze ist aber noch sehr “halbherzig”. So stiess mein Einwurf, dass SNS mehr als Finden und Präsentieren leisten, dass nach unserer Studie die meist geschätzte Funktionalität das “in Kontakt bleiben”/”informiert bleiben” sei auf grosses Interesse – und die Anregung eines Awareness-Feeds zu wissenschaftlichen Aktivitäten seines Netzwerkes wurde als tolle (neue) Idee aufgenommen ;-)

Leider ist die SNS-Funktionalität momentan sehr “monolitisch”. Man kann zwar Veröffentlichungen importieren und notfalls auch wieder exportieren, es ist aber (noch) keine Integration in Portale von Universitäten oder mit anderen Social Software Plattformen vorgesehen. Das wäre aber meiner Meinung nach unbedingt notwendig um das Ganze zum Fliegen zu bringen.

Interessant am Rande: Die Plattform ist mit Ruby and Rails entwickelt – von einem Team von vier Personen – im Rahmen eines Forschungsprojektes, das noch bis Ende 2008 läuft. Für die Zeit danach wird momentan ein Weg zur Weiterführung gesucht.

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Motivation bei Social Software

Es wird ja viel über Motivation berichtet – und dass es sich dabei um einen wichtigen Erfolgsfaktor für Social Software handelt (gerade in Unternehmen – Enterprise 2.0). Oft wird dabei zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation unterschieden.

Auf einem Projekttreffen des Projektes Open-I habe ich einen anderen/zusätzlichen interessanten Ansatz zur Katgorisierung/Konkretisierung des Motivationsbegriffes gehört. Berichtet hat Frau Anja Schiepe vom Lehrstuhl für Psychologie an der TUM. Eigentlich ging es nicht um Motivation bei Social Software, sondern eher um Motivationsaspekte im Open Innovation Prozess (“Motivation für Innovation”) – aber am Ende ist das gar nicht so unterschiedlich.

Interessant war dabei ersten das Basismodell der Motivation: Motive bei Personen sorgen im Zusammenspiel mit der Situation in der sich die Personen befinden (der Plattform auf der sie arbeiten) für Motivation, welche sich dann wieder auf das Verhalten (der Personen) auswirkt. Der Bereich Motive von Personen wird dabei in drei Teilbereiche aufgeteilt: 1) Leistung (als Motiv), 2) Macht (als Motiv), 3) Anschluss (als Motiv). Die Plattform/Situation in der die Motivation gebraucht wird, muss nun zu den Motiven der Personen, die mit der Plattform arbeiten, passen/diese unterstützen. Erst dann gibt es Motivation. Beim Entwurf von Plattformen kann/soll man also diese drei Motivklassen näher anschauen.

Diese Unterteilung der Motive gefällt mir sehr gut. Ich glaube, dass man damit sehr gut Funktionalitäten / Eigenschaften von Plattformen ableiten kann. Natürlich werden die Motive in der Realität selten in Reinform auftreten – die Unterteilung hilft aber Funktionalitäten klarer herauszuarbeiten.

Anja Schiepe hat auch noch Bespiele präsentiert, wie im Bereich “Motivation für Innovation” die Unterstützung der einzelnen Motive aussehen könnte:

  • Leistungsmotiv
    • eigene Aufgaben
    • Qualitatives Feedback
  • Anschlussmotiv
    • Community Gedanke
    • Chat
  • Machtmotiv
    • “Innovator des Monats”
    • öffentliche Rangliste

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Ethik und Moral

“Ethik im Unternehmen – erfolgreich durch Denken” war der Titel eines von der Interface AG organisierten Vortrages des Philosophen Klaus-Jürgen Grün, dem ich am 26.6. beiwohnen durfte.

Den ganzen Vortrag wiederzugeben wäre etwas zu viel verlangt – nachdem ich nicht live mitgeschrieben, sondern eher mitgedacht und mitgezweifelt habe … – ausserdem gibt es eine gute Beschreibung zum Vortrag von Herrn Grün auf dem IF-Blog. An dieser Stelle also “nur” für mein “Mikrocontentmanagement” ein paar bedenkenswerte / aufschreibenswerte Schnippsel aus dem Vortrag.

Zuerst hat Herr Grün versucht Moral und Ethik grundsätzlich zu definieren. Dabei habe ich mir gemerkt:

  • Moral = Zwänge (etwas zu tun) + Tabus (etwas nicht zu tun)
  • Ethik ist die (strukturierte) Beschäftigung mit Moral

Zur Erklärung des Ganzen ist er viel auf Immanuel Kant und dessen kategorischen Imperativ eingegangen. Ich habe mir dabei gemerkt, dass hier eine “moralische Handlung” als eine Handlung definiert wird, die nicht aus irgendwelchen (egoistischen) Beweggründen ausgeführt wird (sicher stark vereinfacht …).

Das Problem an dieser Definition ist aber nun, dass Menschen nach Meinung einiger Soziologen grundsätzlich egoistisch handeln – auch scheinbar “selbstlose” Handlungen haben immer einen “egoistischen Kern” – z.B. den egoistischen Wunsch nach Anerkennung etc.

Mit dem Beispiel des Hippokratischen Eides der Mediziner – als erstes Beispiel einer Unternehmens/Berufsgruppenethik – ist mir aber klar geworden, dass es noch mehr gibt. Berufsgruppen/Unternehmen können sehr wohl gewisse Versuchungen, denen sie unterliegen tabuisieren und damit eine Vorteil für den Berufsstand, das Unternehmen oder die Gesellschaft als ganzes (und damit wieder den Berufsstand und das Unternehmen) erzielen.

Hierzu passt auch die Argumentation Grüns, dass sich Moral aus der Versuchung definiert, in der wir uns befinden/sehen – aber von der wir ahnen, dass es nicht gut ist (für uns, für die Gesellschaft) – von der wir uns schützen wollen.

Interessant war auch die Diskussion darüber, dass viele Aspekte der (Unternehmens-)Moral heute in Gesetzen festgeschrieben werden. Damit werden sie aber zu sehr generalisiert. In jedem Unternehmen sind die zuvor beschriebenen Versuchungen anders – und damit sind auch in jedem Unternehmen andere Zwänge und Tabus notwendig.

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Forschungsanträge und Meteorologie

Auf dem Academics-Blog gab es letzte Woche einen spannenden Beitrag zu “Was Forschungsanträge mit Meteorologie zu tun haben”.

Der Beitrag behandelt ein Grundproblem deutscher und europäischer Forschungsförderung: Eine Förderung kann nur dann (Erfolg versprechend) beantragt werden, wenn eine präzise Fragestellung und möglichst auch schon Skizzen der (möglichen/wahrscheinlichen) Ergebnisse und der Verwertung der Ergebnisse vorliegen.

Nun stellt aber die Präzisierung einer Fragestellung allein schon einen erheblichen Teil einer Forschungsarbeit dar! Wenn man voraussagen könnte, was das Ergebnis einer Forschungsarbeit sein wird, dann bräuchte man die Arbeit eigentlich gar nicht mehr. In oben zitiertem Beitrag wird das am Beispiel von Albert Einstein veranschaulicht: “Konnte Albert Einstein vor seinen Forschungen etwas beschreiben wie „Ich plane mit Unterstützung folgender Mitarbeiter … ein dreijähriges Forschungsprojekt, an dessen Ende ich die Formel E=m ∙ c² entdeckt und damit die allgemeine Relativitätstheorie begründet haben werde. Hierzu benötige ich x Schweizer Franken und 3 Vollzeitstellen… “ ?”

Glücklicherweise ist die Welt nicht komplett schwarz …

Einerseits sehen die Projektbetreuer bei den Fördermittelgebern die Situation häufig recht realistisch und erlauben eine flexible “Anpassung” des Forschungsplanes, der Forschungsziele. Warum muss man das dann aber am Anfang überhaupt so ausführlich beschreiben? Das sind ziemlich viel verschwendete Ressourcen. Im Endeffekt beantragt man so Projekte für etwas, das man schon gemacht hat, um im Projekt etwas neues erarbeiten zu können, das man dann wieder als Basis des nächsten Antrages verwenden kann. Schönes System ;-) Es ist nur sehr schwierig da rein zu kommen.

Andererseits gibt es einige (wenige) pragmatische Fördermittelgeber, die auch ohne ausführliche Anträge in denen schon alle Ergebnisse beschrieben werden, für gute Ideen und gute Konsortien Mittel zur Verfügung stellen.

Was hat die Diskussion aber nun mit Meteorologie zu tun? In anfangs zitiertem Beitrag heisst es dazu: “Forschungsergebnisse lassen sich bei guter Forschung zum Glück nicht vorhersagen wie das Wetter und selbst dies – die Meteorologen werden mir verzeihen – klappt ja nur bedingt.”

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