Archiv für März, 2008
Six Degrees …
Six Degrees of Separation oder Kleine-Welt-Phänomen – hinter diesem Begriff steckt die von Stanley Milgram in den 1960er Jahren aufgestellte These, dass jeder Mensch mit jedem anderen Menschen über maximal sechs Ecken (oder durchschnittlich?) miteinander in Beziehung steht.
Grundlage der Orginalveröffentlichung war ein sehr kleines Experiment mit “sozialer Briefzustellung” in Amerika.
In den letzten Tagen sind mir gleich zwei interessante neue Ergebnisse/Kommentare dazu in die Hände gefallen. So berichtet Robert Basic über eine Studie, die Daten des Microsoft Messenger auswertet (Juni 2006, 30 Milliarden Konversationen zwischen 240 Millionen Personen) – Hier kam raus, dass die durchschnittliche Entfernung 6,6 beträgt … Finde ich eher eine Bestätigung als eine Widerlegung der Ursprungsthese. Ich muss mir unbedingt die Orginalveröffentlichung dazu anschauen.
Eine ausführlicher neuerer Kommentar zum Thema des Kleine-Welt-Phänomens findet sich in “Die ganze Wahrheit über Social Networks” bei macophilia. Unter anderem wird hier auch betont, dass die Six-Degrees nur auf der Eigenschaft sozialer Netzwerke beruhen skalenfrei zu sein (d.h. es gibt Hubs). Dazu wird auch das Buch “Tipping Point” von Malcom Gladwell zitiert.
Gladwell geht in seinem Buch u.a. auf die Informationsübermittlung und Zusammenarbeit in Communities und Netzwerken ein und nennt drei wichtige Typen von Rollen für Mitglieder: Mavens, Salesmen und Connectors. Die Rollen sind sehr hilfreich, wenn es darum geht zu reflektieren, wie der Wissensaustausch in und zwischen Communities funktioniert und welche Unterstützungsmöglichkeiten dafür angeboten werden könnten und sollten.
- Mavens: Mit „maven“ (engl. für „Kenner“) sind die Mitglieder einer Community gemeint, die in einem bestimmten Bereich Expertenwissen besitzen. Das sind z.B. die Personen, die man fragt, wenn man eine Kaufentscheidung treffen will.
- Salesmen: Diese Rolle sorgt dafür, dass die Tipps von Mavens zur Meinung einer größeren Masse von Menschen werden. Salesmen (engl. für „Verkäufer“) besitzen vielleicht kein Expertenwissen, können aber Empfehlungen so begeistert weitergeben, dass sie von den Empfängern gerne aufgenommen werden.
Im Gegensatz zum Maven weiß der Salesman nicht, welche Produkte wirklich unter bestimmten Kriterien die Besten sind. Wenn er aber von einem Produkt begeistert ist (und dazu muss er es noch nicht einmal gekauft haben), dann wird er dies weiter erzählen und seine Begeisterung weitertragen. - Connectoren: Zu guter letzt braucht man noch Personen, die Trends aus einer Community heraus in eine andere tragen. Connectoren sind dazu in verschiedenen Gruppen und wandeln Information aus einer Gruppe in Informationen um, die für die andere Gruppe relevant ist. Das sind also die “Hubs”.
Den Connector macht nicht nur aus, dass er Mitglied in den verschiedenen Gruppen ist, sondern
er muss auch die Fähigkeit haben, Leute und Ideen aus den verschiedenen Bereichen zusammen zu bringen.
Gruban (2001) beschreibt in diesem Zusammenhang folgendes Beispiel: Hat sich durch Mavens und Salesmen in einer Gruppe von Technikbegeisterten herumgesprochen, dass ein bestimmtes Mobiltelefon besonders interessante Funktionen hat, so bleibt diese Information zunächst in dieser Gruppe. Bekommt aber der Connector mit, dass sich in der Theatergruppe jemand ein Mobiltelefon kaufen will, so besinnt er sich auf die Gespräche in der Technikgruppe und empfiehlt demjenigen ein Gerät, das auf seine Anforderungen – im Gegensatz zu den Spielereien, die einem Techniker wichtig sind –passt.
Partnerbörsen
Verfasst von kochm unter Social Software am 15.3.2008
Im Rahmen eines anderen Projektes (dazu vielleicht in ein paar Monaten mehr) sind wir heute auf Partnerbörsen zu sprechen gekommen (ala Parship, love.de, …) … und darauf, ob man (ohne zweites “n”!) da auch registriert ist, wenn man in festen Händen ist. Ich war ja der Meinung, dass sich das nicht gehört – wurde aber von den anderen Anwesenden als “altmodisch” abgetan – vor allem die anwesenden Frauen meinten, dass das eher häufiger vorkommt (das “latente Suchen”). Habe mich aber nicht getraut zu fragen, ob sie das selber so machen oder bei Ihren Partnern so kennen gelernt haben … ;-)
Gibt es dazu eigentlich irgendwo Studien? Wäre schon mal interessant.
Btw: In Zusammenhang mit unseren Arbeiten zu Social Networking Services (SNS) kommt auch immer wieder die Frage auf, ob den Online-Partnerbörsen auch SNS sind. Wie üblich ist die Antwort: Es kommt darauf an ;-) Nach den “etablierten” Definitionen zu SNS (siehe z.B. hier) ist ein Charakteristikum solcher Dienste, dass man sich explizit mit anderen vernetzen kann – und das ist bei vielen Partnerbörsen nicht der Fall. Ausnahmen bestätigen hier natürlich die Regel: Friendster, eine der Urgesteine auf diesem Markt hatte von Anfang an eine solche Funktion. Btw: Zu Friendster gibt es einige schöne wissenschaftliche Arbeiten/Untersuchungen – u.a. dazu, warum jemand, mit dem man viele Kontakte gemeinsam hat aber zu dem man selbst noch keinen Kontakt hat, nicht unbedingt ein guter Vorschlag für einen Date ist … (ich glaube das war ein Short Paper auf der CHI 2004 in Wien).
Simplicity
Was macht Apple-Produkte und Google-Web-Dienste so besonders?
Ein Cartoon auf http://stuffthathappens.com/blog/ bringt es auf den Punkt …
Diskontinuierliche Innovation – Part 2
Bitte zuerst Part 1 anschauen – falls nicht schon geschehen.
So – Und was hat das nun mit diskontinuierlicher Innovation zu tun?
Zuerst vielleicht einmal ein paar Worte dazu, was diskontinuierliche Innovation überhaupt ist … Hierunter versteht man größere Innovationssprünge, die über die iterative (kontinuierliche) Weiterentwicklung/Verbesserung von schon vorhandenen Konzepten/Ideen hinausgehen. Problem dabei ist, dass klassische Innovationsprozesse auf kontinuierliche Verbesserung ausgerichtet sind – u.a. dadurch, dass Ideen von den Fachexperten bewertet werden, die mehr auf Verbesserungen der etablierten Prozesse, das was sie kennen/beobachten, schauen als auf etwas ganz Neues/Unerwartetes. Diese Fachexperten sehen also meist den Gorilla nicht – und damit wären wir wieder bei Part 1, dem Video.
Mit meiner Kollegin Kathrin Möslein habe ich mir in einem Beitrag zur Wirtschaftsinformatik 2007 (siehe unten) Gedanken gemacht, was man da tun kann – wie man die Chance, dass eine Idee “ungeplanterweise” bei dem landet, der was damit anfangen kann, erhöhen kann – und natürlich wie man erreichen kann, dass Ideengeber überhaupt Ideen einreichen.
Unser Lösungsvorschlag besteht aus der Nutzung von grossen Wandbildschirmen an halböffentlichen Plätzen im Unternehmen zur “Visualisierung des Ideenpotentials im Unternehmen”. Also die Bereitstellung zusätzlicher “Fenster” in die oft schon existierenden Ideenmanagementsysteme. Dadurch kann einerseits ein Gewahrsein über Ideen (bei nicht fest bestimmten Empfängern) erreicht werden, andererseits unterstützt die Lösung auch die Wertschätzung für die Ideengeber (indem sie sichtbar sind/werden). Weitere Details dazu im Paper:
Michael Koch, Kathrin Möslein: Diskontinuierliche Innovation fördern – Die Rolle von Idea Mirrors zur Unterstützung von Innovation und Kooperation im Unternehmen. Proc. Tagung Wirtschaftsinformatik (1): S. 787-804, Universitätsverlag Karlsruhe, Karlsruhe, 2007.
PDF (789KB)
Die Idee wurde übrigens weitergeführt und inzwischen auch in Prototypen umgesetzt. Demnächst startet auch eine Evaluierung der “Idea Mirrors” in Unternehmen.
Btw: Der Werbeclip von Part 1 greift eine Studie der University of Illinois auf – siehe z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Unaufmerksamkeitsblindheit oder http://viscog.beckman.uiuc.edu/djs_lab/demos.html für weitere Information dazu.
Diskontinuierliche Innovation
Robert Basic hat mich mit seinem Beitrag unter dem Titel “13″ auf ein Testvideo aufmerksam gemacht, das ich schon aus anderem Kontext kannte …
Und was das Ganze mit “diskontinuierlicher Innovation” zu tun hat dann in einem weiteren Post – ich will ja niemanden vom Test ablenken ;-)
Persönliche Tageszeitung 2.0 – Feed Journal
Verfasst von kochm unter Fundgrube, Social Software, Web 2.0 am 1.3.2008
Dass man sich mit RSS-Feeds im eigenen Feedreader oder auf Portalen wie iGoogle oder netvibes quasi eine personalisierte Tageszeitung zusammenstellen kann ist ja nichts neues. Feed Journal geht aber einen Schritt weiter und formatiert die Artikel in ausgewählten Feeds mit Bildern “tageszeitungs-like” und liefert das Ergebnis als PDF-Datei. Echt nett. Zusammen mit einem Filter wie Yahoo Pipes genau das, was man unter einer personalisierten Tageszeitung verstehen würde.
Ich stelle mir allerdings die Frage, ob man das überhaupt noch braucht. Selbst habe ich mich an meine Feed-Reader schon ziemlich gewöhnt – und weiss die Vorteile eines Feed-Readers gegenüber einer gedruckten/gelayouteten Tageszeitung schätzen … Aber vielleicht bin ich nicht der Massstab für die Benutzer im Web ;-)
