Vertrauen – Allgemein und bei der Hochschulreform


Im Dezember-Heft der Zeitschrift Forschung und Lehre sind verschiedene (kurze) Artikel rund um das Thema “Vertrauen” abgedruckt. Nachdem Vertrauen auch in Social Software und speziell in Sozialen Netzwerken immer wieder als zentrale Zutat angesprochen wird, denke ich, dass das Thema auch hier im Blog von Interesse sein könnte und fasse hier einige meiner Meinung nach wichtige Aussagen zusammen.

Zuerst zur allgemeinen Einführung in das Thema:
Guido Möllering: “Meistens gut, manchmal schlecht, immer ambivalent – Vertrauen als Aufheben von Ungewissheit”, S. 716-717

  • Positive Effekte (von Vertrauen)
    • Wesentlich erweiterter Möglichkeitsraum (Zitat N. Luhmann: “Ohne jedliches Vertrauen könnte man morgens sein Bett nicht verlassen”)
    • Einsparung von Kontrollaufwand (Kontrolle als Sand im Getriebe, Vertrauen als Schmirmittel)
    • Oportunistisches Verhalten nimmt in vertrauensvollen Beziehung ab und konstruktives Verhallten nimmt zu
  • Negative Effekte (von Vertrauen)
    • Unbedingte Loyalität schränkt Möglichkeitsraum stark ein
  • “Vertrauen braucht Grundlagen, und es ist daher richtig und wichtig, ‘gute Gründe’ für Vertrauen zu identifizieren. (…) Vertrauen muss (aber) stets über gute Gründe hinausgehen. Vertrauen muss enttäuscht werden können (…)”
  • Aufhebung von Ungewissheit: “Der Vertrauende überwindet die Ungewissheit, doch er eliminiert sie nicht, denn die Zweifel bleiben latent.”

Peter Gutjahr-Löser geht in “Wir können nicht mehr vertrauen – Der Begriff des öffentlichen Amtes und die Aufgaben der Professoren” (S. 726-727) auf Vertrauen bzw. den Vertrauensverlust an Hochschulen ein.

“Die Hochschulen werden derzeit von einer in ihrer Geschichte fast beispiellosen Fülle von Kontrollverfahren, Evaluationen oder Akkreditierungen überzogen. Es ist der Vertrauensverlust, der auch das Amt des Hochschullehrers unter den Verdacht des Freiheitsmissbrauchs stellt. Aber: Ohne Vertrauen wird es keine Wissenschaft geben.”

  • Gutjahr-Löser argumentiert, dass das langwierige Auswahlverfahren für Professoren (und die viele Unsicherheit auf dem Weg, sie hohen “Abbruchquoten”) u.a. damit zu begründen/erklären sind, dass dem Professor nach der Berufung große Freiheiten (Vertrauen) geschenkt wird – Allerdings schlägt heute der Kontroll-Wahn (“wir können nicht mehr vertrauen”) zu um die (wenigen) Fehlberufungen, die es noch gibt, unter Kontrolle zu bringen.
  • Problem: “(…) dass die Ablenkung der zu geistigen Leistungen besonders befähigten Mitbürger von ihren wissenschaftlichen Problemen und ihre Hinlenkung auf die Alltagsprobleme der Lebensbewältiung zu einem nicht messbaren Ausfall an Forschungsleistungen führt (…)”
  • Interessant: Gerade heute, wo in vielen Bereichen immer mehr Vertrauen in Mitarbeiter gesteckt wird (werden muss), tritt der Staat mit seinen Universitäten/Professoren einen Rückschritt an …

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