Archiv für Dezember, 2007
Humor über die Feiertage
Zwei kleine YouTube-Videos über die ich an den Feiertagen “gestolpert wurde” …
Cartoons zu Social Software und Enterprise 2.0
Verfasst von kochm unter Social Software am 26.12.2007
In letzter Zeit bin ich verschiedentlich über Cartoons zu den Themen Enterprise 2.0 und Social Software gestolpert. Insbesondre bei Geek and Poke.
Hier eine Liste der besten (to be continued …)
Apple Werbung (2)
Über Apples Werbung habe ich ja schon mal geschrieben. Die verschiedenen Mac-und-PC-Videos sind auch einfach klasse. Allerdings sind die aktuellen Filme nichts verglichen mit dem was Apples Werbe-Macher in der Vergangenheit geleistet haben …
Häufig erwähnt wird hier der “Apple 1984 Super Bowl Spot” zur Einführung des Apple Macintosh.
Ich muss aber sagen, dass mich der nicht so beeindruckt hat.
Viel mehr dafür der Spot “Heres to the crazy ones” aus der “Think Different” Kampagne von 1997 – Man beachte vor allem den Schnitt zwischen Callas und Gandhi … genial … (Hierüber wurde auch schon an anderen Stellen geschrieben: z.B. lowendmac.com)
Hier der Text dazu:
Here’s to the Crazy Ones.
The misfits.
The rebels.
The troublemakers.
The round pegs in the square holes.
The ones who see things differently.
They’re not fond of rules.
And they have no respect for the status quo.
You can quote them, disagree with them,
disbelieve them, glorify or vilify them.
About the only thing that you can’t do, is ignore them.
Because they change things.
They invent. They imagine. They heal.
They explore. They create. They inspire.
They push the human race forward.
Maybe they have to be crazy.
How else can you stare at an empty canvas and see a work of art?
Or, sit in silence and hear a song that hasn’t been written?
Or, gaze at a red planet and see a laboratory on wheels?
We make tools for these kinds of people.
While some may see them as the crazy ones, we see genius.
Because the ones who are crazy enough to think that they can change the world,
are the ones who do.
Zu dem Spot gibt es auch Making Of auf YouTube. Und hier eine Seite, die zum Text die Bilder und die Namen plus kurze Vita der Personen zeigt: sleepingcat.com.
Interessant ist auch wie der Spot dieses Jahr wieder aufgegriffen wurde: Zum Original-Soundtrack (Original-Text) wird eine Liste von Anwendungen für das gehackte iPhone gezeigt – Dieser “Message” an Apple kann ich mich nur anschliessen :-)
Buchkommentar – The Hidden Power of Social Networks
Verfasst von kochm unter Social Software am 16.12.2007
Das Buch “The Hidden Power of Social Networks – Understanding How Work Really Gets Done in Organizations” von Rob Cross und Andrew Parker ist 2004 in der Harvard Business School Press erschienen. Die beiden Autoren gehen darin auf verschiedene Aspekte aus ihrer Arbeit mit der Analyse Sozialer Netzwerke in Organisationen ein.
In Kapitel 1 wird das bekannte Beispiel präsentiert, das ein Organigramm dem sozialen Netzwerk derselben Organisation gegenüberstellt (siehe Abbildung) – An dieser Gegenüberstellung sieht man, dass
- Cole zwar in der Hierarchie nicht besondern hoch steht, dass es die Organisation aber sehr im Informationsfluss stören würde wenn er ginge
- Dagegen würde ein Weggehen einiger der höheren Manager gar nicht so sehr stören – keine große Lücke hinterlassen :-)

Cross und Parker betonen aber schon in Kapitel 1 den Umstand, dass in vielen Netzwerken die Existenz von zentralen Personen (“Hubs”) nicht nur positiv gesehen werden kann. Diese stellen nämlich immer auch einen Flaschenhals für die Arbeit in der Organisation dar. Es wird später im Buch auch ein Beispiel präsentiert, wo der “Hub” seine zentrale Position im Netzwerk bewusst gepflegt hat – und damit dem Unternehmen mehr geschadet als genutzt hat. Eine sinnvolle Reaktion auf die Identifikation von Hubs in der Netzwerkanalyse ist also statt dem Umgarnen der zentralen Positionen eher das bewusste Herstellen weiterer Links um diesen Flaschenhals zu beseitigen.
Die Gliederung des Buches in den Worten der Autoren: Part One of this book (Chapters 1-4) describes how work really gets done in organizations through these informal networks (…). Part Two of this book sets forth practical ways for managers to promote healthy networks after they have identified opportunities for improvement (Chapter 5-8). (S. 12)
Ein kurzer Kommentar dazu: Das Buch liefert im Hauptteil keine direkte Anleitung für die Analyse von sozialen Netzwerken und die Reaktion darauf, sondern schafft mit vielen Beispielen und dem Ansprechen vieler wichtiger Aspekte aus diesem Bereich eher ein Bewusstsein für die Notwendigkeit und die Möglichkeiten. Erst im Anhang werden konkrete Anleitungen zur Durchführung einer Netzwerkanalyse und zur Reaktion darauf gegeben.
In Kapitel 3 sprechen die Autoren den interessanten Aspekt an, dass es nicht nur um de Optimierung des Informationsflusses (Push) in Netzwerken geht, sondern vielfach besonders wichtig ist, dass man dann wenn man sie braucht per Pull an die benötigte Information kommt:
“We definitely need to home in on some of the disconnects you found in the informtion network. At the same time, I think we need to create a broader ability for employees to get information from others when they need it. This is not so much about pushing more information through a group but about developing relationships that can be rapidly sought out when needed. I can get information from others when I want it because I’m the boss. But we need this kind of responsiveness built deeply into networks (…) because the cost of them not getting timely information can be catastrophic. (Senior hospital administrator)” (S. 31)
In diesem Zusammenhang stellen die Autoren verschiedene Arten von Sozialen Netzwerken vor – je nachdem, was genau untersucht werden soll:
- access networks – who has access to whom (gemeinsamer Kontext, Vertrauen schon aufgebaut)
- awareness networks (Awareness der Information/Expertise, die bei anderen Vorhanden ist)
- communication networks (Wer kommuniziert mit wem)
- information flow networks (Zwischen wem fliesst Information – das kann auch mit speziellem Fokus auf Information, die zu Problemlösungen genutzt wird erhoben werden)
Einen weiteren Aspekt, den man untersuchen kann stellen die Autoren in Kapitel 4 mit “energy networks” vor. Dabei schauen sie sich an, wer wen “energizes” bzw. “de-energizes”. Damit ist gemeint, wer wen inspiriert / motiviert (oder auch anders rum).
Auf Seite 58ff werden fünf Dimensionen von “energizing environments” genannt und diskutiert:
- A Compelling Vision
- A Meaningful Contribution
- Full Engagement
- A Sense of Progress
- Belief in the Goal
Im Anhang des Buches (Anleitung zur Durchführung einer SNA) werden die verschiedenen Typen von untersuchbaren Beziehungen nochmal aufgegriffen und dargestellt (S. 147ff):
- Collaboration in a Network
- Communication
- Information
- Problem solving
- Innovation
- Information-Sharing Potential of a Network
- Knowledge awareness
- Access
- Engagement
- Safety
- Rigidity in a Network
- Decision making
- Communicate more
- Task flow
- Power or influence
- Well-Being and Supportiveness in a Network
- Liking
- Friendship
- Career support
- Personal support
- Energy
- Trust
Im Zusammenhang mit dem Finden von Reaktionsmöglichkeiten auf den in der Analyse gefundenen Zustand gehen die Autoren in Kapitel 5 auf die verschiedenen Typen von Personen im Netzwerk ein:
- Central Connectors (the unsung hero, the bottleneck)
- Boundary Spanners
- Information Brokers
- Peripheral People (stuck on the periphery, intentionally peripheral)
Das ganze erinnert mit an die etwas übersichtlichere Aufstellung in “The Tipping Point” von Malcolm Gladwell: Meavens, Salesmen, Connectors.
Kapitel 6 geht auf die Entwicklung von Beziehungen ein. Eine interessante Erkenntnis dazu ist, dass die wichtigsten Informationsaustauschbeziehungen immer auch einen privaten Hintergrund haben:
“If anything surprised us from our interviews, it was the importance of relationships developing on a personal front to become effective professionally (in terms of information sharing and collaboration). Almost universally, people reported that their most valued information relationships had connected on issues outside work, and this process was often identified as a major milestone in the development of the relationship.” (S. 95)
Auch bei der Vorstellung von Personen im Intranet (in Social-Networking-Anwendungen) ist deshalb die Erwähnung von persönlichen Interessen wichtig.
In Kapitel 7 gehen die Autoren schließlich auch auf Gestaltungsmöglichkeiten (zur Verbesserung der Vernetzung) ein. Wie zu erwarten finden dabei technische Werkzeuge (IM, Skill-Profiling-Systems, Group-Support-Systems, E-Mail Applications) zwar Erwähnung, werden aber nicht als besonders wichtig eingestuft.
Hierzu noch ein nettes Zitate aus dem Buch:
- “However, some portion of the millions of dollars most organizations are investing in underutilized technologies can be effectively reallocated to initiatives that promote vibrant employee networks.” (S. 12)
Filmkommentar – Ratatouille
Vorgenommen hatte ich es mir schon länger – heute hat es endlich geklappt: Ich war mal wieder im Kino und zwar in “Ratatouille”. Und mein Eindruck in Kürze: Absolut klasse!!!
Zuerst einmal zeigt der Pixar-Film mal wieder einen Fortschritt in der Animationstechnik. Vor nicht ganz so langer Zeit wurde “Monsters Inc.” wegen seiner naturgetreuen Darstellung von Haaren gelobt – Ratatouille zeigt erstens das in noch größerer Perfektion und liefert noch weitere Goodies. So spielen sehr viele Szenen im Regen oder Wasser. Und die Regentropfen sind klasse. Es fällt wirklich schwer zu sagen, ob die Szenen Zeichentrick oder echt sind. Genauso positiv auffällig sind die komplexen Hintergründe der Szenen.
Aber genug zur Technik – Es wäre nämlich schade den Film nur danach zu bewerten. Denn wie schon in der Vergangenheit schafft es Pixar mal wieder die Technik einzusetzen um eine klasse Geschichte damit zu erzählen. Es ist schon eine Zeit lang her, dass ich im Kino am Ende spontanen Applaus erlebt habe – aber bei Ratatouille war das wirklich verdient!
Amazing Discoveries: Paper
Im September habe ich über einen genialen Film zu Helpdesk im Mittelalter geschrieben – und dabei auch nach Quellen zum Film über die Wiedererfindung des Papiers (als Fortschritt gegenüber dem Laptop) gefragt.
Inzwischen habe ich den Film gefunden:
Eine andere Variante des “Stücks” – leider nur als Transkript, dafür auf Deutsch findet man unter http://1st-paper.com/imgs/Eine_erstaunliche_Erfindung.pdf.
verwandt.de
Verfasst von kochm unter Social Software am 9.12.2007
Martin Weigert hat auf seinem Blog zweinull.cc schon Ende November eine Zusammenfassung/Auswahl der beeindruckendsten Webangebote im Jahr 2007 veröffentlicht. Besonders interessant ist dabei die Kategorie “Überraschung 2007 national”, in der er verwandt.de nennt.
Ist auch wirklich interessant – Ein sehr schön gemachte (“Ajax at its best”) Site auf der man Stammbäume eingeben/aufbauen/verwalten kann. Dabei wird meiner Meinung nach das Thema Crowdsourcing / Virale Verbreitung ideal umgesetzt: Jeder (noch lebende, online erreichbare) Eintrag im Stammbaum wird aufgefordert, zu helfen, den Stammbaum vollständiger zu machen (wenn man seine/ihre E-Mail-Adresse angibt). Im Gegensatz zu vielen anderen Web 2.0-Diensten wird hier also nicht nur “unzusammenhängende” Information gesammelt, sondern gemeinsam etwas “größeres” aufgebaut – zum Nutzen aller, die sich beteiligen.
Aber wie Martin Weigert frage ich mich auch, was das Geschäftsmodell hinter verwandt.de ist. 7,5 Mio Profile und 500.000 Stammbäume in einem halben Jahr ist nicht schlecht. Aber ich dachte, dass nach der geplatzten Blase vor ein paar Jahren nicht mehr nur noch die Zahl der Benutzer, sondern ein vernünftiges Geschäftsmodell zählt. Und so interessant verwandt.de auch ist, es ist nicht die Site, auf der man täglich vorbei schaut. Naja, schau wir mal, was 2008 da bringt.
Vertrauen – Allgemein und bei der Hochschulreform
Verfasst von kochm unter Social Software, Universität am 9.12.2007
Im Dezember-Heft der Zeitschrift Forschung und Lehre sind verschiedene (kurze) Artikel rund um das Thema “Vertrauen” abgedruckt. Nachdem Vertrauen auch in Social Software und speziell in Sozialen Netzwerken immer wieder als zentrale Zutat angesprochen wird, denke ich, dass das Thema auch hier im Blog von Interesse sein könnte und fasse hier einige meiner Meinung nach wichtige Aussagen zusammen.
Zuerst zur allgemeinen Einführung in das Thema:
Guido Möllering: “Meistens gut, manchmal schlecht, immer ambivalent – Vertrauen als Aufheben von Ungewissheit”, S. 716-717
- Positive Effekte (von Vertrauen)
- Wesentlich erweiterter Möglichkeitsraum (Zitat N. Luhmann: “Ohne jedliches Vertrauen könnte man morgens sein Bett nicht verlassen”)
- Einsparung von Kontrollaufwand (Kontrolle als Sand im Getriebe, Vertrauen als Schmirmittel)
- Oportunistisches Verhalten nimmt in vertrauensvollen Beziehung ab und konstruktives Verhallten nimmt zu
- Negative Effekte (von Vertrauen)
- Unbedingte Loyalität schränkt Möglichkeitsraum stark ein
- …
- “Vertrauen braucht Grundlagen, und es ist daher richtig und wichtig, ‘gute Gründe’ für Vertrauen zu identifizieren. (…) Vertrauen muss (aber) stets über gute Gründe hinausgehen. Vertrauen muss enttäuscht werden können (…)”
- Aufhebung von Ungewissheit: “Der Vertrauende überwindet die Ungewissheit, doch er eliminiert sie nicht, denn die Zweifel bleiben latent.”
Peter Gutjahr-Löser geht in “Wir können nicht mehr vertrauen – Der Begriff des öffentlichen Amtes und die Aufgaben der Professoren” (S. 726-727) auf Vertrauen bzw. den Vertrauensverlust an Hochschulen ein.
“Die Hochschulen werden derzeit von einer in ihrer Geschichte fast beispiellosen Fülle von Kontrollverfahren, Evaluationen oder Akkreditierungen überzogen. Es ist der Vertrauensverlust, der auch das Amt des Hochschullehrers unter den Verdacht des Freiheitsmissbrauchs stellt. Aber: Ohne Vertrauen wird es keine Wissenschaft geben.”
- Gutjahr-Löser argumentiert, dass das langwierige Auswahlverfahren für Professoren (und die viele Unsicherheit auf dem Weg, sie hohen “Abbruchquoten”) u.a. damit zu begründen/erklären sind, dass dem Professor nach der Berufung große Freiheiten (Vertrauen) geschenkt wird – Allerdings schlägt heute der Kontroll-Wahn (“wir können nicht mehr vertrauen”) zu um die (wenigen) Fehlberufungen, die es noch gibt, unter Kontrolle zu bringen.
- Problem: “(…) dass die Ablenkung der zu geistigen Leistungen besonders befähigten Mitbürger von ihren wissenschaftlichen Problemen und ihre Hinlenkung auf die Alltagsprobleme der Lebensbewältiung zu einem nicht messbaren Ausfall an Forschungsleistungen führt (…)”
- Interessant: Gerade heute, wo in vielen Bereichen immer mehr Vertrauen in Mitarbeiter gesteckt wird (werden muss), tritt der Staat mit seinen Universitäten/Professoren einen Rückschritt an …
Terminvereinbarung – Doodle.ch
Eine immer wiederkehrende Koordinationsaufgabe in Gruppen ist die Abstimmung eines Termins (z.B. für ein gemeinsames Treffen). Und die State-of-the-Art-Lösung dazu ist leider meist immer noch folgende (schon die fortgeschrittene/bessere Version):
- “Koordinator” sendet E-Mail an alle mit ein paar Terminvorschlägen
- “Alle” antworten per E-Mail – entweder nur an den Koordinator – oder schlimmer per “Reply All” an alle – mit mehr oder weniger strukturierten Kommentaren, wann es geht und wann nicht
- Der Koordinator wühlt sich durch die Antworten und stellt hoffentlich eine Überschneidung fest (die er dann allen mitteilt) – ansonsten nochmal von vorne
Ich möchte jetzt nicht die seit zwanzig Jahren im Groupware/CSCW-Bereich propagierten Gruppenkalender als Lösung vorschlagen – denn die funktionieren in wenig strukturierten/anarchischen Bereichen (wie Universitäten) oder bei organisationsübergreifenden Teams noch nicht so richtig. Aber es gibt eine andere gute Lösung für die Vermeidung von E-Mail-Kaskaden:
- z.B. Nutzung eines Wikis, in das die Terminvorschläge eingetragen werden und alle Ihre Verfügbarkeit dazu vermerken
Unter www.doodle.ch gibt es inzwischen sogar einen Web-Dienst, der das ganze narrensicher mit einer schönen UI umsetzt: Einfach Terminvorschläge eintragen und den Link an alle potentiellen Teilnehmer schicken, die dann auf der Website ihr Feedback dazu geben können. Das Aufsummieren der Antworten übernimmt dann wieder der Dienst – schön sichtbar für alle.
Wobei man beim Einsatz des Tools mal wieder beobachten kann, dass ein Tool alleine keine Lösung ist (“a fool with a tool is still a fool …”). So muss man erstens mal abstimmen, ob auch der Initiator seine Verfügbarkeit einträgt – oder ist mit den vorgegeben Terminvorschlägen automatisch verbunden, dass der Initiator an all diesen Zeit hat? Und dann habe ich auch schon beobachtet, dass sich nach dem Einrichten der Abstimmung plötzlich keiner mehr für den Prozess mehr zuständig fühlt – und so am Schluss das Resultat auf ewig (bis zum Verstreichen aller Terminangebote) bei doodle verschüttet bleibt. Die Lösung ist also wie immer nicht nur ein technisches System, sondern ein soziotechnisches – mit Organisation/Absprachen um die Technik rum …
Buchkommentar – Hackers & Painters
Vor einige Zeit bin ich mal auf “Hackers & Painters – Big Ideas from the Computing Age” von Paul Graham aufmerksam geworden – ich glaube es war wegen des Vergleichs von Computer-Hackern mit Malern – beides “Macher” :-) Als “Möchte-Gern-Hacker/Macher” musste ich mir das Buch natürlich sofort besorgen – und inzwischen ist auch auch nach oben auf meinem Still-to-Read-Stapel vorgerückt und gelesen worden … Hier ein paar Kommentare dazu.
In Kapitel 2 geht der Autor auf Charakteristika von “Hackern” ein – und darauf, dass “Hacking” als schöpferische Tätigkeit viel mit Malen und Schreiben zu tun hat. Hier ein paar Zitate:
- “what hackers and painters have in ommon is that they’re both makers”
- “computer science is a grab bag of tenuously related areas thrown together by an accident of history”
- “Programs should be written for people to read, and only incidentally for machines to execute” (Structure and Interpretation of Computer Programs, Harold Abelson und Gerald Sussman, MIT Press, 1985)
Kapitel 4 ist den Vorteilen von “Web/Server-basierter Software” gegenüber “Client-basierter Software” gewidmet. Sowohl aus Sicht der Benutzer als auch aus Sicht der Firmen, die Software zur Verfügung stellen. Graham schildert am Beispiel seiner Firma Viaweb vor allem den Vorteil des direkten Kontaktes zu den Benutzern als auch der Möglichkeit schnell reagieren und in kurzen Abständen neue Versionen der Software veröffentlichen zu können. Das erinnert doch sehr an die Argumentation rund um Web 2.0 …
In Kapitel 6 geht Graham auf Vermögen/Reichtum (engl. “wealth”) ein. Er hat dazu einiges zu sagen – vor allem:
- Vermögen wird nicht einfach verteilt, sondern geschaffen – wenn also jemand ein Stück Software schreibt, das die Bedürfnisse von Kunden befriedigt (d.h. für das eine Nachfrage existiert), dann wird damit Vermögen geschaffen
In Bezug auf Firmen und Vermögen/Reichtum sagt er deshalb auch: “What most businesses really do is make wealth. They do something people want.”
Interessant sind in diesem Zusammenhang auch seine Ausführungen zur Bezahlung für geleistete Arbeit. Hier sei das Problem, dass in großen Unternehmen nicht festgestellt werden kann, was einzelne Mitarbeiter zum Wertzuwachs beitragen bzw. in wie weit sie für einen Wertzuwachs verantwortlich sind. Dies sei nur in Ausnahmefällen möglich (messbar) – bei Vertriebsmitarbeitern und beim Unternehmensvorstand – oder bei kleinen Unternehmen (Startups). Wenn eine Möglichkeit der “Messung” existiert, dann sieht Graham keine Probleme darin, dass die Gehälter um den Faktor 100 abweichen (vom Unternehmensdurchschnitt). Er führt dazu an, dass auch im alten Rom die Preise für Sklaven je nach Fähigkeiten um den Faktor 50 abgewichen sind (S. 111).
Kapitel 10 – 14 behandelt das Thema Programmiersprachen – mit dem Resumee, dass Java ein toter Pfad der Evolution von Programmiersprachen ist (ein “Neandertaler”), und dass Lisp die mächtigste Programmiersprache ist und sein wird (mit ihren Nachkommen wie z.B. Ruby). Siehe hierzu meine ausführlichen Ausführungen in einem früheren Post.
Kapitel 15 widmet sich schließlich noch dem Thema “Design vs. Research”. Graham zeigt das an dem Beispiel auf, dass er einen neuen Lisp-Dialekt “designed” – nicht aber “research” in Programmiersprachen betreibt. Der Unterschied ist seiner Meinung nach darin, dass man sich beim Design mehr auf den Benutzer konzentriert. Design beginnt mit der Frage, für wen man entwirft und was die Nutzer davon haben. Ein guter Architekt beginnt damit zu klären, was die Benutzer brauchen (nicht was sie wollen!).