Im Rahmen der Münchner Wissenschaftstage im Jahr der Geisteswissenschaften 2007 fanden/finden grade an der Ludwig Maximilian Universität München interessante Ausstellungen und Vorträge aus den verschiedensten Bereichen der Geisteswissenschaften statt.
Ich war gestern mal spontan dort und habe mir folgende beiden Vorträge angehört:
- “Sprachen, Götter, Gene: zur Vorgeschichte Europas nördlich der Alpen”, Prof. Theo Vennemann, PhD.; Institut für Deutsche Philologie, LMU München
- “Medien als Schlüssel kultureller Entwicklung”, Prof. Dr. Wolfgang Raible, Romanische Philologie und Allgemeine Sprachwissenschaft, Universität Freiburg
Eigentlich bin ich ja hauptsächlich wegen des zweiten Vortrags hin und wollte den ersten nur so “mitnehmen” – aber im nachhinein (wie so oft) hat mich der unerwartete Beitrag am meisten fasziniert. Die Hauptthese von Vennemann war, dass Nordeuropa nach der letzten Eiszeit aus dem Baskenland besiedelt worden ist und deshalb auch die Sprache (und die Ortsnamen) baskisch geprägt sind. Die indogermanischen Sprachen wären erst später drübergestülpt worden. Interessant ist dabei, dass diese These auch von der Naturwissenschaft durch Analyse der Genwanderung gestützt wird. Vennemann meinte dazu, dass ihn seine Kollegen aus den Geisteswissenschaften erst halbwegs ernst nämen, seit die Naturwissenschaftler diesen Beweis geführt hatten …
Sehr schön fand ich Vennemanns Beweisführung über die Genese der Ortsnamen in Nordeuropa. Diese beinhalten doch noch viele baskische Elemente – die heute teilweise ganz anders (miss-)interpretiert werden. Sogar “Isar” oder “Isere” etc. haben baskische Wurzeln.
Nett auch das Argument mit dem auf 20 basierendem Zahlsystem aus dem Baskischen, das sich in vielen Nordeuropäischen Sprachen noch findet – ganz heftig im Französischen (quatre-vingt …).
Raibles sprach über die Medien (Schrift, Buchdruck, Internet, …) und ihren Einfluss auf die kulturelle Entwicklung. Von seinem Vortrag habe ich hauptsächlich ein paar Thesen in Erinnerung: Jedes neue Medium wird zuerst einmal abgelehnt und reglementiert – da es Einfluss auf die Kultur hat. / Die Möglichkeiten eines Mediums werden erst langsam erschlossen und genutzt.
Zu letzterem (Erschliessen der Möglichkeiten eines Mediums) hat Raible einiges ausgeführt – am Beispiel der Schrift (nicht gedruckte Bücher). So begann das ganze parallel mit Anwendungen in der Buchführung und der 1:1 Wiedergabe gesprochener Sprache. Letzteres führte dazu, dass keine Trennungen zwischen den Worten oder gar Interpunktion genutzt wurden. Das Blatt Papier wurde als eindimensionales Medium genutzt. Erst durch die Erschließung der Zweidimensionalität konnten einige Vorteile des Papiers nutzbar gemacht werden – Übersichtliche Texte, Tabellen, … Interessant fand ich hier auch die Beispiele zu Hypertexten aus der Zeit vor dem Buchdruck: So wurden Bibelkopien mit viel Platz für Kommentare und Kommentare zu Kommentaren ausgestattet.