Mensch und Computer 2007 – Tag 3


Bevor ich mit dem Tag 3 beginne noch ein Nachtrag zu Tag 2: Am Abend von Tag 2 fanden Treffen / Mitgliederversammlungen der Fachgruppen im GI Fachbereich Mensch-Computer-Interaktion statt. Ich war zuerst auf der Gründungsversammlung der neuen Fachgruppe Medieninformatik. Interessant war dabei die Diskussion, was denn nun Medieninformatik ist – Untermenge von MCI – Obermenge von MCI? Was gehört sonst noch alles dazu? Die ganze Informatik? Es wird vermutlich sehr schwer das Feld abzugrenzen. Aber es ist meiner Meinung nach durchaus wichtig, in der GI eine Präsenz der Medieninformatik zu haben – gerade im Hinblick auf die verschiedenen Studiengänge, die unter diesem Label laufen – und hier (bei den Studiengängen) gilt sicher eher ein “Medieninformatik als Obermenge zu MCI”. Dann war ich (als Sprecher zwangsweise ;-)) noch auf der Mitgliederversammlung der Fachgruppe Computer-Supported Collaborative Work. Ein sehr konstruktives Treffen mit vielen guten Diskussionen und Ideen – mehr dazu demnächst im Protokoll auf der Website der Fachgruppe.

“Eine gruppenspezifische Repertory Grid Analyse der wahrgenommenen Attraktivität von Universitätswebsites” von Marc Hassenzahl und Stephanie Heidecker von der Universität Koblenz-Landau – Das war zwar nicht der Vortrag, warum ich in die Session gegangen bin – aber sehr interessant – nicht direkt die Ergebnisse der Analyse – viele der Ergebnisse hängen meiner Meinung nach nicht mit den Websites der Unis zusammen, sondern mit dem was die Bewertenden über die Uni hinter der Website wissen – es wurden also eher die Unis bewertet als die Websites der Unis-, sondern viel mehr das Analyseverfahren “Repertory Grid”. Eine der wichtigsten/interessantesten Eigenschaften der Methode ist, dass sie keine inhaltliche Strukturierung voraussetzt (wie zum Beispiel Fragebögen) – man muss sich also nicht vorher überlegen, nach welchen Kriterien die Befragten werten, sondern findet diese (auf eine strukturierte Art als bei Interviews) auch noch heraus.

Sens-ation: Eine Plattform zur Entwicklung ubiquitärer Umgebungen von Christoph Beckmann und Maximilian Schirmer von der Bauhausuniversität Weimar – Eine Awareness-Umgebung (YAAI – Yet another awareness infrastructure) mit Erweiterungen um ubiquitäre Sensoren und Aktuatoren. Als ein Teil wird Präsenzawareness unterstützt – u.a. auch mit Verknüpfung zu elektronischen Kalendern – etwas, das meiner Meinung nach dringend fehlt bei heutigen Präsenzawareness-Systemen

Reflections on our Part and Visions of our Future, ein eingeladener Vortrag der Präsidentin der Usability Professionals (UPA) Thyra Rauch von IBM. Sie hat zuerst einen sehr schönen Überblick zur Entwicklung der Bedeutung von (Arbeit an) Usability gegeben. Mit Beispielen wie dem von Dell, bei denen die Verbesserung der Usability an der E-Commerce Website zu einem Ansteigen des Umsatzes von 1Mio$/Tag auf 34Mio$/Tag geführt hat – vielleicht nicht nur die Verbesserung der Usability? Dann ging es zu verschiedenen Aspekten von Usability (-Engineering). Hier nur ein paar Schnippsel daraus: “Things that look different should act different. Things that look the same should act the same.” (Larry Marine). Bei Web-Anwendungen wird immer mehr in kleinen Iterationen geändert – wenn die Änderungen keinen oder einen negativen Einfluss auf den Erfolg der Anwendung haben, dann werden sie zurück genommen – Benutzer merken davon häufig gar nichts – erst wenn man Snapshots einer Website von unterschiedlichen Zeiten nebeneinander legt. Eine Konstante: “users still are not interested in reading manuals or studying the system, but only in accomplishing their goals” – wie auch schon Forschung in den 1980ern gezeigt hat … Das Beispiel eines neuen Samsung Handys, mit dem man nur noch telefonieren kann – Werbung “no games, no camera, …” – mehr Features (die doch nicht genutzt werden) führen nämlich immer/meist zu geringerer Usability – Das erinnert mich an meine kürzliche Suche nach einem vernünftigen neuen Handy OHNE Kamera – gar nicht so einfach …

“Kooperatives Arbeiten unter der Lupe” von Wolfgang Prinz von Fraunhofer FIT. “Eigentlich sollte man gar nicht mehr so viel über E-Mail machen, sondern mehr über gemeinsame Ablagen …” – da steckt dann ziemlich viel Information drin (die Daten, die man reingesteckt hat und die Handlungen, die man darauf ausgeführt hat). Die Info könnte man nutzen um Kompetenzen und Netzwerke zu identifizieren – denn die (hierarchischen) Strukturen in den gemeinsamen Ablagen sind nicht immer intuitiv um etwas zu finden und schon gar nicht um einen Überblick zu bekommen. Idee: Flexible Zugriffspfade durch Kombination von Inhalten, Strukturen, Personen, Aktivitäten. Zu diesen Ideen/Anforderungen wird ein sehr nettes Tool vorgestellt, das auf BSCW-Arbeitsbereichen arbeitet.

“Status- und Kontextinformationen für die Telekommunikation im Auto” von Dagmar Kern von Fraunhofer IAIS (und Partnern von BMW). Problemhintergrund: Nicht nur die Bedienung eines Handys im Auto lenkt ab, sondern auch das Telefonieren an sich – also sollte man das Telefonieren vielleicht verhindern oder dem Anrufer den Kontext mitteilen sollte, wenn der Fahrer gerade besonders belastet ist. Probleme bei Erkennung des Kontexts, der Weiterleitung der Kontextinformation und der Privatsphäre. Hierzu wurde ein Konzept entwickelt und ein Prototyp erstellt. Ein bisschen wie Präsenzawareness zu Autofahrern – manuelles und automatisches Setzen von Statusinformation – für den Anrufer wurde im Prototypen die Information auch in einem Instant Messaging Client angezeigt.

“Shifts in Significance: How Group Dynamics Improves Group Awareness” von Christoph Oemig und Tom Gross von der Bauhausuniversität Weimar. Probleme bei Awareness-Anwendungen: Privatsphäre, Information-Overload. Idee: Signifikanz einer (Awareness-)Information abhängig von der Zeit/Kontext ermitteln und dahingehend filtern. Konkret hier: wie ändert sich der Informationsbedarf entlang eines Gruppenentwicklungsprozesses.

Und jetzt geht es zu einem gemeinsamen Abendessen – in der Mensa …

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