Mit ein bisschen Hintergrund im Forschungsbereich Computer-Supported Cooperative Work (CSCW) habe ich mich schon verschiedentlich mit dem Thema “Groupware” beschäftigt – und auch damit, was man denn eigentlich unter dem Begriff verstehen kann/soll. Und ich muss leider beobachten, dass hier ein riessiger Unterchied zwischen Theorie und Praxis besteht. Gerade eben ist mir wieder ein Beitrag bei Heise Online mit dem Titel “Groupware-Server mit Betriebssystem” begegnet – und in dem Beitrag ist – wie häufig in der Praxis – der Begriff Groupware mit “Microsoft Exchange ähnliche Funktionalität” gleichgesetzt – also E-Mail, (gemeinsame) Terminkalender, (gemeinsame) Adressbücher, (gemeinsame) Todo-Listen.
Wenn man in der Theorie nachliest, dann klingt das aber ganz anders. So schreiben Ellis und seine Koautoren schon 1991: Unter Groupware versteht man ein „computer-basiertes System, das eine Gruppe von Personen in ihrem Aufgabengebiet oder Ziel unterstützt und eine Schnittstelle für eine geteilte Arbeitsumgebung bietet“ (Ellis et al. 1991, S. 40). Also auch gemeinsame Arbeitsräume, Wikis, Blogs oder Systeme wie CVS und Subversion.
Mir selbst ist zusätzlich immer noch wichtig zu betonen, dass das wichtigste Charakteristikum von Groupware die Aufhebung der Isolation der einzelnen kooperierenden Benutzer untereinander ist. Eine einfache Datenbank, die von verschiedenen Benutzern zum Austausch von Daten benutzt werden kann wäre also keine Groupware – Erst wenn die Benutzer aufeinander aufmerksam gemacht werden, wenn die eingegebenen Daten auf die jeweiligen Benutzer verweisen, dann könnte man von Groupware sprechen.
Bei der Praxis-Definition “Groupware = Exchange” ist es kein Wunder also, dass Social Software immer so losgelöst von Groupware (und CSCW) gesehen wird. Im Vergleich mit Outlook/Exchange ist es ja wirklich was neues …