Die letzten Tage habe ich das Buch “Theorie der Unbildung” von Konrad Paul Liessmann gelesen. Ein echt lesenswertes Essay rund um die Themen Bildung, Bildungspolitik und Bildungsreform (speziell in Hinblick auf die Universitäten). Interessant ist auch Liessmanns Argumentation, dass die heutige “Informationsgesellschaft” eher eine “Desinformationsgesellschaft” ist …
Um seine Argumentation zu stützen geht Liessmann auch auf die Definition der Begriffe “Wissen” und “Information” ein (S27ff). Hierzu ein bisschen mehr.
Sehr schön finde ich die zitierte Definition für “Information” des amerikanischen Systemtheoretikers Gregory Bateson: Information ist “irgendein Unterschied, der bei einem späteren Ereignis einen Unterschied macht” (Gregory Bateson: Ökologie des Geistes. Frankfurt/Main 1983, S. 488). Das erinnert mich stark an die Definition von Shannon – es ist aber viel besser auf die Realität anwendbar. So stellt auch Liessmann aufbauend auf dieser Definition von “Information” die Frage, was von dem, das wir täglich warnehmen (z.B. in den Nachrichten) denn wirklich Information ist, also wirklich geeignet ist, einen “Unterschied bei einem späteren Ereignis” zu machen. Und logisch folgert er, dass fast alles, was wir heute so konsumieren keine Information ist, sondern höchstens Unterhaltung.
Zu “Wissen” schreibt Liessmann, dass es im Gegensatz zur Information nicht eindeutig zweckorientiert sein muss (S. 29). Ob Wissen nützlich ist entscheidet sich nie (selten) im Moment der Aufnahme des Wissens. Ob Wissen nützen kann, ist eine Frage der Situtation in die man gerät – Liessmann nennt dazu auf Seite 29 einige sehr schöne Beispiele. Wie in anderen Definitionen von Wissen unterscheidet Liessmann auch zwischen den Daten, die man im Kopf hat, und dem Wissen, zu dem diese Einzelheiten und Begriffe erst werden, “wenn sie nach logischen und konsistenten Kriterien derart miteinander verknüpft werden können, dass sie einen sinnvollen und überprüfbaren Zusammenhang ergeben”. Liessmann spricht es zwar nicht direkt an, seine Argumentation passt aber zu meiner gerne wiederholten Aussage, dass Wissen eine Problemlösungskompetenz ist, die an einen bestimmten Menschen gebunden ist.
#1 von Matthias am 16.7.2007 - 20:46
Ich habe das Buch auch mit großem Interesse gelesen. Allerdings kann ich Herrn Prof. Liessmann nicht in allen Punkten folgen, lehnt er doch die neueren Entwicklungen an den Hochschulen zu pauschal ab.
Sein Vorbild, Kant als Professor in Königsberg, ist zwar klug gewählt, aber eben auch eine Ausnahmeerscheinung. Ohne ein gewisses Maß an Evaluation, Benchmarking und Leistungsdruck (für die Dozenten) wird es in Zukunft an den Hochschulen nicht mehr gehen.
Dennoch ein sehr lesenswertes Buch!
#2 von kochm am 17.7.2007 - 0:28
Ja, es wird wohl in Zukunft nicht mehr ohne gehen – da stimme ich zu. Die Frage ist aber doch eher ob es nicht grundsätzlich ohne gegangen wäre – und da stimme ich Liessmann zu – manche der aktuellen Entwicklungen sind selbstrechtfertigend/sich selbst bestärkend. Naja. Aber das ist ja eigentlich eine andere Diskussion. Unumschränkt zustimmenswert finde ich die in meinem Hauptbeitrag kurz angesprochenen Ausführungen von Liessmann zur Bedeutung von Information, Wissen und Bildung.