Archiv für Juli, 2007

Social Reference Managers

Wir sind gerade dabei, eine neue Website für unsere Arbeitsgruppe an der Universität zu entwerfen – und haben uns für WordPress als technische Basis entschieden. Damit ist sowohl das ConentManagement für statische Seiten (WordPress Pages) abgedeckt als auch die dynamische Microcontent- und Ankündigungs-Funktionalität eines Blogs. Ausserdem kann man über Plugins einfach weitere Quellen (RSS-Feeds anderer Blogs oder delicios Bookmarks) integrieren.

Ein Problem, das noch nicht abschliessend gelöst ist, ist die Art und Weise, wie unsere (wie üblich im akademischen Bereich SEHR WICHTIGE) Publikationsliste verwaltet und integriert werden soll.

Den Ideen von Social Software folgend, bietet sich an die Referenzen auf einer der verfügbaren Social Reference Manager Angebote (Social Bookmarking aber für Literatur(-referenzen)) zu verwalten und dann irgendwie in den Blog zu integrieren.

Frage 1: Welchen der verschiedenen Social Reference Manager sollen wir nehmen? Nach einer ersten Recherche blieben zwei mögliche Angebote in der engeren Wahl: CiteULike und Bibsonomy. Während ersterer eine bereitere Benutzerbasis und einen Fokus auf Literaturreferenzen hat, gefällt mir bei zweiterem die Vielfalt der Exportmöglichkeiten (und die Ankündigung, demnächst eine REST API anzubieten). Zuerst gestört hat mich bei Bibsonomy die Eigenschaft sowohl Bookmarks als auch Literaturreferenzen zu verwalten – ich nehme doch schon Delicious – soll ich jetzt alles umziehen? Fragen über Fragen …

Zwischenfazit: Irgendwie ist Bibsonomy “schöner” …

Frage 2: Wie bekommen wir die in Bibsonomy verwalteten Literaturreferenzen in den Blog rein? Am besten ohne selbst etwas zu programmieren. Eine erste Suche nach Plugins, die diese Arbeit erledigen war leider nicht erfolgreich. Aber Bibsonomy bietet die Möglichkeiten, Literaturlisten als RSS-Feeds (für Neuzugänge) und als HTML-Seiten (zum Einfügen in die WordPress Pages) zu bekommen. Das sollte gehen.

Soviel zum Auswahlprozess. Wir beginnen jetzt mal mit der Umsetzung.

Falls irgendwer da draussen noch andere (bessere) Lösungen weiss, bitte möglichst bald schreien ;-)

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Was ist Groupware?

Mit ein bisschen Hintergrund im Forschungsbereich Computer-Supported Cooperative Work (CSCW) habe ich mich schon verschiedentlich mit dem Thema “Groupware” beschäftigt – und auch damit, was man denn eigentlich unter dem Begriff verstehen kann/soll. Und ich muss leider beobachten, dass hier ein riessiger Unterchied zwischen Theorie und Praxis besteht. Gerade eben ist mir wieder ein Beitrag bei Heise Online mit dem Titel “Groupware-Server mit Betriebssystem” begegnet – und in dem Beitrag ist – wie häufig in der Praxis – der Begriff Groupware mit “Microsoft Exchange ähnliche Funktionalität” gleichgesetzt – also E-Mail, (gemeinsame) Terminkalender, (gemeinsame) Adressbücher, (gemeinsame) Todo-Listen.

Wenn man in der Theorie nachliest, dann klingt das aber ganz anders. So schreiben Ellis und seine Koautoren schon 1991: Unter Groupware versteht man ein „computer-basiertes System, das eine Gruppe von Personen in ihrem Aufgabengebiet oder Ziel unterstützt und eine Schnittstelle für eine geteilte Arbeitsumgebung bietet“ (Ellis et al. 1991, S. 40). Also auch gemeinsame Arbeitsräume, Wikis, Blogs oder Systeme wie CVS und Subversion.

Mir selbst ist zusätzlich immer noch wichtig zu betonen, dass das wichtigste Charakteristikum von Groupware die Aufhebung der Isolation der einzelnen kooperierenden Benutzer untereinander ist. Eine einfache Datenbank, die von verschiedenen Benutzern zum Austausch von Daten benutzt werden kann wäre also keine Groupware – Erst wenn die Benutzer aufeinander aufmerksam gemacht werden, wenn die eingegebenen Daten auf die jeweiligen Benutzer verweisen, dann könnte man von Groupware sprechen.

Bei der Praxis-Definition “Groupware = Exchange” ist es kein Wunder also, dass Social Software immer so losgelöst von Groupware (und CSCW) gesehen wird. Im Vergleich mit Outlook/Exchange ist es ja wirklich was neues …

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RSS und Skype

Im Zusammenhang mit “Awareness” beschäftige ich mich schon lange damit, wie CSCW-Anwendungen (oder jetzt Social-Software) am besten miteinder gekoppelt werden können, bzw. wie man Information über Ereignisse in einem Workspace am besten (und flexibelsten) auf anderen Medien verfügbar macht.

Die Lösung der Wahl waren bisher so genannte Awareness-Server – also Server, bei denen sich Interessenten an Ereignissen anmelden könnten (mit verschiedenen Arten das Interesse zu spezifizieren) und die dann Ereignisse, welche beim Server publiziert worden sind, an die jeweiligen Interessenten verteilen. Trotz verschiedener Versuche (z.B. Elvin) hat sich in diesem Bereich aber leider noch kein Standard entwickelt.

Jetzt kommt der lang erwartete Standard von einer ganz anderen Richtung: RSS. Es gibt immer mehr Ereignisquellen, die ihre Information über RSS bereitstellen, und immer mehr Software, die RSS verarbeiten und aggregieren kann.

Das letzte Beispiel, das mit untergekommen ist, ist Anothr. Dabei handelt es sich um einen “RSS alert bot”, d.h. ein Stück Software, das RSS Feeds beobachtet und neue Einträge sofort an einen angegebenen Instant Messaging Client zustellt. Ich habe das ganze mit Skype ausprobiert und die Bedienung ist einfach klasse. Abonnieren oder Löschen von Feeds funktioniert ganz einfach über den Chat in Skype. Es ist also keine neue Benutzungsschnittstelle notwendig – auch wenn zusätzlich eine Web-Schnittstelle existiert.

Die ganze RSS-Basiertheit hat natürlich auch einen kleinen Nachteil: RSS Feeds basieren technisch auf einem Pull-Protokoll. D.h. der Empfänger (hier der alert bot) muss regelmäßig prüfen, ob es neue Einträge im Feed gibt. So ganz effizient ist das nicht. Vielleicht ist irgendwann man ein entscheidender Anteil des Internet-Traffics das dauernde Abfragen von RSS-Feeds? Aber so ist es mit den Lösungen, die nicht auf technische Perfektion, sondern auf Benutzbarkeit getrimmt sind …

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Knowledge Management and Enterprise 2.0

Ich bin ein bisschen spät dran und arbeite gerade eben erst die ganzen Postings rund um die Enterprise 2.0 Konferenz im Juni auf … und dabei bin ich auf einen Post von Paula Thornton gestossen – unter dem Titel “It’s Emergent …”.

Paula schreibt dort:

“the difference between Enterprise 2.0 and KM (Knowlege Management) is that the latter is not architected for emergence. KM technology is all about the structure … not about letting conversations happen. KM technologies reflect the minds of their makers, classic solutions engineering: they embody control.”

Besser hätte ich es nicht sagen können ;-) (Klassisches) KM versucht eine Lösung für das “Wissensproblem” überzustülpen – Dabei wird mehr auf Strukturierung der Informationen als auf Ermöglichung von Konversationen (Kommunikation) geschaut.

Sehr plastisch wird dies auch in dem von Paula zitiertem Ausspruch zu Enterprise 2.0:

Don’t train, advertise …

Also nicht die Benutzer trainieren, wie sie bestimmte Werkzeuge nutzen müssen, sondern mehr für bestimmte Werkzeuge/Medien werben, die Nutzungshürden möglichst gering halten, die Motivation über neue Medien zu kommunizieren und Information zu sammeln und auszutauschen möglichst hoch halten.

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Information, Wissen und Bildung


Die letzten Tage habe ich das Buch “Theorie der Unbildung” von Konrad Paul Liessmann gelesen. Ein echt lesenswertes Essay rund um die Themen Bildung, Bildungspolitik und Bildungsreform (speziell in Hinblick auf die Universitäten). Interessant ist auch Liessmanns Argumentation, dass die heutige “Informationsgesellschaft” eher eine “Desinformationsgesellschaft” ist …

Um seine Argumentation zu stützen geht Liessmann auch auf die Definition der Begriffe “Wissen” und “Information” ein (S27ff). Hierzu ein bisschen mehr.

Sehr schön finde ich die zitierte Definition für “Information” des amerikanischen Systemtheoretikers Gregory Bateson: Information ist “irgendein Unterschied, der bei einem späteren Ereignis einen Unterschied macht” (Gregory Bateson: Ökologie des Geistes. Frankfurt/Main 1983, S. 488). Das erinnert mich stark an die Definition von Shannon – es ist aber viel besser auf die Realität anwendbar. So stellt auch Liessmann aufbauend auf dieser Definition von “Information” die Frage, was von dem, das wir täglich warnehmen (z.B. in den Nachrichten) denn wirklich Information ist, also wirklich geeignet ist, einen “Unterschied bei einem späteren Ereignis” zu machen. Und logisch folgert er, dass fast alles, was wir heute so konsumieren keine Information ist, sondern höchstens Unterhaltung.

Zu “Wissen” schreibt Liessmann, dass es im Gegensatz zur Information nicht eindeutig zweckorientiert sein muss (S. 29). Ob Wissen nützlich ist entscheidet sich nie (selten) im Moment der Aufnahme des Wissens. Ob Wissen nützen kann, ist eine Frage der Situtation in die man gerät – Liessmann nennt dazu auf Seite 29 einige sehr schöne Beispiele. Wie in anderen Definitionen von Wissen unterscheidet Liessmann auch zwischen den Daten, die man im Kopf hat, und dem Wissen, zu dem diese Einzelheiten und Begriffe erst werden, “wenn sie nach logischen und konsistenten Kriterien derart miteinander verknüpft werden können, dass sie einen sinnvollen und überprüfbaren Zusammenhang ergeben”. Liessmann spricht es zwar nicht direkt an, seine Argumentation passt aber zu meiner gerne wiederholten Aussage, dass Wissen eine Problemlösungskompetenz ist, die an einen bestimmten Menschen gebunden ist.

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