Archiv für Juni, 2007

Vorlesung zu Web 2.0 und Social Software, Blogs

Ich war heute an der Universität in Erlangen-Nürnberg und habe den dortigen BWL-Bachelor-Studierenden über “Web 2.0 und Social Software” berichtet (die Präsentation findet sich hier). Der Jahrgang hat etwa 600 Studierende – es waren aber nur 200-300 da … hoffentlich nicht wegen meiner Anwesenheit, sondern eher weil den Verantwortlichen vorher rausgerutscht ist, dass mein Gastvortrag nicht prüfungsrelevant ist :-)

Der Gastvortrag fand im Rahmen des “Internet-Praktikums” für die Bachelor-Studierenden statt, in dem sie die “Handhabung und Anwendung von Softwarewerkzeugen zur Erstellung von Internet-Anwendungen” mitbekommen sollten. Ich habe mich also neben einer allegemeinen Einführung hauptsächlich darauf konzentriert, was man aus dem Social Software Bereich wie nutzen kann – und dabei speziell auf Blogs und RSS.

Meiner Meinung nach ist das nämlich eine Kombination, die in der Team- und Projektkommunikation noch viel zu wenig genutzt wird. Mit Hilfe von Blog-Plattformen wie wordpress.com oder blogger.de kann man sehr leicht dynamische persönliche Web-Seiten aufziehen, über die man persönliches Microcontent-Management betreiben kann und sich anderen – u.a. den Mitgliedern von Teams, in denen man mitarbeitet – mitteilen kann, also Awareness schaffen kann.

Damit das klappt, muss man aber von dem Gedanken weg, dauernd zu entscheiden zu können/müssen, was wer sehen will / kann / soll … das ist zumindest meine Erfahrung. Am besten einfach alles bloggen – die Selektion findet dann auf der Seite der Empfänger statt. Aber geht das wirklich? So könnte es für die Kommunikation mit meinen Mitarbeitern am Lehrstuhl sinnvoll sein über neue Ideen für Klausuraufgaben zu bloggen – diese Einträge sollten aber vielleicht nicht für die Studierenden sichtbar sein, welche die Klausur dann irgendwann mal schreiben sollen ;-). Ist das eine “natürliche Grenze” für Blogging? Oder ein Grund verschiedene Blogs zu pflegen oder doch über Zugriffsrechte nachzudenken? Offen gesagt, ich weiss noch nicht. Aber ich werde weiter experimentieren.

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Enterprise 2.0 – Kommentare zu Davenport vs. McAfee

Im Rahmen der gerade in Boston stattfindenen Enterprise 2.0 Konferenz ist mal wieder die Diskussion zwischen Tom Davenport und Andrew McAfee hochgekocht (sie haben sich in Boston ja sogar zusammen in den Ring gestellt). Das Social Computing Magazine veröffentlicht ein paar ausgewählte Zitate aus der Diskussion:

  • Davenport:

    • “I have yet to see capitalist organizations make more money as a result of E2.0, or any examples of corporate cultures being revolutionized.”
    • “Some of the emergent tools are interesting approaches, but they aren’t that fundamentally different that MS Sharepoint.”
    • “One of the interesting things about E2.0 is that stuff keep getting added – predictive markets, for example, aren’t really in SLATES and aren’t really emergent. The definition is stretching.”
  • McAfee:
    • “If I were at the top of a rocket, I would want to know that everyone in NASA who had an issue with the launch had been given an opportunity to raise and discuss their objections – this is exactly what they did not have in the challenger disaster. ”
    • “I can’t imagine any organization with deeper needs for Chinese walls, and siloed info.”
    • “IT is a leap of faith and you are spending hard cold dollars in the short term on a set of nebulous benefits in the longterm. But that doesn’t stop us from spending millions/billions of dollars on IT.”

Und? Ich muss sagen, dass sie beide recht haben. Natürlich werden Unternehmen nicht durch die Einführung von (Enterprise 2.0-)Software umgekrempelt und plötzlich viel produktiver. Aber das hat hoffentlich auch niemand gesagt? Und natürlich ist es schwer motivierbar, dass “Chines walls and siloed info” für ein Unternehmen vorteilhaft sein können. Gerade die aktuell laufende Diskussion zu Innovation widerspricht dem massiv. Natürlich ist es auch nicht immer optimal sich mit jedem zu vernetzen und 100% seiner Zeit in Kommunikation zu stecken. Der gesunde Mittelweg macht es – und meiner Meinung legen die (sinnvollen) Enterprise 2.0 Aktivitäten gerade hierauf Wert.

Zu Davenports Aussage, dass die aufkommenden Werkzeuge sich nicht fundamental von MS Sharepoint unterscheiden: Auch richtig. MS hat mit Sharepoint ja gerade versucht erste Schritte in die Richtung Community/Netzwerk-Untertützung zu unternehmen. Meiner Meinung gibt es aber doch Unterschiede: Während es mit Sharepoint möglich ist eine Enterprise 2.0 Site aufzusetzen, ist es mit anderen Werkzeugen nicht nur möglich, sondern leicht. Und das macht meiner Meinung nach den entscheidenen Unterschied! Den Web 2.0 Ideen folgend sollten Enterprise 2.0 Anwendungen sehr einfach zu bedienen sein (das ist Sharepoint nicht unbedingt) und auch sehr einfach anzupassen / zu ändern sein (… auch nicht).

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Buchkommentar – Blink

Letzte Woche im Zug bin ich mal wieder zum Lesen gekommen – und ganz oben auf meinem Still-To-Read-Stapel lag “Blink – The Power of Thinking Without Thinking” von Malcolm Gladwell.

Auf das Buch gestossen bin ich durch den Autor. Malcolm Gladwell, ein Columnist beim NewYorker, hat ja vor einigen Jahren das in meinen Augen geniale Buch “The Tipping Point” veröffentlicht. In “The Tipping Point” geht er auf die Bedeutung von sozialen Systemen und Netzwerken ein – und präsentiert sowohl für Spezialisten als auch für Laien lesenswert einen Rundumschlag mit vielen kleinen und großen Geschichten. Das Buch sollte eigentlich jeder, der sich mit Sozialen Netzwerken beschäftigt, gelesen haben.

Aber zurück zu “Blink”. In dem Buch wendet sich Gladwell einem anderen Thema zu: der Fähigkeit des Menschen, unterbewusst, in Sekundenbruchteilen, richtige entscheidungen treffen zu können. Wieder präsentiert er einen mit vielen Geschichten gespickten Rundumschlag mit einigen faszinierenden Aussagen. So haben mich insbesondere die Ausführungen darüber fasziniert, wie man die Fähigkeit, unterbewusst zu entscheiden, durch Platzierung von Eindrücken (Schaffung eines unterbewussten Bias) in bestimmte Richtungen beeinflussen kann.

Insgesamt also mal wieder ein sehr lesbares Buch – wenn auch nicht so nah an meinem Hauptarbeitsgebiet dran – in meiner subjektiven Wertung also eindeutig hinter “The Tipping Point” :-)

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ABC der Kulturen

Eher zufällig beim Durchsehen der Veranstaltungsübersicht im “In München” bin ich gestern auf die Veranstaltung “ABC der Kulturen” an der Ludwig-Maximilians-Universität gestossen – und auch hingegangen. Im “Jahr der Geisteswissenschaften” haben auf der Veranstaltung die verschiedenen geisteswissenschaftlichen Fakultäten der LMU ihre Arbeiten publikumswirksam (in Form von kurzen Vorträgen und Workshops) dargestellt.

Zwar habe ich nur zwei Vorträge im Block “Schrift und Sprache als Schlüssel zu Kulturen” gehört – Wolfgang Schulze zur “Vielfalt der Sprachen” und Stephan Packard zu “Mediensemiotische Fragestellungen: Ist Donald eine Ente?” – aber das hat echt Lust auf mehr gemacht. Insbesondere letzterer. Es ist schon faszinierend, was man mit Semiotik alles “anstellen” kann. Ich habe da auch viele Anküpfungspunkte an meine Arbeit mit rechnergestützter Kommunikation und Kooperation gefunden. Und fast noch besser als der eigentliche Vortrag dazu, ob Donald (Duck) nun eine Ente oder ein Mensch (als Ente dargestellt) ist, war die kurze Diskussion, in der Packard auf Comics in unterschiedlichen Kulturen eingegangen ist – und darauf, wie die semiotischen Aspekte der Einheit, Zweiheit und Dreiheit da je nach Kultur unterschiedlich wirken / interpretiert werden können. Aber auch Schulze hat viel “Food for Thought” hinterlassen … vor allem die kurzen Kommentare dazu, warum sich unterschiedliche Sprachen so entwickelt haben wie sie es haben – allein schon abhängig von den äußeren Gegebenheiten in denen die Sprecher leben.

Resumee: Wenn ich Zeit hätte würde ich glatt noch ein geisteswissenschaftliches Studium aufnehmen wollen … Realisierbar (und fest vorgenommen) ist aber wohl eher ein regelmäßiger Besuch von entsprechenden Fachvorträgen.

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Enterprise 2.0 bei CoreMedia

CoreMedia, eine Hamburger Firma, die bisher hauptsächlich für ihr Content-Management-System und DRM-Systeme bekannt war, macht in letzter Zeit viel rund um Web 2.0 / Enterprise 2.0 von sich reden. Auf der einen Seite erweitern sie ihr CMS System gerade um Web 2.0 Funktionalität. Viel wichtiger ist aber, dass CoreMedia (mit ihrem CEO Sören Stamer an der Spitze) als Sprecher dafür auftritt, dass Web 2.0 / Enterprise 2.0 nicht hauptsächlich mit Neuerungen in der Technik zu tun hat, sondern viel viel viel mehr mit Kultur (die natürlich durch Technik unterstützt wird). Und das lebt CoreMedia als Firma vor.

Eine sehr gute Präsentation dazu hat der CEO von CoreMedia auf der NEXT07 Anfang Mai gehalten – sehr sehens/hörenswert:


Link: sevenload.com

Ein paar Aussagen aus dem Vortrag, die mir erwähnenswert erscheinen:

  • Hierarchien haben ihren Preis: sie töten Kreativität, Anpassungsfähigkeit (Agilität), Motivation
  • Arbeit macht dann Spaß, wenn man kreativ sein darf
  • Kontrolle erzeugt Angst, Kontrolle führt zwansweise zu Hierarchien
  • Eine Alternative zu Kontrolle: Netzwerk, Kompetenz, Reputation
  • Loslassen muss man üben
  • Leider, leider habe ich BWL studiert ;-)
  • AB-teilungen waren keine gute Idee
  • Gruppe+Ziel = Team
  • Man braucht offene Feedbackkultur (“Feedback wirkt Wunder”)
  • Transparenz ist wichtig
  • Was macht Führung, wenn sie keine Kontrolle mehr ausübt? Sinn stiften!
  • Es gibt Angst vor Freiheit
  • Software nutzt einem erst etwas, wenn man die Kultur hat

Mehr zu dem Vortrag und weiteren Informationen zu den Aktivitäten von CoreMedia findet sich auch auf anderen Blogs, beispielsweise auf INJELEA oder gleich im Blog von Sören Stamer.

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