Wie Mittwoch geschrieben war ich diese Woche auf den intranet.days 2007 – um zuzuhören und um selbst was beizutragen. Hier ein paar Impressionen / Eindrücke von der Veranstaltung.
Zuerst einmal zum Organisatorischen: Die Veranstaltung war sehr professionell gemacht und auch der Teilnehmerkreis war “treffenswert” – Intranet-Verantwortliche aus unterschiedlichsten Branchen und Unternehmen. Es war also sehr spannend, den Berichten und Kommentaren in den Vorträgen und in den Pausen zu folgen.
Zum Social Software Bezug: Ernüchternd – Die meisten Intranets sind heute immer noch hauptsächlich “online Mitarbeiterzeitungen” und “editierte Wissensspeicher” – es gibt eine (kleine) Menge von Redakteuren, die Inhalte einstellen können, und eine große Menge von Mitarbeitern, die diese Inhalte lesen können. Collaboration-Funktionalität war bei den Praxisberichten kaum ein Thema. Wenn dann nur in Form von optional (und sehr vorsichtig) eingeführten Foren- und evtl. Wiki-Funktionalitäten. Mit einer Ausnahme … Leila Summa von der Cablecom GmbH in der Schweiz berichtete über ihr neues “IntraWeb 2.0″ – Ein Intranet, das mehr wie eine Enterprise 2.0 Seite aussieht als wie eine Online-Mitarbeiterzeitung.
Sehr Enterprise 2.0 lastig war auch die Präsentation von Peter Schütt über IBMs Intranet und IBMs bald erscheinendes Intranet Produkt Lotus Connections. Die bei IBM genutzten Funktionalitäten seine: Blogs, Wikis, Tagging (TagClouds für Communities und Personen), Feeds (RSS) und Gelbe Seiten (heissen bei IBM “Blue Pages”). Interessant zu den Blue Pages war zu hören, dass der Erfolg von der engen Anwendungsintegration abhing – d.h. davon, dass alle anderen Anwendungen ihre Informationen automatisch in den Blue Pages abgelegt haben – und somit der Benutzer nicht mehr viel selbst aktuell halten musste. Zu den Erfolgsfaktoren sagte Herr Schütt, dass es essentiell sei, dass das Unternehmen “los lassen kann”, dass ein bisschen organisiertes Chaos erlaubt wird.
Ganz spannend fand ich auch eine Geschichte, die Herr Schütt von seiner Tochter erzählte: Sie sei viel online und er habe sie vor kurzen mal gefragt, ob er einen E-Mail Account für sie einrichten solle. Ihre Antwort war: “E-Mail? Was ist das und wofür könnte ich das brauchen?” … Ihre Kommunikationsbedürfnisse sind mit Blogs, Instant-Messaging etc. völlig abgedeckt … Vieleicht wächst da eine Generation heran, die eine Chance hat das “Laster” E-Mail abzustreifen (bzw. in vernünftige Bahnen zurückzudrängen und mit anderen Medien sinnvoll zu ergänzen)?
Eine andere Impression, über die ich berichten möchte: Helen Day hat für mich die Aussage zu Intranets des Tages getroffen: “Don’t talk to employees about the Intranet, talk to them about their job – and how you can help them doing it” … Wie wahr, wie wahr. Das kann 1:1 auf Groupware, Social Software etc. übertragen werden.
Und noch etwas zum Abschluss: Dem eifrigen Mitschreiben bei meiner Erwähnung der meiner Meinung nach aktuell besten / plastischten Präsentation zu “Was ist Enterprise 2.0″ habe ich entnommen, dass die Präsentation noch nicht so bekannt ist. Wenn Sie also ein paar Eindrücke dazu bekommen wollen, was Enterprise 2.0 ist, dann empfehle ich die Präsentation “Meet Charlie” von Scott Gavin. Als Wissenschaftler ist mir natürlich manches zu einfach gehalten. Insbesondere sagt Scott Gavin recht wenig dazu, was für erfolgreichen Einsatz von Enterprise 2.0 Technologien benötigt wird (hinsichtlich Unternehmenskultur, Motivation etc.). Aber das war ja auch nicht sein Ziel. (Btw: Über Google habe ich neben der Slideshare-Version der Präsentation auch eine Powerpoint-Version gefunden …)
#1 von Alex am 26.5.2007 - 8:49
Danke für den Bericht. War schon gespannt…
> Vieleicht wächst da eine Generation heran, die eine Chance hat das “Laster” > E-Mail abzustreifen
Warum ist E-Mail ein Laster? Wenn es Spam nicht gäbe… Wie hat die Tochter von Peter Schütt sich denn nen Messenger geholt, ohne E-Mail? Sogar für diesen Kommentar brauche ich ja ne E-Mail-Adresse…
Ich glaube die E-Mail ist der Primärschlüssel des Web 2.0. Identitätsmanagement 2.0 *g*
Was halt an Social Networks schon praktisch ist: Man muss die Adresse des anderen nicht mehr wissen… Und die kann sich auch nicht ändern….
#2 von kochm am 26.5.2007 - 9:16
E-Mail schreibt eine bestimmte Form der 1:1 Kommunikation fest – und ist damit eigentlich ungeeignet für die effiziente Unterstützung von Zusammenarbeit (mehr als zwei Beteiligte, Newcomer, verschiedene parallele Prozesse/Task zu denen jeweils mehre Nachrichten gehören, Nachrichten und Dokumente, …). Es gibt zwar Lösungen für viele der Probleme: Mailinglisten, Archive, Mail-Verzeichnisse, Teamräume zum Ablegen von Dokumenten (statt Attachments) – diese sind aber realistisch gesehen nur Stückwerk. Ich sage ja nicht, dass E-Mail abgeschafft werden sollte. Aber zur räumlich verteilten Zusammenarbeit braucht man (zusätzlich) andere Werkzeuge – und muss um diese nutzen zu können vielfach bewusst auf E-Mail verzichten. Und ich merke an mir, dass mir das sehr schwer fällt – ich bin irgendwie schon auf E-Mail eingeschossen. Da habe ich bei der neuen Generation Hoffnung, dass die nicht so E-Mail-fixiert sind und neue Medien leichter aufnehmen / E-Mail substituieren.
#3 von lsumma am 28.5.2007 - 23:00
Übrigens, eine Entdeckung, die ich nicht nur in den Workshops an den Intranet.days 2007 gemacht hatte, sondern auch schon bei uns im Unternehmen: So hartnäckig bei den Leuten die Einstellung (immernoch) verankert ist, dass man bei der alten Generation der Intranet-Portale kein Dialog zuliess und deshalb E-Mail DAS Dialog-Medium sei, umso hartnäckiger sitzt leider auch der Glaube, dass man mit Blogs “nur” zweiseitig kommunizieren kann. Und schon kommen natürlich die Bedenken der Manager auf (“und dann geben alle zu allem immer ihre Meinung ab? wollen wir das?”). Dies schränkt dann automatisch den Blick für sinnvolle Einsatzzwecke im eigenen Unternehmen ein. Wir setzen Blogs vor allem einfach als News-Kanal für die Zulieferung von Informationen (One-to-many) im Bereich der Corporate-, Projekt-, Team- und Support-Kommunikation ein. Die Anzahl Blogs mit den Verwendungszwecken, die man aus dem WWW kennt ist bei uns auf ca. 3 beschränkt. Der Blog ist quasi wirklich einfach nur die technische Grundlage und erlaubt mit der blog/wiki-typischen Publikation mittels 3 Klicks oder via E-Mail ein schnelles Online-Schalten und gibt Interessierten die Möglichkeit den RSS-Feed zu abonnieren. Die Kommentar-Funktion kann bei uns auch deaktiviert werden. Dies widerspricht zwar der offenen Web 2.0-Kultur, aber intern hat sich dies bei gewissen Themen bewährt und die anfängliche Akzeptanz des Mehrwerts der Blogs als Medium erhöht und Vorurteile / Ängste (“alle kommentieren alles”) abgebaut. Ich denke, am Anfang braucht es – zumindest in unserem Unternehmen, wo wir von Intranet Generation 1 zu Generation 3 geswitcht sind – eben wirklich ein schrittweises Öffnen. Die Hoffung bleibt, dass nach einer anfänglichen Zunahme des E-Mail-Verkehrs aufgrund von Notifikationen bei neuen Einträgen, dann langfristig sich die Gewohnheiten einschleichen werden dass a) die Leute mit ihrem “My Workplace” arbeiten und dort die neusten Einträge sehen, d.h. auf eine E-Mail Notifikation verzichten b) sie und auch alle Vorgesetzten konsequent Blogs für die Kommunikation in interdisziplinären Teams einsetzen. Let’s see … :)….
#4 von kochm am 29.5.2007 - 6:22
Guter Punkt – Blogs sind für sich gesehen kein Kommunikationsmedium a la E-Mail oder besser noch a la Forum. Die Kommunikation ergibt sich bei Blogs teilweise erst über die Gesamtbetrachtung in der Blogosphere … auf einem einzelnen Blog wird hauptsächlich veröffentlicht (Me-Aspekt). Auf anderen Blogs wird dann vielleicht (in Veröffentlichungen) auf woanders Veröffentlichtes eingegangen etc. Damit ergibt sich ein (im Gegensatz zu Foren dezentrales) Netzwerk von Kommunikationsakten.