Charakterisierung von Web 2.0


Über den Begriff Web 2.0 ist schon viel geschrieben worden. Und Tim O’Reilly hat im September 2005 mit seinem Artikel “What is Web 2.0″ einen sehr guten Beitrag zur Schärfung des Begriffs geleistet. Trotzdem gibt es meiner Meinung nach weiterhin Bedarf darüber zu diskutieren, was denn die wichtigsten Charakteristika von Web 2.0 sind – Charakteristika, die Web 2.0 Anwendungen von anderen Anwendungen unterscheiden und so den Hauptbeitrag zu einem eventuellen Erfolg leisten.

Nachdem ich aus dem Forschungsbereich CSCW komme habe ich auf dieses Thema sowieso eine ganz eigene Sichtweise, die ich hier gerne kundtun möchte ;-)
Hier die für mich wichtigsten Charakteristika von Web 2.0 (Anwendungen):

  • Partizipation: Das wichtigste im Web 2.0 ist die aktive Mitwirkung eines großen Anteils der Benutzer – die weiteren Charakteristika tragen hierzu bei.
  • Netzwerke statt Communities: Eine Eigenschaft von Web 2.0 Anwendungen (im Gegensatz zu bisherigen Groupware-, Community-, Wissensmanagement-Anwendungen) ist es, dass nicht versucht wird die Benutzer in Gruppen (Communities) zusammenzufassen und direkt/hauptsächlich beim sich gegenseitig Helfen zu unterstützen, sondern es werden Möglichkeiten geschaffen, mit denen die Benutzer ihren natürlichen (Kommunikations-/Selbstdarstellungs-)Bedürfnissen nachkommen können und sich zusätzlich vernetzen und/oder über Netzwerke miteinander austauschen können. Dies steigert die Motivation, senkt die Mitmachhürde und hat damit einen positiven Einfluss auf die Partizipation.
  • Datenzentriertheit: Dadurch, dass Web 2.0 Anwendungen die mit ihnen erfassten Daten nicht in propritären Benutzungsschnittstellen “einsperren” sondern über APIs oder andere offene Schnittstellen wie RSS verfügbar machen, werden verschiedene neue Anwendungen auch für kleine Benutzergruppen ermöglicht (Mashups) – dadurch ergibt sich eine bereitere Nutzerbasis, mehr Motivation der Nutzer etwas beizutragen – und damit mehr Partizipation.
  • Modularität, einfache Erstellung von Anwendungen/Modulen: Web 2.0 Anwendungen sind normalerweise keine großen Monoliten, sondern kleine fokussierte Anwendungen, die über die eben erwähnten offenen Schnittstellen zu den Daten einfach miteinander arbeiten können. Dadurch wird es möglich, dass einfach neue Spezialanwendungen (auch für kleine Anwendergruppen) erstellt werden können, was wiederum die Nutzerbasis und Partizipation stärkt.
  • Benutzerbarkeit / Usability: Eine wichtige Eigenschaft von Web 2.0 Anwendungen ist die einfache Benutzbarkeit (Desktop-like Anwendungen im Web, d.h. über Web-Browser von überall her ohne extra Installation benutzbar). Dadurch sinkt die Nutzungsschwelle und wir haben wieder eine größere Nutzergruppe und mehr Partizipation.

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